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Internationaler Soldatengottesdienst zum Weltfriedenstag

Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki bei der Predigt © Christina Lux
Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki bei der Predigt © Christina Lux

Christsein verpflichtet zur Nächstenliebe in einer globalisierten Welt

Köln, 19.01.2017. Auch in diesem Jahr feierten 1.200 Soldatinnen und Soldaten aus den Seelsorgebezirken Aachen, Nörvenich, Köln, Bonn, Wahn, Siegburg, Düsseldorf und Brunssum (NL) sowie Soldatinnen und Soldaten ausländischer Streitkräfte, Beamte der Bundespolizei und Lehrgangsteilnehmer des Bundessprachenamtes in Hürth mit Rainer Maria Kardinal Woelki im Kölner Dom einen Gottesdienst aus Anlass des Weltfriedenstages. Daran nahmen auch Generalinspekteur Volker Wieker, Jens-Peter Nettekoven aus dem Landtag NRW und Hans-Werner Bartsch, Bürgermeister der Stadt Köln teil.

 

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker (re.), hat am Soldatengottesdienst teilgenommen © Christina Lux
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker (re.), hat am Soldatengottesdienst teilgenommen © Christina Lux

Er wurde  zum fünfzigsten Mal begangen – hier in Köln zum vierzigsten Mal – und stand unter dem Leitwort „Gewaltfreiheit – Stil einer Politik für den Frieden“. Kardinal Woelki betonte in seiner Predigt, dass für einen Christen immer der Friede und nie der Krieg das Ziel sein dürfe. Ein solches Verständnis vom Frieden frage nach den Zusammenhängen auch in unserem Lebensstil. Friede gründe in der Gemeinschaft mit Gott und sei ohne Gemeinschaft mit den Menschen nicht zu haben.

Ministranten beim Gottesdienst © Christina Lux
Ministranten beim Gottesdienst © Christina Lux

Ganz neue Formen der Bedrohung und der Barbarei forderten uns seit dem Aufflackern ethnischer Konflikte weltweit heraus. Dies werfe die Frage auf, welch wichtige Rolle Soldatinnen und Soldaten in der Verteidigung dieses Friedens spielten. Nächstenliebe und damit die Sicherung des Friedens werde sich in einer globalisierten Welt daran zeigen, wie Menschen in unserem wohlhabenden Kontinent wirtschaften und konsumieren.

Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann © Christina Lux
Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann © Christina Lux

Beim anschließenden Empfang im Maternushaus begrüßte Msgr. Rainer Schnettker, Katholischer Leitender Militärdekan aus Köln, Gäste aus dem Bereich der Streitkräfte, der Politik sowie der Polizei. Militärgeneralvikar Msgr. Reinhold Bartmann betonte in seinem Grußwort, dass 40 Jahre Weltfriedenstage in der Katholischen Militärseelsorge bewusst machten, den Frieden als ständige Herausforderung wahrzunehmen. Die Soldatinnen und Soldaten leisteten ihren Einsatz für Frieden, Recht  und Freiheit  im Inland und besonders im Auslandseinsatz. Dieser  verlange nicht nur  eine gute militärische Ausbildung, sondern auch eine fundierte berufsethische Bildung.

Streitkräfte verschiedener Länder haben am Friedensgottesdienst teilgenommen © Christina Lux
Streitkräfte verschiedener Länder haben am Friedensgottesdienst teilgenommen © Christina Lux

Es sei in unserer multikulturellen und multireligiösen Umgebung  die gemeinsame  Verantwortung  von Staat und Kirche, Menschen Werte zu vermitteln, die einer Globalisierung  der Gleichgültigkeit, des Unrechts und einer ungerechtfertigten Gewaltanwendung  widersprächen. Das Bestreben der Militärseelsorger sei es, den Soldatinnen und Soldaten sowie deren Familien in ihren Belastungen und in ihrem Dienst beizustehen.

