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Wohin geht die Kirche?

Erneuerung unserer Rede von Gott und unserer Rede zu Gott

Mitte März fand die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Paderborn statt. Vom 14. bis 17. März 2011 trafen sich die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz unter Leitung des Vorsitzenden, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, um den auf der letzten Vollversammlung beschlossenen Gesprächsprozess zu gestalten.

Im Mittelpunkt standen die Folgen des Missbrauchsskandals und der angekündigte Dialogprozess in der katholischen Kirche in Deutschland. Im Hinblick hierauf haben die Bischöfe mit einem Bußakt vor dem Eröffnungsgottesdienst ein „Zeichen der Umkehr, der Besinnung und des Willens zur Erneuerung“ gesetzt. In seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst sagte der Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch: „Gott selbst ist es, der über alle menschlichen Möglichkeiten hinaus Erbarmen gewährt. Deshalb haben wir diesen festlichen Gottesdienst mit einer Bußfeier begonnen, in der wir um Gottes erbarmende Liebe gebetet haben: für die Sünder und für die Kirche als ganze, wegen der begangenen Taten und wegen aller Defi zite in der Liebe, im Glauben und in der Hoffnung.“

Die Bereitschaft zu Reformen wurde bekräftigt und ein Konzept für den Dialogprozess in der Kirche vorgestellt. Zollitsch betonte, dass Streitfragen wie der Zölibat Themen des Gesprächsprozesses sein können. So wurde der Wille zu Reformen und zum Dialog bekräftigt, aber auch Grenzen gezogen. Die katholischen Bischöfe erhoffen sich weiterhin vom Papstbesuch im September einen neuen Aufbruch nach einer schwierigen Zeit – „Wo Gott ist, da ist Zukunft“.

Erzbischof Robert Zollitsch appellierte außerdem an die Politik, Gentests an Embryonen zu verbieten. Mann öffne mit Sonderfällen die Tür für die Vernichtung menschlichen Lebens. Der Vorsitzende sagte zudem, dass die Atomenergie keine Energie der Zukunft, sondern eine Übergangstechnologie ist.

Weitere Fragen waren die Ökumene: eine Bestandsaufnahme der ökumenischen Diskussion der letzten 50 Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil und der Stand der theologischen Diskussion und praktischen Zusammenarbeit. Mit Verweis auf das katholische Kirchenrecht wurde festgestellt, dass evangelische Christen, die in konfessionsverschiedenen Ehen leben, in Einzelfällen zur Kommunion zugelassen werden. In bestimmten Ausnahmesituationen sei eine Zulassung evangelischer Christen zu den Sakramenten erlaubt, wenn die Eheleute das katholische Verständnis der Eucharistie mittragen. Zum Thema Ökumene erwartet die katholische Kirche auch von der evangelischen Seite neue Ansätze des Dialogs.

Schließlich hatte auch das Thema der Zukunft der Pfl ege im Alter Platz. Der Umgang mit Alten sei eine der Zukunftsfragen unserer Gesellschaft betonte Zollitsch.

Die Caritas hat bundesweit rund 2.000 stationäre Einrichtungen der Altenhilfe, katholische Gemeinden werden von Senioren getragen und sie sind die heutigen Gottesdienstbesucher. Mit dem demographischen Wandel wird in 50 Jahren jeder Dritte Deutsche 65 Jahre alt oder älter, heute ist es jeder fünfte.

Derzeit arbeiten rund 1,2 Millionen Menschen in der Altenpfl ege und benötigen bessere Bezahlung, die Städte mehr altersgerechte Infrastruktur. Die katholische Kirche begrüßt aus dieser Sicht die Vorschläge für eine Familienpflegezeit.

Das halbjährliche Treffen der deutschen Bischöfe ist das oberste Gremium der Deutschen Bischofskonferenz und findet jeweils im Frühjahr und im Herbst statt. Während der vier Tage werden Gespräche geführt, aber auch Beschlüsse gefasst. Interessant ist die Versammlung, weil durchaus organisatorische und vor allem auch inhaltliche Entscheidungen für die Kirche in Deutschland getroffen werden. Gerade in Zeiten der „Vertrauenskrise“ sind die Gespräche von besonderer Bedeutung und werden auch besonders beobachtet.                          Barbara Ogrinz