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GKS-Akademie "Oberst Helmut Korn"

14. Seminar im November 2013

„Glaube, Kommunikation und Führungsverantwortung“

Ethische und religiöse Herausforderungen für christlich gebundene Soldatinnen und Soldaten in ihrem täglichen Dienst

Unter diesem ausführlichen Titel fand vom 4. bis 8. November 2013 im "Haus der Weiterbildung der Diözese Fulda" das umfangreiche Programm der Akademie der Gemeinschaft Katholischer Soldaten statt. 

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Plakat 2013 als PDF-Datei

 

Die Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) veranstaltet alle zwei Jahre eine Akademie-Veranstaltung im Fuldaer Bonifatiushaus. Der KOMPASS-Chefredakteur führte zum Thema des Seminars ein Interview mit dem Leiter der Akademie.

Interview mit Oberst a. D. Karl-Jürgen Klein

Oberst a. D. Klein beim Vortrag
Oberst a. D. Klein beim Vortrag

Die „Oberst Helmut Korn-Akademie“ der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) tagt erneut in Fulda. Beim 13. Seminar, das vom 7. bis 11. November 2011 in der diözesanen Bildungsstätte des Bistums Fulda, im dortigen Bonifatiushaus, stattfinden wird, ist erstmals auch der neue Katholische Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr, Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck, anwesend. Zum Leitmotiv des Seminars „Gesellschaftlicher Wandel, Vertrauenskrise im öffentlichen wie im privaten Raum und Glaubenskrise als Herausforderungen für einen katholischen Verband unter Soldaten in Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart" ein Interview mit Oberst a. D. Karl-Jürgen Klein, der für die Vorbereitung verantwortlich zeichnet:

Kompass: Worauf zielt in diesem Jahr das 13. Seminar der „Oberst Helmut Korn-Akademie“ ab? Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Veranstaltung, die zwischenzeitlich zum festen Bestandteil des Bildungsangebotes für Soldatinnen und Soldaten zählt?

Oberst a. D. Klein: Gesellschaften sind immer im Wandel, allerdings ist die Intensität innerhalb der Zeitepochen sehr unterschiedlich. Allein die technologische Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat unsere Gesellschaft in vielen Bereichen stark beeinflusst. Ein Beispiel sind die neuen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten, deren enormer Einfluss von wirtschaftlichen Aspekten bis hin zu Auswirkungen auf das Freizeitverhalten und die religiöse Einstellung der Menschen reicht.

Bei allen Potenzialen birgt diese Entwicklung gleichzeitig die Gefahr, Menschen zu isolieren, weil ihnen die Mittel für die Teilhabe fehlen oder sie aufgrund ihrer intellektuellen Fähigkeiten zu einer Gruppe gehören, die zu diesen Innovationen nur schwer Zugang findet. Hinzu kommen die aktuellen Auswirkungen der Finanzkrise: Sie drohen, die Gesellschaft noch stärker zu spalten und machen auf drastische Weise deutlich, dass für das Seelenheil des einzelnen gläubigen Menschen, der sich in seinem gesamten Tun und Handeln einem Schöpfergott zu verantworten hat, ganz andere Parameter von Bedeutung sind, die es zu erkennen und in das eigene Leben umzusetzen gilt. Als besondere Herausforderung kommt für uns Soldaten noch die unmittelbar bevorstehende Strukturveränderung in den Streitkräften hinzu, die bewältigt werden muss.

Ziel unserer Akademie in Fulda ist es, diesen gesellschaftlichen Wandel näher zu beleuchten und die Konsequenzen der hieraus resultierenden Vertrauenskrise im öffentlichen und privaten Raum mit all ihren Konsequenzen für den Einzelnen herauszuarbeiten, um uns dann in einem weiteren Schritt der offenbar bestehenden Glaubenskrise anzunähern. Hier bietet sich an, sowohl in den Diskussionen nach den Vorträgen, als auch in den Kleingruppen über Glaubensfragen, persönliche Erfahrungen und deren Auswirkungen für den Einzelnen zu sprechen.

Kompass: Woran machen Sie den gesellschaftlichen Wandel und die von Ihnen beschriebene Vertrauens- und Glaubenskrise fest?

Oberst a. D. Klein: Globalisierung und Individualisierung, Vereinzelung und Auflösung traditioneller Milieus, Rückgang der althergebrachten Formen von Religiosität (Abschied von der Volkskirche, die uns jahrelang sehr vertraut war) und das Zusammenleben von unterschiedlichen Ethnien und Kulturen, dies sind alles Begriffe, die einen tief greifenden gesellschaftlichen Wandel kennzeichnen, dessen Zeugen wir in der Gegenwart sein müssen und dürfen.

