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Erfolge, die mehr Beachtung verdienen

Vor wenigen Tagen bin ich von einem Besuch bei unseren Soldatinnen und Soldaten im Kosovo zurückgekehrt. Dort war ich zuvor nur einmal, vor ziemlich genau elf Jahren, gleich nach Beginn unseres Engagements im Kosovo. Deshalb interessierte mich – natürlich neben der Frage, unter welchen Bedingungen unsere Frauen und Männer dort leben und arbeiten – vor allem, was sich seit dem Jahr 1999 verändert hat.

Mein Eindruck ist rundum positiv. Der Blick aus dem Hubschrauber zeigte überall die Ergebnisse einer ungeheuren Aufbauleistung. Wo damals zum großen Teil zerstörte Häuser und desolate Infrastruktur dominierten, sieht man heute überall Neubauten und moderne Straßen. Und natürlich gibt es nicht mehr die vielen Trupps in weisen Schutzanzügen, die links und rechts der Straßen die Massengräber öffnen und die dort hastig verscharrten Opfer der Massaker bergen, sie identifizieren und für eine ordentliche Bestattungen sorgen. Mir wird der fürchterliche Leichengeruch niemals mehr aus dem Sinn gehen. Wer das erlebt hat, weiß, was Menschen ihren Mitmenschen antun können, wenn man sie nur lasst. Es war damals deutlich zu spüren, wie sehr die Wut und die Verzweiflung der Hinterbliebenen nach Rache drängten, und unsere Patrouillen mussten sehr auf der Hut sein, um Übergriffe zu verhindern.

Inzwischen sind die Spannungen zwischen den Ethnien zwar nicht verschwunden, aber doch weitgehend einem gesunden Pragmatismus gewichen, sieht man einmal von dem „Serbengebiet” im Norden des kleinen Landes ab. Aber diese Stabilität ist noch immer brüchig, deshalb werden wir dort noch für einige Zeit präsent bleiben müssen. Dennoch übernehmen jetzt die Kosovaren mit ihren Sicherheitskräften zunehmend Aufgaben, die bisher die internationale Gemeinschaft übernommen hatte. Kosovo ist inzwischen ein souveräner Staat, mit einigen Schwachen und Fehlern, aber doch mit einer zunehmenden inneren Stabilität. Die kosovarischen Sicherheitskräfte werden jetzt auch dort eingesetzt, wo man es früher kaum für möglich gehalten hatte, etwa bei der Bewachung und Sicherung der serbischen Kulturguter und der serbisch-orthodoxen Kloster und Gotteshauser im Gebiet der albanischen Mehrheit.
Das sind Entwicklungen, die ohne das Engagement der westlichen Interventionstruppen und insbesondere auch der Bundeswehr nicht möglich gewesen waren. Wir alle, vor allem aber die vielen Soldatinnen und Soldaten, die dabei mitgewirkt haben, können stolz darauf sein. Und das sollten wir denen, die dort über viele Monate fern der Heimat ihren Dienst tun, auch mit unserer Aufmerksamkeit und Anerkennung zeigen. Die Kräfte auf dem Balkan werden ja oft vergessen, weil natürlich der ISAF-Einsatz unsere beständige Aufmerksamkeit erfordert. Der Dienst im Kosovo, aber auch in Bosnien-Herzegowina (wo ich im kommenden Monat sein werde), ist ebenfalls sehr belastend, auch für die Angehorigen. Die verbesserte Lage erlaubt es, demnächst weitere Kräfte aus dem Kosovo abzuziehen. Deshalb wird das Lager „Airfield” jetzt, bei weiter laufendem Betrieb, Schritt für Schritt, Container um Container, geräumt. Interessant war für mich eines: Darüber, dass nun das Kirchenzelt abgebaut und der Militärseelsorge abgezogen wurde, beschwerten sich bei mir viele der dort noch verbliebenen Soldatinnen und Soldaten. Auch und gerade die, die das Kirchenzelt nie betreten und nie einen Gottesdienst besucht hatten. Aber die Möglichkeit dazu wollten auch sie sich nicht klaglos nehmen lassen. „Der Pfarrer gehört eben dazu”, meinte einer, der bekannte, zu dieser Gruppe zu gehören.

Hellmut Königshaus