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Das „Institut für Theologie und Frieden“ gedachte in Hamburg seines Gründers

10. Todestag des katholischen Friedensethikers Prof. Dr. Dr. Nagel

Hamburg, 15.06.2011. Mit einem Pontifikalamt in der Kirche „Kleiner Michel“ der katholischen Kirchengemeinde Sankt Ansgar in Hamburg ehrte das Institut für Theologie und Frieden (IThF) seinen Gründungsdirektor, den am 13. Juni 2001 in Bardowick bei Lüneburg im Alter von 69 Jahren verstorbenen Professor Dr. Dr. Ernst-Josef Nagel. Er war 1959 zum Priester geweiht worden und später Lehrstuhlinhaber für Katholische Theologie und Sozialethik an der neugegründeten Hochschule der Bundeswehr in Hamburg.

Heilige Messe und Predigt

Die Zelebranten am Altar von St. Ansgar
Quelle: Kompass / Josef König
Bischof Grave bei seiner Predigt
Bischof Grave bei seiner Predigt. Quelle: Kompass / Josef König

Der Essener Weihbischof em. Franz Grave, den Papst Johannes Paul II. im Mai 1988 ernannt hatte, zelebrierte zusammen mit Militärgeneralvikar Prälat Walter Wakenhut und Prof. Dr. em. Norbert Glatzel – beides ebenfalls langjährige Weggefährten des Verstorbenen – das Pontifikalamt. In seiner Predigt, die dem „Wirken der Kirche für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt“ galt, erinnerte der ehemalige Essener Weihbischof, der viele Jahre Vorsitzender der Bischöflichen Aktion „Adveniat“ war, an das seelsorgliche, theologische und wissenschaftliche Lebenswerk des langjährigen Beraters sowohl von „Adveniat“ wie auch römischer und vor allem deutscher kirchlicher Gremien und Institutionen. Grave schloss die Predigt mit Dank für den Dienst des Verstorbenen, der als Priester der Diözese Essen von 1971 bis 1974 Katholischer Standortpfarrer in Essen gewesen war.

Eröffnung durch Militärgeneralvikar Walter Wakenhut
Eröffnung durch Militärgeneralvikar Walter Wakenhut. Quelle: Kompass / Josef König
Festvortrag von Professor Norbert Glatzel
Festvortrag von Professor Norbert Glatzel. Quelle: Kompass / Josef König
Direktor Professor Heinz-Gerhard Justenhoven rundet die Festakademie ab.
Direktor Professor Heinz-Gerhard Justenhoven rundet die Festakademie ab. Quelle: Kompass / Josef König

Festakademie

Die anschließende Festveranstaltung in der unweit der Kirche „Kleiner Michel“ gelegenen Katholischen Akademie der Erzdiözese Hamburg, dem jetzigen Sitz des Katholischen Friedensinstitutes, eröffnete Militärgeneralvikar Wakenhut. Der Apostolische Protonotar ist zugleich Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat und Kuratoriums des Instituts.

Nach seiner Begrüßung, die sich an Freunde und Weggefährten des Friedensethikers Nagel sowie an die Kooperationspartner des Institutes, darunter Soldatinnen und Soldaten der Führungsakademie der Bundeswehr und studierende Offiziere an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr (Hamburg), richtete, lenkte Professor em. Glatzel den Blick auf das Leben und Wirken des verstorbenen Ethikers, der die Frohe Botschaft des Evangeliums in theologischer und seelsorglicher Hinsicht „im Dienst des Friedens“ verankert sah. Dabei galten seine friedensethischen Überlegungen nicht nur den grundsätzlichen Aspekten der Sicherung und Förderung des Friedens unter den Bedingungen einer auf wechselseitiger Abschreckung basierenden Politik der Kriegsverhütung in den 80er Jahren: „Darf man androhen, was man nicht tun darf?“

Die theologische und ethische Auseinandersetzung über die sittliche Problematik der Androhung von Städtevernichtung zählt mit zu den Hauptwerken Nagels, dessen wissenschaftlicher Nachlass zur Bibliothek des Institutes, die mit 190.000 Titeln zu „Theologie und Frieden“ einzigartig ist, gehört. Insbesondere, mit Blick auf den Dienst des Soldaten gerichtet, reflektierte Nagel über den – im Gewissen gebundenen und mit dem Eides- und Gelöbnisversprechen „treu dienen und tapfer verteidigen" bekräftigten – soldatischen Auftrag. Dabei galt der katholische Theologe Nagel sehr frühzeitig als ein Verfechter des Rechtes auf Verweigerung des Kriegsdienstes mit der Waffe aus Gewissensgründen. Die Ständige Arbeitsgruppe „Dienste für den Frieden“ der Deutschen Kommission „Justitia et Pax“, deren Berater Nagel lange Zeit war, galt in den 80er Jahren als der Ort, in dem die im Laienkatholizismus engagierten Soldaten und die Repräsentanten der katholischen Friedensbewegung, sich im Ziel, dem Frieden als Soldaten und Kriegsdienstverweigerer zu dienen, zu verständigen bemühten.

Prof. Dr. Heinz-Gerhard Justenhoven, der heute das Friedensinstitut leitet, skizzierte zum Ende der Festakademie vier friedensethische Herausforderungen, denen sich das Institut mit Blick auf eine Festigung des „Frieden durch Recht“ verpflichtet wissen will. Dazu zählen die Weiterentwicklung des Völkerrechts und die Reform der Vereinten Nationen, die Bekämpfung des Terrorismus als Herausforderung für das bestehende internationale Recht, Herausforderungen, die mit einem Staatsaufbau am Beispiel Afghanistans verdeutlicht und verbunden sind und letztendlich mit der Frage, wie es um das innere Gefüge der Bundeswehr nach dem Ende der Wehrpflicht und angesichts der internationalen Einsätze bestellt sein wird. Justenhoven zum Ende seiner Ausführungen wörtlich: „Dass der Militärseelsorge hierbei eine besondere Rolle zukommt, hat mit dem Kernauftrag des Instituts zu tun: Zu der seelsorglichen Begleitung der Soldaten gehört die ethische Auseinandersetzung mit den Gewissensfragen, die die Soldaten in ihrem Berufsalltag umtreiben: So verstehen wir unsere Forschung als Teil der Pastoral der Militärseelsorge.“ Abschließend bedankte sich Justenhoven bei dem Ensemble „Sei Cento“, welches sowohl das Pontifikalamt als auch die Festakademie mit musikalisch-künstlerischen Beiträgen bereichert hatte. 

Josef König