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... unentbehrliche Gesprächspartner auch für die, die „nichts mit Religion am Hut“ haben wollen.

von Hellmut Königshaus

Seit etwas mehr als einem Monat bin ich nun für Sie als Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages tätig. Ich habe diese Zeit genutzt, mir einen Überblick über die Probleme zu verschaffen, die Sie und Ihre Angehörigen belasten. Natürlich wird vieles bereits deutlich, wenn man nur die täglich bei mir in großer Zahl eingehenden Eingaben betrachtet. Aber ein vollständiges Bild kann man erst gewinnen, wenn man mit den Betroffenen, also Ihnen, ins persönliche Gespräch kommt. Deshalb habe ich bereits mehrere Besuche in Bundeswehreinrichtungen absolviert.

Der schwierigste, weil der am meisten belastende, war der bei unseren Verwundeten aus Kunduz, die ich im Bundeswehr-Zentralkrankenhaus besucht habe. Solche Begegnungen machen immer wieder deutlich, welche Belastungen und leider auch Opfer unsere Soldatinnen und Soldaten für die Gemeinschaft auf sich nehmen. Übrigens nicht nur sie selbst, sondern ebenso die Hinterbliebenen unserer Gefallenen und die Angehörigen der Verwundeten.

Ich will deshalb auch die Hinterbliebenen unserer Gefallenen und ihre Stammeinheiten besuchen, um ihnen meine Anteilnahme zu bekunden und meine Hilfe anzubieten, wo immer sie nützlich sein kann. Jedenfalls wünsche ich allen Verwundeten baldige und vollständige Genesung.
Der Wehrbeauftragte kann, wie übrigens die Militärseelsorger, sicherlich einiges bewirken, aber noch wichtiger ist die engagierte Fürsorge des Dienstherrn. Ich habe deshalb Herrn Minister zu Guttenberg gebeten, eine hochrangig angesiedelte zentrale Stelle für die Betreuung der Hinterbliebenen oder der von Verwundung oder Dienstunfällen betroffenen Soldatinnen und Soldaten zu schaffen. In den Vereinigten Staaten gibt es ein eigenes Ministerium, das sich nur um solche Fälle kümmert. Nach meinem Eindruck gibt es bei uns zu viele Stellen, die mit viel zu vielen Vorschriften versuchen müssen, den Anliegen dieses Personenkreises zu entsprechen. Ein großer Anteil der Eingaben befasst sich mit den damit verbundenen Problemen, sei es, dass die angesprochene Behörde sich für unzuständig erklärt oder dass unterschiedliche Dienststellen gleiche Sachverhalte unterschiedlich beurteilen. Wer für uns alle im Dienst ist und dabei Schaden erleidet, der soll nicht noch mit unnötigen Hürden belastet werden.

Einer meiner ersten Truppenbesuche in meinem neuen Amt führte mich Ende Mai 2010 nach Termez, Kunduz und Mazar-e Sharif. Es war leider nur ein kurzer Besuch möglich, da hier in Deutschland zahlreiche andere Verpflichtungen auf mich warteten. Ich wollte mir aber sehr schnell ein Bild von der offenkundig verschärften Lage machen und mir die Sorgen und Probleme vor Ort schildern lassen. Die vermeintlich „kleinen“ Probleme dort sind – zusammengenommen – doch ein ziemlich großes Bündel, das unsere Soldatinnen und Soldaten im Alltag belastet. Mängel bei der Versorgung, die Sorge vor verlängerten Stehzeiten, unzureichende Ausrüstung und Ausbildung (insbesondere im Bereich des Sanitätsdienstes) waren häufig angesprochene Themen: Aber die Schwierigkeiten, die SMS-, Internet- und Telefonkontakte mit den Angehörigen zu Hause sehr erschweren, übertrafen diese an sich schon sehr belastenden Probleme bei Weitem. Hier muss schnell Abhilfe geschaffen werden.

Meine nächsten Auslandsbesuche werden mich in den Kosovo, zu unseren Marinekräften im Mittelmeer und am Horn von Afrika und nochmals nach Afghanistan führen. Aber Bosnien und Herzegowina und alle anderen Auslandsstationen sind natürlich nicht vergessen, sie werde ich ebenfalls zeitnah besuchen. Meine nächsten Besuche im Inland werden mich zum KSK, zur Bundeswehruniversität nach München und zum Luftwaffen-Ausbildungsregiment 3 nach Roth führen. Darüber hinaus sind weitere Besuche möglich. Ich konnte mich bei allen meinen Besuchen übrigens davon überzeugen, wie wichtig die Militärseelsorger für unsere Soldatinnen und Soldaten sind. Im Einsatz sind sie zusammen mit den Truppenpsychologen und – nicht zu vergessen – den „Spießen“ unentbehrliche Gesprächspartner auch für die, die ansonsten „nichts mit Religion am Hut“ haben wollen. Für ihre unermüdliche Seelsorge und Fürsorge, gerade auch in schwierigsten Situationen, sage ich ihnen allen ein herzliches „Vergelt’s Gott!“ Ein häufiges Thema im Gespräch mit den Soldatinnen und Soldaten war – nicht nur, aber natürlich besonders in den Einsatzgebieten – die Vereinbarkeit von Dienst und Familie.

Das überrascht allerdings nicht. Hier ging es um die oft sehr langen Stehzeiten, um Mängel bei der Personal-Einsatzplanung sowie die Häufigkeit der Auslandseinsätze, das Fehlen von Kinderbetreuungsmöglichkeiten und fehlende Pendlerwohnungen. Auch da gibt es noch viel zu tun, und ich werde mit großer Kraft und notfalls langem Atem darauf hinwirken, dass die Bundeswehr ein auch für Eltern attraktiver Arbeitgeber wird.