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Militärseelsorge ist unverzichtbar

Quelle: Deutscher Bundestag

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, hat die Militärseelsorge gelobt. Sie sei „ein unverzichtbarer Teil der psychosozialen Netzwerke“, betonte der FDP-Politiker in seinem Jahresbericht 2010, den er am Dienstag, 25.1.2011, in Berlin vorstellte. Dieser Dienst der Kirchen bewähre sich als stabiler Partner bei der Betreuung der Soldatinnen und Soldaten und ihrer Familien, „auch der nicht kirchengebundenen“. Über die seelsorgerliche Begleitung hinaus habe die Seelsorge 2010 den Angehörigen der Bundeswehr als Ansprechpartner und Helfer zur Seite gestanden.

Der 60-jährige Königshaus wurde im Mai 2010 vom Bundestag zum Wehrbeauftragten gewählt und trat danach das Amt an. Sein Vorgänger war der Sozialdemokrat Reinhold Robbe. Bei der Vorstellung des 70-seitigen Berichts ging es überwiegend um die in den vergangenen Tagen bekanntgewordenen Vorfälle in Afghanistan und auf der Gorch Fock; sie spielen jedoch in dem schriftlichen Bericht noch keine Rolle. Königshaus wies die Mutmaßung als „geradezu absurd“ zurück, er habe in den vergangenen Tagen als Liberaler bewusst deutlich den CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kritisiert.

Im vorigen Jahr erreichten den Wehrbeauftragten mit 4.976 deutlich weniger Eingaben als 2009 (5.779). 1989 lag diese Zahl bei über 10.000, seit zehn Jahren schwankt sie zwischen 4.900 und 6.400. Königshaus führte den Rückgang auf die zahlreichen Besuche von ihm und seinen Mitarbeitern in Standorten zurück.

Der Bericht befasst sich besonders intensiv mit dem Thema „Vereinbarkeit von Familie und Dienst“ und führt dabei zahlreiche Defizite an. Die Frage der Vereinbarkeit sei jedoch keine Frage „von ein bisschen mehr oder weniger Fürsorge“, mahnte der Wehrbeauftragte und verwies auf den im Grundgesetz verankerten besonderen Schutz von Ehe und Familie. „Das gilt erst recht, wenn der Staat selbst Dienstherr ist.“ Ausdrücklich ging Königshaus auf die offenbar weiter steigende Zahl von scheiternden Ehen oder Beziehungen von Soldaten ein. Dafür seien sowohl die Belastungen im Einsatz, aber auch die dienstlichen Rahmenbedingungen im Inland ausschlaggebend. Er wünsche sich eine statistische Erhebung von Zahlen und Ursachen.

Die Umsetzung des vor mehr als vier Jahren in Kraft getretenen Erlasses „Vereinbarkeit von Familie und Dienst“ falle „eher bescheiden“ aus. So sei bei der Kinderbetreuung bislang kein Durchbruch zu erkennen. „Wo Betreuungsplätze geschaffen werden konnten, ist dies weitgehend auf private Initiative zurückzuführen“, bemängelt Königshaus.

Mit Blick auf die Auslandseinsätze benennt der Bericht zahlreiche Beispiele für Defizite bei der Fürsorge, Mängel in der Kommunikation mit der Heimat sowie Unzuverlässigkeit bei der Einsatzplanung.

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