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Die Suche nach Frieden und Vertrauen

Dass ein Mensch, der nicht vertrauen kann, verloren ist, das hat sicher jeder von uns schon einmal gespürt. Das Gefühl, sich auf den Nächsten verlassen zu können, nicht allein zu sein, wenn man Hilfe braucht: Soldaten nennen das Kameradschaft – ein Vertrautsein, das mehr ist als auferlegte Solidarität, sondern engstes „für einander da sein“ gerade dann, wenn man es dringend braucht.

Das wissen, das spüren unsere Soldatinnen und Soldaten gerade im Einsatz in Afghanistan immer wieder. Und sie wissen auch, dass das gemeinsame Ziel, die notwendige Sicherheit für den nachhaltigen Aufbau des Landes zu schaffen, nur mit den afghanischen Partnern erreicht werden kann. Diese sollen möglichst bald selbst die vollständige Sicherheitsverantwortung übernehmen, deshalb werden sie im Rahmen des „Partnering-Konzeptes“ in gemeinsamer Arbeit ausgebildet. Sie sind integrierter Teil des Einsatzes, Kameraden im Einsatz für die gleichen Werte und Ziele, die auch wir dort verfolgen. Ihnen müssen unsere Einsatzkräfte kameradschaftlich vertrauen, sonst kann der Einsatz nicht gelingen.

Vertrauen oder Zweifel 

Auch die rückwärtsgewandten gegnerischen Kräfte in Afghanistan wissen das. Sie versuchen deshalb, dieses Vertrauen zu den afghanischen Partnern zu stören, ja zu zerstören. Dazu verlegen sie sich mehr und mehr auf hinterhältige, perfide Anschläge von Attentätern, die afghanische Uniformen tragen. Dies zeigt einmal mehr, dass diese Gegner keine der zivilisatorischen Errungenschaften, keine der weltweit anerkannten humanitären Konventionen achten und beachten.

Sie kennen keine Rücksicht und kein Erbarmen. Das rote Kreuz auf Sanitätsfahrzeugen ist ihnen allenfalls Zielmarkierung, sie greifen sie sogar vorrangig an. Deshalb sind unsere deutschen Sanitätsfahrzeuge dort nicht mehr entsprechend gekennzeichnet. Wir haben in den vergangenen Monaten viele Gefallene und Verwundete zu beklagen, leider auch viele deutsche. Ich kannte einige der Gefallenen von Gesprächen bei meinen letzten Truppenbesuchen persönlich, und ich habe fast alle der Verwundeten in den Bundeswehr-Krankenhäusern in Koblenz und Ulm besucht. Ich weiß, welche schwere Last die Hinterbliebenen, die Verwundeten und ihre Angehörigen tragen. Und ich kenne die Zweifel, denen der Einsatz begegnet, mit jedem Gefallenen und Verwundeten noch mehr.

Miteinander beten?

Doch was kann man tun, um den Weg zum Frieden, der ja auch Vertrauen voraussetzt, zu finden? Ein viel beklatschter Vorschlag lautet, „mit den Taliban zu beten, statt Bomben auf sie zu werfen“. Aber: Mit solchen Leuten beten? Mit Leuten, die Frauenrechte nur mit Verachtung betrachten, die Frauen nicht einmal die Hand geben, geschweige denn sie als Gesprächspartnerinnen akzeptieren? Leuten, die jeden zivilisatorischen und humanitären Fortschritt als Versuch von „Kreuzfahrern“ ansehen, die Menschen vom „wahren“ Glauben abzubringen?

Nein, beten mag in vielfacher Hinsicht helfen – und auch für jemanden zu beten kann sinnvoll sein –, doch mit diesen Leuten ist kein Gebet möglich, weil sie jeden, der nicht ihren Glaubensüberzeugungen folgt, als „Ungläubigen“ bekämpfen und verfolgen. Und sie kennen in ihrem Kampf nicht einmal Rücksichtnahme auf Glaubensbrüder, auf Frauen, Kinder und Greise, wenn damit ein Propagandaerfolg verbunden ist. Wir müssen weiter Vertrauen aufbauen, und uns bewusst machen, dass es ja Gott sei Dank nur sehr wenige sind, die das ihnen entgegengebrachte Vertrauen missbrauchen. Dieses Vertrauen sollte natürlich durchaus mit der gebotenen Vorsicht verbunden sein. Der Respekt vor der scharfen Waffe sollte nie verloren gehen, egal, wer sie trägt. Ich wünsche unseren Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan das notwendige Soldatenglück. Möge Gottes Segen sie stets begleiten.

Hellmut Königshaus