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Advent oder – Mit dem Warten ist es so eine Sache

© Barbara Dreiling
© Barbara Dreiling

 

 


Alles Große und Bedeutende im Leben braucht eine gute Vorbereitung. Schließlich stolpern wir nicht gerne einfach nur so in etwas hinein. Viel Zeit und Mühe verwenden wir mitunter, um uns auf wichtige Begegnungen innerlich und äußerlich einzustimmen. Um wie viel mehr, so sagen die Christen, müssen wir uns auf die Begegnung mit Gott selbst vorbereiten, der am Weihnachtsfest als Mensch geboren wird!

Den Namen „Advent“ hat jeder schon einmal gehört. Er kommt vom lateinischen „adventus“, das „Ankunft“ bedeutet. Der Advent ist die bekannteste Vorbereitungszeit des Kirchenjahres, wenngleich nicht die Einzige. Denn eigentlich ist sie ein Abbild der vorösterlichen Fastenzeit. Er ist die Einstimmung auf das beliebteste christliche Fest: auf Weihnachten.

Zeit der Vorbereitung


Für diese Vorbereitung nimmt sich die Kirche vier Wochen Zeit, und sie ruft die Menschen auf, es ebenso zu tun. Dabei ist in unseren Tagen der eigentliche Sinn so gut wie auf den Kopf gestellt: aus der ursprünglichen Fastenzeit wurde eine Zeit der süßen Leckereien und aus den stillen Wochen wurden hektische Tage des Vorweihnachtstrubels. Zwischen Stollen und Dominosteinen hangeln sich die meisten von uns von einer Feier zur nächsten.

In den Gottesdiensten des Advents hören wir dabei aber jedes Jahr wieder den Aufruf, sich Zeit zu nehmen für Familie und ruhige Momente, das Warten zu lernen und nicht im hektischen Konsum unterzugehen. Die Kirche möchte damit auch den Menschen heute den eigentlichen Sinn dieser Zeit vor Augen stellen: Innehalten, weil Gott unterwegs ist zu uns. Gehen an der Seite der schwangeren Maria. An Weihnachten wird ihr Kind, ein Sohn, geboren werden. Ihn werden Menschen anbeten als den Sohn Gottes. Ist das nicht wahrhaft ein Grund, sich vorzubereiten und gerne zu warten?

Warten auf Erlösung


Der Adventskranz ist das bei uns heute verbreitetste Zeichen dieser Wochen. Die vier Kerzen auf ihm stehen für die vier Sonntage. Es wird also von Woche zu Woche auf Weihnachten hin immer etwas heller. Dieses Licht ist wie ein Vorausschein des eigentlichen Lichtes, das, wie die Christen sagen, Jesus Christus selber ist.

Die Liturgie des Advents spricht mit einer großen Nüchternheit von der Erlösungsbedürftigkeit der Welt, die nur noch Gott selbst retten kann. „Terra desolata…“ heißt es an einer Stelle der Liturgie; die Welt liegt danieder und ist aus den Fugen. Es ist wie ein starker Sehnsuchtsruf nach Gott.

Gerne besuchen Menschen im Advent auch die Rorate-Messen, die meist zu früher Stunde nur mit Kerzenlicht gefeiert werden. Diese Messen haben eine besonders heimelige und schöne Atmosphäre. Sie preisen Maria, die uns in unsere Dunkelheit das Licht bringt. So bleibt die Hoffnung, dass der Advent in unserer Zeit nicht nur nach- christlicher Konsumtrubel, sondern auch noch vor-christliche Sehnsucht nach dem Großen und Schönen ist.

Clemens Dzikowski, Militärpfarrer
Bad Frankenhausen