Neujahrsgruß des Vorsitzenden des Katholikenrates beim Katholischen Militärbischof
Katholisch zu sein und sich dazu auch noch zu bekennen, ist in der heutigen Zeit – vorsichtig ausgedrückt – nicht unbedingt „in“. Teilt man seinem Gesprächspartner zusätzlich mit, dass man Soldat ist, herrscht häufig zunächst große Verblüffung. Nach einem „Wie geht das denn?“ entwickeln sich jedoch oftmals intensive Gespräche. Katholisch ist eben nicht nur der Papst in Rom. Katholisch zu sein, heißt vielfältig zu sein.
Durchaus selbstbewusst können wir auf soldatische Vorbilder in der Bibel wie den Hauptmann Cornelius aus der Apostelgeschichte verweisen, oder auf den Hauptmann von Kafarnaum, dessen Worte „Oh Herr, ich bin nicht würdig ...“ in jeder Messe der katholischen Kirche gebetet werden. Auch der heilige Martin von Tours war vor seiner Berufung zum Bischof zunächst Soldat.
So weit sollten wir mit unseren guten Vorsätzen für das Neue Jahr nicht gehen, aber Christ sein und Zeugnis ablegen ist ein guter Anfang. Das erfordert standfeste und vorbildliche Soldatinnen und Soldaten. Ein christliches Menschenbild kann schließlich nicht unabhängig vom gelebten christlichen Glauben dokumentiert werden.
Hier bietet Ihnen die Militärseelsorge Hilfe. Gehen Sie im kommenden Jahr auf Ihre Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger zu, nehmen Sie die Angebote wahr! Seelsorge ist jedoch mehr als „Sozialagentur“. Sie umfasst ethische Orientierungshilfen, Glaubensbildung und Glaubenshilfe sowie Lebens und Krisenhilfe.
Ethische Grundlagen Unser Handeln als Soldaten muss ethisch und moralisch begründet sein, und der Soldat soll es in jeder Weise vor seinem Gewissen verantworten können. Ich habe in vielen Gesprächen mit meinen Kameraden feststellen können, dass dieses den meisten ebenso wichtig ist wie die politische Legitimation der Einsätze. Ein solides Fundament hilft uns Soldaten nach der Rückkehr aus dem Einsatz mit den vielen „Fachleuten“ in der Heimat umzugehen, die natürlich alles schon immer viel besser wussten und beurteilen können. Moralische und rechtliche Argumente dienen hier jedoch oft eher der Verschleierung des eigenen Machtstrebens als einer ehrlichen Sorge um die Menschen vor Ort oder gar um die Bürger in Uniform.
Uns als Soldatinnen und Soldaten, den Laien in der Militärseelsorge, ist wichtig, dass in einer neuen Struktur der Bundeswehr auch nach Aussetzung der Wehrpfl icht die Wesensmerkmale der Bundeswehr – Verankerung in der Bevölkerung und „Parlamentsarmee“ – erhalten bleiben. Die ethisch gehaltvollen Prinzipien der Inneren Führung und die Konzeption als „Staatsbürger in Uniform“ müssen zwingend auch in einer Freiwilligenarmee gelten. Die Anforderungen an den Lebenskundlichen Unterricht als berufsethische Qualifi kation werden deutlich steigen. Auch der Blick in die Militärgeschichte bekräftigt, dass militärisches Führertum nicht auf rationalem Kalkül, spezialisiertem Fachwissen und technischer Routine beruht, sondern auf hoher Geistigkeit, vereint mit Charakter und Seelenstärke.
Entwicklung und Veränderungen Der Katholikenrat hat diese und weitere Forderungen in einem offenen Brief den Mitgliedern der Strukturkommission der Bundeswehr dargelegt. Die Antwortschreiben des Generalinspekteurs und des Staatssekretärs Otremba im Auftrag des Verteidigungsministers zeigen, dass wir uns wirkungsvoll in die Diskussion um die Umsetzung der Bundeswehrreform einbringen konnten. Auf dieser Grundlage wollen wir uns weiterhin am Prozess der Veränderungen in den Streitkräften beteiligen. Schließlich hat in unserer Demokratie das Prinzip von Mitwirkung und Mitgestaltung eine gute und erfolgreiche Tradition.
Wir erhoffen uns für das neue Jahr, dass es dem Dienstherrn gelingt, die Absichtserklärungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf in belastbare Vorgaben umzusetzen und dass es rasch gelingt, die Bundeswehr – nach einer weiteren, sicherlich notwendigen Zeit des Umbaus – in eine Phase der Stabilität zu führen.
Wir erhoffen uns in der Militärseelsorge einen intensiven Dialogprozess, zu dem ich Sie herzlich einladen möchte. Helfen Sie mit, dass „Kirche unter Soldaten“ weiterhin mitten in den Streitkräften anwesend, bekennend und wirksam sein kann. Helfen Sie mit, den „Aufbruch in eine Militärseelsorge für die Zukunft“ zu gestalten!
Der Katholikenrat hofft, dass bald ein neuer Militärbischof ernannt wird, der uns Soldaten mit unseren Familien in den besonderen Lebensumständen im Blick hat. Wir hoffen auf seine Unterstützung und seinen Beistand.
Ihnen und Ihren Familien wünsche ich für das Neue Jahr mit all den anstehenden Herausforderungen Kraft, Zuversicht und vor allem Gottes Segen!
Oberstleutnant Thomas Aßmuth



