Terror und Unfreiheit entgegentreten
Leider gilt noch immer die Erkenntnis von Wilhelm Busch, dass auch der Frömmste nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Über den Sinn und Nutzen unserer militärischen Engagements – vor allem über ihre konkrete Ausführung – wird viel gestritten, aber nach meinem Eindruck nicht über deren Ziele. Niemand bestreitet, dass es richtig und wichtig ist, dem Terrorismus entgegenzutreten, die Wahrnehmung der Menschen- und Freiheitsrechte zu unterstützen oder den Frauen dort, wo es noch nicht der Fall ist, ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Das gilt
natürlich auch für die Glaubensfreiheit, die nicht nur den Gläubigen von Bedeutung
sein sollte. Glaubensüberzeugungen offenbaren nämlich das Innerste eines Menschen, und der Umgang der Herrschenden damit zeigt, wie frei und wie tolerant eine Gesellschaft wirklich ist. Wo es keine Glaubensfreiheit gibt, gibt es meist auch sonst keine Freiheit. Und auch keinen Respekt vor anderen Ethnien oder Überzeugungen. Unser Grundgesetz gibt dem Staat, aber auch uns allen einen klaren Auftrag: die Würde des Menschen zu schützen. Sie ist unantastbar, nicht nur die der Deutschen. Unsere ganze Kraft gilt in den Einsatzgebieten deshalb vor allem den Menschen dort. Ihnen ein Leben in Würde, Frieden und Freiheit zu ermöglichen, das ist ein Einsatz, der größten Respekt
erwarten kann. Ich danke all denen, die sich dieser schwierigen Aufgabe stellen, und ebenso jenen, die dafür als Familienangehörige Trennung und andere Entbehrungen hinnehmen.
Unser Land und unsere Gesellschaft treten zu jeder Zeit und an jedem Ort für die Menschenrechte ein. Natürlich ist das nicht ganz selbstlos, denn wir alle wissen, dass niemand auf dieser Erde sicher leben kann, wenn auch nur in einem kleinen oder auch fernen Land diese Rechte mit Füßen getreten werden. Auch wenn die Konfliktherde weit entfernt von unserer Heimat liegen mögen, so sind wir hier in Europa doch davon massiv betroffen. Vorbei die Zeit, da Goethes „Faust“ sich „nichts Schön’res“ vorstellen konnte als mit Behagen davon zu lesen, wenn „hinten, fern in der Türkei, die Völker
aufeinanderschlagen“. Das hat sich sehr geändert. Heute sind wir auch von entfernten Konflikten direkt betroffen, wie wir spätestens seit „9/11“ wissen.
Solche Konfliktherde, Länder in Aufruhr, wo Unrecht und Grausamkeit sich durchzusetzen
versuchen, sind heute eine Gefahr für die ganze Welt. Denn solche Orte der Unfreiheit und der Menschenverachtung locken jene an, die die Freiheit an sich und erst recht die Freiheit Andersdenkender nicht nur verachten, sondern sie auch aktiv bekämpfen. Radikale Fundamentalisten verbreiten von dort Terror und Gewalt. Dem entgegenzutreten, das ist es, was unsere Soldatinnen und Soldaten dort tun. Und den Aufbau von Strukturen voranzutreiben, die es den Menschen ermöglichen, ihr
Leben selbst in die Hand zu nehmen. Natürlich ist der militärische Einsatz allein niemals in der Lage, eine so komplexe Aufgabe zu lösen. Ebenso wichtig sind der infrastrukturelle und der administrative Aufbau, insbesondere von verlässlichen Sicherheitskräften. Daran
arbeiten viele Menschen und Organisationen gemeinsam. Aber ohne die Absicherung
durch unsere Soldatinnen und Soldaten wäre das in vielen Bereichen unmöglich. Ich hoffe sehr, dass dies auch in unserer Gesellschaft endlich die Anerkennung findet, die diejenigen, die vom Parlament mit diesem Auftrag betraut wurden, erwarten dürfen. Hoffen wir, dass insbesondere in Afghanistan die notwendigen Fortschritte erreicht werden, um unseren Abzugshoffnungen Nahrung zu geben.
Kommen Sie gut durch das Jahr! Hellmut Königshaus


