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„Feldtabernakel“ aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg

Neuzugang im Archiv des Katholischen Militärbischofs 

Durch die freigebige Schenkung eines Militaria-Sammlers erhielt die Katholische Militärseelsorge eine willkommene Ergänzung ihres Bestandes an Exponaten der Militärseelsorge zwischen 1920 und 1945. Damit kehrte nach über 60 Jahren liturgisches Gerät wieder zur Militärseelsorge zurück und trägt dazu bei, die liturgische und pastorale Praxis der Militärseelsorge vor dem Zweiten Weltkrieg ein wenig anschaulicher zu dokumentieren.

 Rückkehr zur Militärseelsorge (pdf)

 


Tragbarer Tabernakel bzw. „Feldtabernakel“ mit einem integrierten Tank für die Aufnahme von Weihwasser

Material: Kupferblech (?) versilbert

Maße außen:
Höhe mit Füßen (ohne Griff): 22,2 cm  (ohne Füße): 20,6 cm
Griffhöhe: 4,1 cm
Breite: 19,8 cm (Decke) / 19,7 cm (Boden)
Tiefe: 13,2 cm (Decke) / 13,1 cm (Boden)

Maße innen:
Höhe:  15,4 cm
Breite: 13,4 cm
Tiefe:   9,9 cm

Beschreibung:

Rechteckiger Metallbehälter (versilbert), mit einem geschwungenen Griff auf der Oberseite und einem Schraubverschluss auf der Oberseite in der hinteren rechten Ecke.
Neben dem Eisernen Kreuz in der Tür sind die ausmodulierten Löwentatzen der einzige Schmuck an diesem schlichten tragbaren Behälter.
Die nach links öffnende Tür (Türscharniere rechts), die mit einem dünnen Metallstift (verti­kaler Schiebemechanismus) geöffnet bzw. geschlossen wird, hat in der oberen Hälfte eine Öffnung in Form eines ausgestanzten Eisernen Kreuzes.
An der linken unteren Kante weist der Kasten eine grob ausgeführte, geschweißte Repara­turstelle auf.
Der sich aus der Differenz von Außenmaßen und Maßen des Innenraumes ergebende Hohl­raum ist durch die Öffnung mit Schraubverschluss zum Befüllen mit einer Flüssigkeit (Weih­wasser) gedacht. Vergleichbare bewegliche Tabernakel sind bereits aus dem 9. und 13. Jahrhundert bekannt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war gemäß Kirchlichem Gesetzbuch (CIC) und Rituale Ro­manum vorgeschrieben, dass der Tabernakel in der Mitte des Altares und mit diesem fest verbunden sein sollte. Das trifft nun auf diesen tragbaren Behälter, der wahrscheinlich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entstanden ist, nicht zu. Er ist wohl auch kaum für eine dauerhafte Aufbewahrung der hl. Eucharistie gedacht gewesen. Vielmehr war er für die mo­bile Praxis eines Militärgeistlichen (in Friedenszeiten) geschaffen worden, der in Kasernen oder in Lazaretten nicht unbedingt mit permanent eingerichteten Kapellen rechnen bzw. auf Truppenübungsplätzen sich nur einer mobilen „Kirche im Koffer“ (Kultkoffer) bedienen konnte. 

Kaspar Lang (ca. 1932)
Kaspar Lang (ca. 1932)

Schenkung im August 2010 – ohne Kenntnis der ursprünglichen Provenienz

Mit annähernder Wahrscheinlichkeit gehörte der Tabernakel aber zur Ausstattung des katho­lischen Wehrmachtgeistlichen Kaspar Lang (1896–1962), einem Priester der Erzdiözese Bamberg. Seit 1922 hatte er als Kaplan an Herz Jesu in Erlangen nebenamtlich auch die dortige Standortseelsorge übernommen. Neun Jahre später bewarb er sich erstmals auf eine hauptamtliche Wehrkreispfarrerstelle. Seit 1. Februar 1934 wurde er zunächst als hauptamt­licher Vertragspfarrer am Standort Paderborn eingesetzt und wechselte bereits im selben Jahr auf den Dienstposten des Standortpfarrers in Berlin. Seit 1. November 1934 war er als „planmäßiger Pfarrer im Reichsheer“ auf Lebenszeit verbeamtet worden. Im Jahre 1937, als er in München mit den Geschäften des Wehrkreispfarrers VII betraut worden war, erfolgte die Ernennung zum Heeresoberpfarrer und ein Jahr später zum Wehrmachtdekan. Als sol­cher kam er seit September 1939 als Heeresgruppenpfarrer zuletzt bei der Heeresgruppe D im Westen zum Einsatz.

Text: Dr. Monica Sinderhauf