Hauptmann Andreas Quirin © Christina Lux
Hauptmann Andreas Quirin © Christina Lux

Hauptmann Andreas Quirin, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gemeinschaft Katholischer Soldaten wies in seinem Statement darauf hin, dass der Terroranschlag von Berlin das Bewusstsein in unserem Lande verändert habe.  In der Diskussion um Gegenmaßnahmen werde auch die Forderung erhoben, die Streitkräfte im Inland zur Terrorabwehr einzusetzen. Das sei aber eine Entscheidung der Politik. Gewaltlosigkeit sei Stil einer Politik für den Frieden.
Die vielen Gäste nutzten anschließend noch die Gelegenheit zum Austausch und zu guten Gesprächen.

Marlene Beyel





Video vom Internationalen Soldatengottesdienst zum Weltfriedenstag



Kardinal Woelki: Nationalistische Tendenzen bedrohen Weltfrieden

Köln (KNA), 19.01.2017. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sieht durch nationalistische Tendenzen den Weltfrieden bedroht. "Niemand von uns weiß, wie sich die politischen Verhältnisse in unserem Land, wie sie sich in Europa und dann auch natürlich in der ganzen Welt verändern werden", sagte er am Donnerstag beim Internationalen Soldatengottesdienst zum Weltfriedenstag im Kölner Dom. "Je mehr Nationalismus unsere politisch Verantwortlichen leitet, umso gefährdeter ist der Frieden für alle."

Die Kirche fordert laut Woelki nachdrücklich, Gewaltanwendung aus der internationalen Politik zu verbannen. Ihr Ziel sei immer der Friede, "nie der Krieg, auch nicht ein sogenannter gerechter Krieg". Allerdings sei der Dienst von Soldaten unverzichtbar, sagte Woelki. Denn eine auf Gewaltfreiheit bauende Politik könne in Situationen geraten, in denen militärische Gewalt "als das kleine Übel ethisch geboten sein kann".

Angesichts "illegitimer Interessen Gewalttätiger" könne militärische Gewalt eine "Solidaritätspflicht" gegenüber den Verbündeten und Angegriffenen bedeuten. Andere und sich selbst zu schützen, sei dann ein wichtiges Ziel. Inzwischen gebe es nach dem Aufflackern ethnischer Konflikte in Europa und weltweit "ganz neue Formen der Bedrohung und der Barbarei". Und auch der "Terror als Form der Kriegsführung gegen zivile Opfer" werfe die Frage auf, wie ein gerechter Friede zu schaffen sei und welche Rolle Soldaten dabei haben.

Laut Woelki bedeutet Frieden aber mehr als die Abwesenheit von Krieg, sondern auch ein Leben in Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit. Dies werfe die Frage nach den "Ungerechtigkeiten auch in unserem Lebensstil" auf. In Zeiten der Globalisierung sei auch derjenige der Nächste, "der in einem anderen Kontinent unter erbärmlichen Umständen die Kleider näht, die wir auf der Haut tragen". Die Nächsten seien auch die Menschen, die weltweit vor der Gewalt jener Waffen fliehen, "die unser Land durch den Export von Kriegsgütern mit verbreitet".

Vor dem Kölner Dom protestierten etwa 20 Friedensaktivisten gegen den Gottesdienst. Wer Soldaten segne, erleichtere ihr Gewissen und sorge dafür, dass Kriege weiterhin gerechtfertigt werden könnten, erklärte sie. Kritik übte die Kölner Gruppe der Deutschen Friedensgesellschaft auch an militärischen Auslandseinsätzen. "Überall da, wo das Militär zu 'Hilfe' eilte, ist die Lage der Menschen katastrophal", erklärte sie.

Zu dem Internationalen Soldatengottesdienst laden seit 1977 jedes Jahr das Katholische Militärbischofsamt und die Katholische Militärseelsorge ein. Die Feier bezieht sich auf das jeweilige Leitwort des internationalen Weltfriedenstags, den die katholische Kirche am 1. Januar begeht. Das Motto lautet in diesem Jahr "Gewaltfreiheit: Stil einer Politik für den Frieden".

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