53. Internationale Soldatenwallfahrt nach Lourdes „Dein Reich komme“

Letztmalig mit Wehrpflichtigen – erstmals mit dem neuen Katholischen Militärbischof Overbeck

 

Auch die diesjährige Internationale Soldatenwallfahrt endete mit einem eindrucksvollen Konzert in der Kirche „Sankt Bernadette“ – diesmal vom Heeresmusikkorps 2 aus Kassel. Es war die 53. seit 1958, als erstmals Soldaten der Bundeswehr zu einer Pilgerfahrt mit der Katholischen Militärseelsorge aufgebrochen waren. Oberstleutnant Reinhard Kiauka sorgte in der sehr gut besuchten Kirche mit seinen Musikern mit dafür, dass die Wallfahrt zu „Unserer Lieben Frau von Lourdes“ in guter Erinnerung bleiben wird.

Quelle: Andrea Bienert

In Erinnerung wird sie auch denjenigen bleiben, die abseits des in allen Wallfahrtsorten üblichen Souvenirhandels, der die Straßen und Plätze in Lourdes bestimmt, Orte fanden, an denen Stille und Ruhe das Beten des Rosenkranzes und die Feier der Heiligen Messe erleichterten. Und davon gibt es im „Heiligen Bezirk“ einige. Erst recht im Zeltlager, dem eigentlich zentralen Ort, an dem sich in diesem Jahr Soldatinnen und Soldaten aus 29 Nationen einfanden. Gut 800 waren es aus Deutschland. Diese prägen das Bild der Soldatenwallfahrt. Viele soldatische Pilger berichten später noch, dass ihnen das gemeinsame Leben im Zeltlager mit den unterschiedlichsten Eindrücken in Erinnerung blieb.

Zumeist enden ihre Erzählungen auch nach Jahren mit dem Resümee, „dass man irgendwie anders aus Lourdes zurückkommt“. Dies gilt auch und gerade für diejenigen soldatischen Pilger, die der Kirche bislang eher fernstehen und sich als Nichtgetaufte auf das – aus ihrer Sicht so beschriebene – „Wagnis Lourdes“ einließen. Doch um diese Erfahrungen zu sammeln, muss man sich auf den Weg machen – sei es in Sonderzügen, die in diesem Jahr aus Münster, Hamburg und Nürnberg abfuhren, oder neuerdings vermehrt mit Motorrädern. Gerade letztere verändern zunehmend mehr das klassische Pilgerbild.

Militärgeneralvikar Prälat Walter Wakenhut (Quelle: KMBA / Halina Kluge)

Messe an der Grotte

Zu den Soldatenwallfahrten nach Lourdes gehört seit jeher eine Heilige Messe an dem Ort, an dem der Überlieferung nach der Tochter eines verarmten Müllers in Lourdes, Bernadette Soubirous, mehrmals die Jungfrau und Gottesmutter Maria erschienen sein soll. Die Überlieferung sagt, dass die letzte Marienerscheinung am 16. Juli 1858 stattgefunden hat.

Die „Grotte im Felsen von Massabielle“, dem „alten Fels“, ist das erste Ziel aller Lourdes-Pilger. So war es auch bei der diesjährigen Wallfahrt. Zusammen mit Soldatinnen und Soldaten aus Österreich und der Schweiz und deren Militärgeistlichen feierten der Militärgeneralvikar aus Deutschland, Prälat Walter Wakenhut, und Dr. Franz Fahrner, Militärgeneralvikar aus Österreich, den Gottesdienst, zu dem sich auch Pilger einfanden, die gerne mit Soldaten zusammen beten und das Sakrament feiern. „Lourdes ist für mich wie ein großes Ohr“, sagte Franz Fahrner in seiner Predigt in dem südwestfranzösischen Wallfahrtsort.

Quelle: Stefan Sättele

Ein anderes Bild

Auch ein anderes Bild prägt die Soldatenwallfahrt, denn nicht nur Soldatinnen und Soldaten pilgern nach Lourdes, sondern auch diejenigen, die durch Krankheiten gezeichnet sind und in Lourdes darauf hoffen, dass womöglich doch ein Wunder geschieht oder sie zumindest Linderung erfahren dürfen. Soldatinnen und Soldaten, kranke und gesunde, jüngere und im Alter fortgeschrittene Pilger prägen das Bild an der Grotte ebenso wie im gesamten Heiligen Bezirk. Dabei kennzeichnen Freundlichkeit, Höflichkeit, Respekt und Toleranz untereinander eine Wallfahrt, die deshalb zu Recht als Friedenswallfahrt beschrieben werden darf.

