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Zeichen der Hoffnung

Etwa ein Jahr ist es her, dass wir mit dem „Karfreitagsgefecht“ mit drei gefallenen Soldaten und vielen Verwundeten eine neue, eine traurige Qualität der militärischen Lage in Afghanistan erleben mussten. Seitdem sind dort noch viele weitere Kameraden zu Schaden gekommen, unter anderem erst jüngst wieder im „OP North“, wo ein hinterhältiger Attentäter auf deutsche Soldaten schoss. Ich hatte einige der dort gefallenen oder verwundeten Soldaten noch wenige Wochen zuvor bei meinem Afghanistanbesuch getroffen, mit zwei der Gefallenen auch intensive Gespräche geführt. Das macht es mir noch schwerer als sonst, das Mitgefühl und die Trauer zu verarbeiten.

Den Hinterbliebenen Trost zu spenden, ist natürlich gerade bei so jungen Gefallenen besonders schwierig, und sicher kann nur die Zeit helfen, dass sich die seelischen Wunden der Hinterbliebenen allmählich schließen. Der Glaube an die Auferstehung und das ewige Leben ist dabei sicherlich eine Hilfe, aber er wird durch solche Ereignisse andererseits auch sehr auf die Probe gestellt. Möge ihnen – den Hinterbliebenen, den Freunden und den Kameraden – der notwendige Beistand zuteil werden.

Immerhin, es gibt auch Zeichen der Hoffnung. Ich habe bereits kurz nach den Vorfällen von Ende Februar die zum Teil schwer Verwundeten in Ulm und Koblenz besucht, und es war wie ein Wunder, sie bis auf einen wieder in guter Verfassung anzutreffen. Und auch den Kameraden, der dort noch nicht ansprechbar war, konnte ich bald darauf in Ulm besuchen und mich mit ihm über die großen Fortschritte bei seiner Genesung freuen. Ich möchte an dieser Stelle einmal den vielen Ärzten und Pflegekräften und allen an der Rettungskette beteiligten Kameradinnen und Kameraden meinen Dank und meine große Bewunderung aussprechen.

Sie leisten Großartiges, und es ist mehr als Pflichterfüllung, es ist kameradschaftliche Zuwendung. Zuwendung gegenüber denen, die im Einsatz zu Schaden kamen, aber auch gegenüber den Hinterbliebenen und Angehörigen der Verwundeten, zeichnete auch den kürzlich aus dem Amt geschiedenen Minister zu Guttenberg aus. Er tat dies meist im Stillen, ohne Beteiligung der Medien. Es war spürbar, dass ihm dies ein wirkliches Bedürfnis war. Und er hat sicherlich auch entscheidenden Anteil daran, dass durch den inzwischen deutlich verbesserten Schutz unserer Soldatinnen und Soldaten viele der Anschläge und hinterhältigen Überfälle vergleichsweise glimpflich ausgehen, wenngleich leider nicht alle. Das sollte nicht in Vergessenheit geraten, wenn dereinst die Geschichtsschreibung seine Amtszeit bewertet.

Nun hat ein neuer Minister die schwere Bürde dieses Amtes übernommen. Er wird die Quadratur des Kreises versuchen müssen, nämlich eine neue Struktur zu finden, die unsere Bundeswehr schlagkräftiger macht und dennoch nicht mehr kostet. Die noch immer vorhandenen Defizite weiter abzubauen und dennoch im Rahmen der Haushaltsansätze zu bleiben. Und nicht zuletzt die Einsätze unserer Bundeswehr in Afghanistan und in vielen anderen Ländern schnell, aber auch erfolgreich zu Ende zu bringen.

Eine große Freude ist die Berufung des Bischofs von Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck, zum neuen Militärbischof durch Papst Benedikt XVI. Die Militärseelsorge ist ja ein natürlicher Partner des Wehrbeauftragten, gerade in solch schweren Zeiten. Ich wünsche deshalb dem neuen Militärbischof in dieser wichtigen Funktion – ebenso wie dem neuen Minister – Geschick, Fortune und Gottes Segen!

Hellmut Königshaus