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Anerkennung für alle unsere Soldaten

© Deutscher Bundestag / Anke Jacobs

Gerade habe ich für Radio Andernach meinen Weihnachtsgruß für unsere Soldatinnen und Soldaten aufs Band gesprochen. Ich möchte auch an dieser Stelle Ihnen allen die besten Wünsche zum Christfest übermitteln, vor allem natürlich denen unter Ihnen, die in dieser besonderen Zeit für unser Land im Einsatz sind, sei es in Afghanistan, auf dem Balkan, im Mittelmeer, am Horn von Afrika oder anderswo in unserer unfriedlichen Welt. Und natürlich gelten diese Wünsche auch für diejenigen, die als Angehörige in dieser frohen und festlichen Zeit ohne den Partner oder die Partnerin, den Vater oder die Mutter auskommen müssen. Möge Ihnen allen die Frohe Botschaft dennoch Trost spenden und Zuversicht geben!

Dieses Jahr wird es ein wenig einfacher sein, die schmerzliche Trennung im Kontakt durch eine E-Mail, ein Telefongespräch oder sogar per Skype ein wenig zu mildern. Seit dem Sommer haben sich die Möglichkeiten zur Kommunikation mit der Heimat ja ein wenig gebessert, wenngleich natürlich noch lange nicht alle Wünsche erfüllt sind. Aber auch wenn es sicherlich am Heiligen Abend im Netz etwas enger zugehen wird: Nutzen Sie diese Möglichkeit, an diesem besonderen Abend miteinander zu sprechen oder eine E-Mail oder SMS zu versenden. Es ist so wichtig, gerade an den langen, dunklen Abenden wenigstens aus der Ferne miteinander in Kontakt zu sein und dem Partner oder den Kindern die Gewissheit zu vermitteln, dass man gerade jetzt an sie denkt.  

„Mehr Anerkennung der Gesellschaft für uns Soldaten" 

In der Weihnachtszeit, wenn die Kinder unter dem Christbaum mit strahlenden Augen ihre Geschenke auspacken, wird besonders schmerzlich in Erinnerung gerufen, welche enormen Belastungen neben den Anstrengungen des Einsatzes die Trennung an sich schon darstellt. Dies wird leider noch immer viel zu wenig gewürdigt. Das gilt natürlich erst recht dann, wenn einer unserer Soldaten körperlichen oder seelischen Schaden erleidet. Hauptfeldfeldwebel Ralf Rönckendorf, Fallschirmjäger aus dem niedersächsischen Seedorf, ist einer, der ein solches Schicksal erleiden musste und es mit seinen Angehörigen tapfer erträgt. Er hatte im vergangenen Jahr beim Karfreitagsgefecht in Isa Khel als Sanitäter unter Einsatz seines Lebens erst einem Kameraden das Leben gerettet, war aber anschließend durch die Detonation einer Sprengfalle selbst schwer verwundet worden. Ralf Rönckendorf verlor dabei sein Augenlicht, drei Kameraden – Nils Bruns, Robert Hartert und Martin Augustyniak – fielen an diesem Tag. Der Karfreitag 2010 ging als „Schwarzer Karfreitag" in die Geschichte der Bundeswehr ein. Es war eines der heftigsten Gefechte, in das die Bundeswehr seit dem Zweiten Weltkrieg verwickelt war. Ralf Rönckendorf ist mit seiner Einsatzbereitschaft ein Vorbild, nicht nur wegen seines selbstlosen Handelns im Gefecht, sondern auch, weil er nicht resigniert hat. Wie übrigens auch die anderen seiner verwundeten Kameraden.

Es freut mich deshalb besonders, dass Ralf Rönckendorf stellvertretend für alle unsere Soldatinnen und Soldaten mit einem „Bambi" ausgezeichnet worden ist. Mit stehenden Ovationen erwiesen die Gäste Ralf Rönckendorf und allen Soldatinnen und Soldaten an diesem Abend ihren Respekt. Dieses Gefühl muss nun in den Alltag hinüber gerettet werden; die Bambi-Verleihung war ein ermutigendes Zeichen, aber dabei dürfen wir es nicht belassen. „Als aktiver Soldat bitte ich um ein kleines bisschen mehr Anerkennung der Gesellschaft für uns Soldaten", schloss Ralf Rönckendorf seine Dankesrede. Erweisen wir ihm und allen anderen Soldatinnen und Soldaten diese Anerkennung, gerade jetzt zur Weihnachtszeit. Ich jedenfalls werde an Sie alle denken.

Ich wünsche Ihnen allen eine segensreiche Adventszeit, frohe Weihnachten und ein gutes und friedvolles Jahr!

Ihr Hellmut Königshaus