 

Quelle: Stefan Sättele

Als Militärbischof erstmals dabei

Für den seit Anfang Mai dieses Jahres amtseingeführten Katholischen Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck war es die erste Internationale Soldatenwallfahrt, die er als Hirte der „Kirche unter Soldaten“ begleiten konnte. Angereist mit Gästen aus dem Bundesministerium der Verteidigung, u. a. Staatssekretär Stéphane Beemelmans, und Stabsoffizieren, darunter auch Generalarzt Dr. Michael Tempel, der als Kommandeur das Sanitätskommando III in Weißenfels führt, fand sich auch der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, General a. D. Wolfgang Schneiderhan, mit seiner Frau Elke ein. Die Oberin des Provinzialates der Dillinger Franziskanerinnen, Schwester Rita Walter OSF, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, der Einladung des Militärbischofs zur Soldatenwallfahrt 2011 nach Lourdes zu folgen. Die Gäste des Militärbischofs beteten die 14 Stationen des Kreuzweges, den bereits tags zuvor vier soldatische Pilgergruppen unter Leitung deutscher Militärgeistlicher gegangen waren.

Das Beten der Kreuzwegstationen, bei dem von den Soldaten Erkrankte auf Tragen mitgeführt werden, zählt zu den Höhepunkten der Wallfahrt, zu der der französische Militärbischof alljährlich die Nationen und die dort dienenden Soldaten einlädt. Seit dem Ende der Ost-West-Konfrontation und dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ kommen inzwischen auch die Länder, denen es zuvor verwehrt war, der Einladung Folge zu leisten. Ost- und mitteleuropäische Nationen und ihre Soldaten ergänzen den internationalen Charakter, der zuvor auf Staaten begrenzt war, denen die Freiheit der Religionsausübung innerhalb und außerhalb der Streitkräfte und die Freiheit des Reisens vergönnt waren.

Quelle: Stefan Sättele
Quelle: Stefan Sättele

Firmung während des Pontifikalamtes

Das Zeltlager, welches von vielen zu Recht als das Herzstück der Soldatenwallfahrt bezeichnet wird und sich auf dem grünen Gelände oberhalb des Heiligen Bezirks befindet, stand im Mittelpunkt des diesjährigen Besuches des Katholischen Militärbischofs. Dr. Franz-Josef Overbeck zelebrierte zusammen mit allen an der Wallfahrt teilnehmenden Militärpfarrern inmitten des Zeltlagers auf dem „Mont des Béatitudes“ ein Pontifikalamt, welches frühmorgens und bei noch kärglichem Sonnenschein den Samstag der Soldatenwallfahrt einleitete. Die Predigt des Hirten der „Kirche unter Soldaten“ stellte die zweite Bitte im Vater-unser-Gebet „Dein Reich komme“ (vgl. Mt 6,10a) in den Mittelpunkt. Dieses war gleichzeitig das Leitmotiv der 53. Internationalen Soldatenwallfahrt.

Von dort aus weitete er die Sicht auf Grundfragen und Herausforderungen, die eng mit der Frage nach der Gerechtigkeit verbunden sind. Mit Blick auf die Bedeutung des Friedens in der Welt und unter den Menschen betonte Overbeck, dass der Friede „ein Werk der Gerechtigkeit“ ist, an dem bereits auf Erden zu arbeiten und sich zu engagieren christliche Pflicht ist.  Während des Pontifikalamtes spendete der Militärbischof dem 22-jährigen Hauptgefreiten Alexander Athmer, der in den Marineschutzkräften (2. MSK) in Eckernförde den soldatischen Dienst leistet, das Sakrament der Firmung.

Quelle: Stefan Sättele
Quelle: Stefan Sättele

Begegnung im Zeltlager

Noch vor der Eröffnung seines offiziellen Lagerbesuchs segnete Militärbischof Overbeck eine Kerze, die später von einer Delegation an die Grotte gebracht wurde. Nach der Nennung der gefallenen Soldaten wurde ihrer in einer Minute des Schweigens gedacht.

Staatssekretär Stéphane Beemelmans überbrachte zunächst die Grüße des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Thomas de Maizière, und erinnerte an seine persönlichen Erfahrungen, die er bereits bei einem zurückliegenden Besuch in Lourdes machen konnte. Sein Grußwort schloss mit dem Dank für den Dienst, den die Militärseelsorge auch und gerade mit den Soldaten in den Auslandseinsätzen leistet.

Zum Ende der Begegnung nutzten viele Soldatinnen und Soldaten die Gelegenheit, um ein Autogramm oder ein Erinnerungsfoto zusammen mit Militärbischof Overbeck zu erbitten. Dem kam er gerne nach, denn auch dies zählt zu guten Erinnerungen an eine Soldatenwallfahrt nach Lourdes.

Basilika „Pius X.“

Die Internationale Messe am Sonntag - von der deutschen Delegation gestaltet - war ein weiterer Höhepunkt der Wallfahrt. Sie wurde in der unterirdischen Basilika, die Platz für 20.000 Pilger bietet, gefeiert.

Dort fand wegen des regnerischen Wetters auch die Internationale Abschlussfeier statt. Der Segen am Ende der Feier war verbunden mit dem Wunsch, dass alle Soldatinnen und Soldaten gesund und unfallfrei wieder nach Hause kommen.

Josef König

Weitere Berichte und zusätzliche Informationen auf KMBA.de 

Einige Bilder haben wir aus Lourdes 2011 für Sie zur Ansicht bereitgestellt:

Lourdes 2011 in Bildern

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