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Generalvikar Walter Wakenhut

Weihnachtsgruß von Generalvikar Apostolischer Protonotar Walter Wakenhut,
Leiter der Katholischen Militärseelsorge

Europa müsse sich wieder Gott öffnen, müsse ohne Angst heraustreten hin zur Begegnung mit Gott und müsse mit Gottes Gnade für die Würde des Menschen arbeiten. So predigte
Papst Benedikt XVI. in Santiago de Compostela. Was da der Papst im fernen Spanien fordert, ist durchaus für uns bestimmt. Unsere Welt ist keine geschlossene christliche Welt. Viele unserer Zeitgenossen glauben nicht mehr an Gott. Unsere Kirchen spielen
in unserer Gesellschaft eine immer geringere Rolle. Wo ist da noch Platz für den Gott, dessen Menschwerdung wir an Weihnachten feiern?

Der Evangelist Johannes schreibt im Prolog zu seinem Evangelium: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Und im Philipperbrief des Apostels Paulus können wir lesen: Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der Herr“ – zur Ehre Gottes, des Vaters.
Die Menschwerdung vollzieht sich nicht im luftleeren Raum; sie ist geerdet, sie vollzieht sich mitten unter den Menschen. Die beiden neutestamentlichen Texte sprechen von diesem Geschehen ohne den Glanz der Weihnacht, ohne Gloria und Halleluja.
Unser Gott ist ein Gott der Menschen, diese Botschaft zieht sich durch die ganze Heilige Schrift, angefangen vom Schöpfungsbericht bis zur Offenbarung des Johannes. Am Anfang hat Gott alles gut gemacht und er will, dass am Ende wieder alles gut ist. Unsere Aufgabe
ist es, an dieser guten Welt mitzuarbeiten. Jesus hat uns den Weg gewiesen, uns eingeladen mit ihm zu gehen und möglichst viele auf diesem Weg mitzunehmen. Wenden wir uns also diesen vielen zu.

Quelle: KMBA / Doreen Bierdel

Erzbischof Dr. Zollitsch hat in seinem Eröffnungsreferat bei der Herbstvollversammlungder Deutschen Bischöfe einen Dialog- und Gesprächsprozess mit der Welt und den Menschen gefordert. Nicht die Welt kommt zur Kirche, sondern die Kirche muss in der Welt ankommen. Wir können und dürfen als Christen nicht für uns sein, wir müssen– so wie Gott in der Menschwerdung – in die Welt zu den Menschen gehen.In der sehr anschaulichen Geschichte von der Geburt Jesu im Stall von Betlehem wird das mehr als deutlich. Jesus wird nicht in einem Palast, nicht in den Machtzentralen der damaligen Welt geboren, sondern in einer römischen Provinz am Rande der damals bekannten Welt. Er ist nicht das Kind mächtiger und reicher Eltern, sondern das eineseinfachen Handwerkers. Er hätte sich fürwahr einen besseren Platz aussuchen können, tat es aber nicht.So kann unser Platz in diesem zu Ende gehenden Jahr 2010 mit seinen vielen guten und weniger guten Erlebnissen und Erfahrungen auch nur hier, auf dieser Erde, unter diesen Menschen sein.Hier gilt es sich zu bewähren, hier gilt es zu handeln, hier gilt es den Platz für Gott zu bereiten. Das beginnt im eigenen Herzen,• wenn ich nicht nur an mich denke,• wenn der andere neben mir für mich bedeutsam wird,• wenn ich weiß, dass die Schöpfung nicht nur für mich und meine Generation da ist, sondern für noch viele weitere,• wenn mir das Weltgemeinwohl weitaus mehr bedeutet als der kleine oder große Vorteil für mich und meine Interessen,• vor allem aber wenn mir aufgeht, dass es nicht nur um schöne Gedanken geht, sondern wirklich um das rechte Wort zur rechten Zeit und um die helfende Tat.

Gott soll in Europa wieder einen Platz fi nden. Diesen hat er zuerst in meinem Herzen. Und wenn er den hat, können wir davon auch mit der Welt und den Menschen reden. Diese werden uns glauben, wo immer sie entdecken: Der oder die weiß, wovon er oder sie redet.
Der gute Gott hat ihn, hat sie ergriffen und hat sein, hat ihr Leben verändert. Das gilt bei mir zu Hause, in der Kaserne, in Afghanistan und überall auf der Welt.

Dass das Wirklichkeit wird, ist mein Wunsch an diesem Weihnachten 2010 für Sie alle, besonders aber auch für die Soldatinnen und Soldaten im Einsatz sowie ihre Familien und Angehörigen in der Heimat.