Sie sind hier: Mediathek / Bücher / Afghanistan in der Sackgasse? / Interview mit MdB Elke Hoff (FDP)
MdB Elke Hoff (MdB)

MdB Elke Hoff (FDP) anlässlich der Buchpräsentation:

 

„Afghanistan wird aber noch Jahrzehnte der Fürsorge und politischen Aufmerksamkeit bedürfen, bis ein stabiles Staatswesen entstanden ist.“

Kompass: Sie werden anlässlich einer Buchpräsentation Anfang Juli in der Bundeshauptstadt - aus Ihrer Sicht und als Mitglied im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages - der Frage nachgehen, ob das internationale Engagement in Afghanistan sich in der Sackgasse befindet. Wie fällt Ihr Urteil, zehn Jahre nach dem ersten Beschluss des Deutschen Bundestages, dazu aus?

MdB Elke Hoff: Wir befinden uns zwar in einer komplexen und schwierigen Situation in Afghanistan, aber nicht in einer Sackgasse. Deutschland leistet seinen Beitrag auf der Grundlage einer von der NATO beschlossenen Strategie, die vorsieht, die Sicherheitsverantwortung bis 2014 schrittweise an die Afghanen zu übergeben, wenn es die Lage erlaubt. Dafür müssen die afghanischen Sicherheitskräfte von der internationalen Gemeinschaft weiterhin ausgebildet und ausgerüstet werden. Im Dezember dieses Jahres werden in Bonn auf einer internationalen Afghanistan-Konferenz außerdem die politischen Weichen für die Zeit nach 2014 gestellt werden.

 

Kompass: Nun ist es seit der zurückliegenden Londoner Konferenz beschlossene Sache, dass eine zeitlich nicht abschließend terminierte „Übergabe in Verantwortung“ in Afghanistan erfolgen wird. Was könnte im schlechtesten Fall nach dem Abzug von ISAF passieren? Droht ein Bürgerkrieg?

MdB Elke Hoff:  Die Gefahr eines weiteren Bürgerkrieges bestünde dann, wenn die internationale Gemeinschaft Hals über Kopf und ohne die Einleitung eines stabilen politischen Versöhnungsprozesses das Land verlassen würde. Dabei ist wichtig, dass alle relevanten ethnischen Gruppen und Konfliktparteien sowie die Nachbarstaaten an diesem politischen Prozess aktiv teilnehmen. Es ist bereits heute klar erkennbar, dass sich die internationale Staatengemeinschaft auch nach 2014 politisch und wirtschaftlich weiter engagieren wird. Die Gefahr eines Bürgerkrieges muss mit diesen Mitteln verhindert werden.

 

Kompass: Rückblickend gefragt, Frau Abgeordnete: Wie realistisch waren die anfänglichen Ziele, die mit ISAF verbunden waren? Haben Sie es womöglich zu Beginn des Einsatzes in Afghanistan versäumt, „den Einsatz von seinem Ende her“ zu bedenken?

MdB Elke Hoff: Der Beginn dieses Einsatzes wurde von den schrecklichen Bildern des Terroranschlags von 9/11 bestimmt. Die internationale Gemeinschaft wollte und musste schnell auf dieses Ereignis reagieren und hat die Herausforderungen eines militärischen Einsatzes in einem durch 30 Jahre Bürgerkrieg traumatisierten Land völlig unterschätzt. Ich glaube aber, dass die NATO und ihre Verbündeten inzwischen eine Strategie gewählt haben, die langsam beginnt Wirkung zu entfalten. Afghanistan selbst wird aber noch Jahrzehnte der Fürsorge und politischen Aufmerksamkeit bedürfen, bis ein stabiles Staatswesen entstanden ist. 

Das Interview führte Josef König.

 

Elke Hoff, MdB, Sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion und Stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, wird das Buch vorstellen.

Weitere Informationen zur Person