Die Konstanz und Stabilität früherer gesellschaftlicher Verhältnisse scheinen verloren gegangen zu sein. Eine durch Weltanschauung, religiöses Bekenntnis oder soziale Lage vorgegebene Orientierung trägt offenbar heute nicht mehr. Verschiedene Optionen und bisher ungekannte Wahlmöglichkeiten für jeden führen in unserer Gesellschaft dazu, dass Menschen sich mehr denn je zuvor in Habitus, Lebensstil, vor allem in Werten und Sinnperspektiven unterscheiden.

Es gibt offenbar und vordergründig deshalb mehr Selbstbestimmung, aber auch ein hohes Maß an Bindungsverlusten Einzelner, die zu einem Rückzug aus sozialer Verantwortung und zu einer Erosion von Gemeinschaftsbezügen führen können. Speziell bezogen auf unsere Bundeswehr verfolgen wir nunmehr seit einigen Jahren das unterschiedliche Anforderungsprofil an den Einsatzsoldaten im Gegensatz zu den Soldaten, die ausschließlich ihren Dienst in den Friedensstandorten leisten. Hier scheinen die Veränderungsprozesse auch in der öffentlichen Wahrnehmung am größten zu sein. In diesem Zusammenhang ist in dieser Woche sicherlich der Frage nachzugehen, welche Bedeutung der persönlich gelebte Glaube und die Religiosität für den psychisch und körperlich stark belasteten Einsatzsoldaten haben. Können die religiöse Rückbindung und die selbst erkannte Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns hilfreich in der Bewältigung militärischer Aufgaben sein?

Kompass: Welche Auswirkungen zeigen sich dabei bereits heute in den Streitkräften und welche vermuten Sie in der Zukunft – insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Allgemeine Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt worden ist?

Oberst a. D. Klein: Innerhalb des Themenbereiches „Gesellschaftlicher Wandel“ wollen wir uns in dieser Woche schwerpunktmäßig auch mit den strukturellen und inhaltlichen Veränderungen als neue Herausforderungen im Bereich der Streitkräfte beschäftigen. Zwangsläufig werden wir hier auf die Herausforderungen an die Gestaltung der Inneren Führung einer Einsatzarmee ohne Wehrpflichtige zu sprechen kommen. Hier wird sicherlich sehr schnell eine Diskussion darüber aufkommen, wie wir sie derzeit bereits zum Teil in der Gesellschaft haben, ob das Programm „Innere Führung“ in einer lediglich noch aus Berufs- und Zeitsoldaten – hier sind die freiwillig länger dienenden Soldaten eingeschlossen – bestehenden Armee noch seine Existenzberechtigung hat und auch zur Anwendung in der uns bekannten Weise kommt. Mit einbezogen in diesen Komplex der Diskussion wird sicherlich auch die Frage nach den Aufgaben und dem Amt des Wehrbeauftragten.

Die Innere Führung war in den letzten Jahrzehnten ein Markenzeichen der Deutschen Bundeswehr, wodurch sich unsere Armee substanziell gegenüber anderen Armeen der Welt unterschieden hat. Besonders deutlich wurden diese Unterschiede bei all unseren Auslandseinsätzen, wo sich deutsche Auftragstaktik und der militärische Führungsstil gerade unter dem Aspekt der Grundsätze der Inneren Führung sehr bewährt haben.

Sicherlich werden die Herausforderungen an die Gestaltung der Inneren Führung einer Einsatzarmee ohne Wehrpflichtige andere sein bzw. auf andere Grundlagen gestellt werden müssen. Der spezielle Vortrag hierzu im Programm dieser Woche durch den Stabsabteilungsleiter 1 des Führungsstabes der Streitkräfte, Brigadegeneral Kloss, wird hinreichend Gesprächsstoff für eine angeregte Diskussion liefern. Da zu diesem Zeitpunkt im November die wichtigsten Entscheidungen zur Struktur und zu dem Verbleib oder zur Auflösung der einzelnen Standorte gefallen sein werden, wird es zu ausführlichen Diskussionen auf der Grundlage gesicherter Erkenntnisse kommen. Hier kann eine intensive und durchaus auch sehr konträr geführte Diskussion erwartet werden.

Das Interview führte Josef König.