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Wer hilft gewinnt

Ein Interview zum Thema Ehrenamt in der Militärseelsorge

 

 

© KS / Doreen Bierdel
© KS / Doreen Bierdel

Leutnant Ricarda Gunkel ist Studentin an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg und engagiert sich in der Katholischen Hochschulgemeinde, im Katholikenrat beim Katholischen Militärbischof und in der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS). Wir trafen sie auf der Woche der Begegnung.

Studium ist ja nicht alles. Wie kann man als Studentin, als Student die Katholische Hochschulgemeinde kennenlernen?

Gunkel: Bei der Einführungswoche stellen wir uns und unser Programm vor. Auch bei der Andacht mit Frühstück kann man uns kennenlernen. Natürlich hängen auch überall Flyer und Plakate. Aber viel hängt auch von der Mundpropaganda ab.

Warum engagieren Sie sich eigentlich in der Hochschulgemeinde?

Gunkel: Im katholischen Bereich könnte ich natürlich sagen, für das Seelenheil (lacht). Aber wenn ich ehrlich bin, weiß ich es nicht genau. Da sind mehrere Faktoren wie zum Beispiel, dass es mir auch viel Spaß macht, dass ich gern viel arbeite und auch viel erleben möchte. Ich lerne auch sehr gerne Menschen kennen.

Wer ein Ehrenamt hat, muss dafür auch viel Freizeit opfern. Nun kommt auch noch die neue Arbeitszeitverordnung der Bundeswehr, sodass Zeit am Standort knapp wird.

Gunkel: Die Arbeitszeitverordnung hat bei uns an der Universität noch keine große Rolle gespielt. Ich verstehe das Ehrenamt so, dass man es freiwillig macht und nicht aus dienstlichen Zwecken. Zwar freue ich mich, wenn ich für ein Engagement Sonderurlaub bekomme, ich würde aber auch normalen Urlaub dafür beantragen.

Die Hochschulgemeinde ist auch in der Flüchtlingshilfe aktiv. Haben sie einen Tipp für jemanden der noch keinen Kontakt zu Flüchtlingen hat und sich vielleicht engagieren will?

Gunkel: Einfach hingehen und den Kontakt suchen. Man muss nicht gleich ein Ehrenamt ausführen. Ich persönlich habe durch die Gemeinde Kontakt gefunden, ganz einfach, weil die Flüchtlinge in unserem Gemeindehaus Deutschunterricht hatten. Wenn ich dort war, habe ich sie getroffen.  

Auch neue Studentinnen und Studenten suchen Kontakt. Können Sie ihnen den Anfang an der Uni erleichtern?

Gunkel: Ich kann natürlich nur aus der Sicht der katholischen Hochschulgemeinde sprechen, aber wir haben da eine ziemlich simple Methode. Bei uns ist keiner nicht willkommen, also jeder kann in unser Haus kommen, ob Atheist, ob Protestant, und natürlich auch Katholiken. Bei mir war es so, ich kam hin und wollte mir das nur mal ansehen, weil ich katholisch bin und Menschen kennenlernen wollte. Fünf Minuten später war ich im Pfarrgemeinderat, hatte ein Bier ausgegeben bekommen und wir waren mitten im Gespräch.

Wir sprechen auch die Studenten in unserem Umfeld an: „Komm doch mit, wir machen einen Filmabend, wir machen Feuerzangenbowle. Und wenn es Dir nicht gefällt, kommst Du halt nicht wieder. Dann ist das halt so.“

Was gewinnen Sie bei all dem Engagement?


Gunkel: Viel Erfahrung, positive als auch negative. Ich lerne viele Menschen kennen, kann meinen Horizont erweitern. Ich lerne, mich zu organisieren: Ich habe den Dienst als Soldatin, muss studieren, muss Arbeiten schreiben. Auch im Beruf muss ich 41 Stunden arbeiten und will mich nebenher noch engagieren. Das ist eine Organisationssache. In der Hochschulgemeinde habe ich gelernt, meine Zeit einzuschätzen und auch Grenzen zu setzten.

Die Fragen stellte Barbara Dreiling.