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Auf ein Wort

In dieser Rubrik kommen regelmäßig Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger zu Wort. Sie äußern sich ganz persönlich zu Anlässen aus dem Kirchenjahr oder dem allgemeinen Jahreslauf und notieren Gedanken, die ihnen aktuell bei ihrer Arbeit als Militärpfarrer, Pastoralreferent oder -referentin gekommen sind.
In den Artikeln geben die Autorinnen und Autoren ihre Meinung über das jeweilige Thema wieder und regen zum eigenen Nachdenken an.

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Alaaf und Helau Autor: Pastoralreferent Martin Diewald, Katholisches Militärpfarramt Erfurt aus: Kompass 02/2018

Egal wozu Sie nun tendieren, ob es eher ein Düsseldorfer „Helau“ oder ein Kölsches „Alaaf“ sein darf – sie ist da: die fünfte Jahreszeit! Und mit dem Jeckentreiben wird auch wieder die Frage für eingefleischte Fans der Karnevalszeit drängend, was denn dieses Jahr als Kostüm herhalten muss. Vielleicht der grelle Pullover, der vor vielen Jahren tatsächlich einmal modern gewesen war und damals größer wirkte, oder der Hut, bei dem man nicht mehr weiß, wann und wozu der eigentlich angeschafft wurde.

Wem die heimische Kleiderkammer nicht genügt, kann sich für ein paar Euro im Handel die nötigen Accessoires besorgen: leuchtende Teufelshörner, eine rote Nase, oder vielleicht sogar ein Komplett-Outfit als Meerjungfrau. Wer sich selbst nicht gerne verkleidet, kann dennoch über verschiedene Karnevalssendungen im Fernsehen die verrücktesten Kostüme bestaunen.

Fastnacht und …

In der fünften Jahreszeit lieben es einfach viele Menschen, sich zu verkleiden, Masken aufzusetzen und in geselliger Runde und lustigem Treiben ein/e andere/r zu sein. Doch was empfinden wir eigentlich dabei? Trage ich nicht schon allzu oft Masken und erfülle Rollen im Alltag? Im Berufsleben, im Dienst, in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis und manchmal sicherlich auch in der Familie wird von mir erwartet, dass ich Ansprüchen genüge und mich dafür auch manchmal „verstellen muss“. Ich denke, dass kennt wohl jeder: Es geht mir vielleicht gar nicht so gut, mich belastet etwas, ich brauche eigentlich einmal Zeit für mich und dennoch erwartet man von mir, dass ich gutgelaunt lächle und meine Rolle wahrnehme. Ich trage also eine Maske. Auch wenn meine Gefühlswelt ganz anders aussieht, möchte man das im beruflichen „Treiben“ nicht sehen. Zugegeben – der Spaß beim Karneval besteht wohl besonders darin, dass ich mir zur Abwechslung einmal die Maske selbst aussuchen darf.

… Fastenzeit

Und dann ist es auch schon demnächst wieder „alles vorbei“ – der Schlusspunkt unserer fünften Jahreszeit, wenn die Kirchen den Aschermittwoch einläuten. Solche Spaßverderber – oder? Dabei ist mit dem Aschermittwoch nicht nur das Aschenkreuz oder der Heringsschmaus verbunden. Zu Aschermittwoch laden uns die Kirchen dazu ein, dass wir nicht nur die Masken ablegen, die wir gerade noch zum Karneval trugen, sondern auch „die Hüllen fallen lassen“, die uns oft belasten, die Masken, die wir im Alltag tragen müssen und einmal unkostümiert für uns selbst Bilanz ziehen. Wo stehe ich eigentlich? Wo drückt der Schuh? Was wird von mir erwartet und in welche Verkleidungen schlüpfe ich jeden Tag, ohne dabei einmal darüber nachzudenken, was mir eigentlich jetzt gut tun würde?

In der katholischen Kirche gibt es dafür die Beichte: ungeschminkt mir selbst zu begegnen. Aber auch für alle anderen kann fernab von Beichte der Aschermittwoch die Gelegenheit sein, über die Masken nachzudenken, die ich bisher immer getragen habe und warum eigentlich. Ich wünsche uns allen dabei zumindest, dass unser Blick nicht allzu verkatert ausfällt.

Alaaf, Helau und Amen!

gnadenreich = gnadenlos Autor: Pastoralreferentin Mechthild Peters, Katholisches Militärpfarramt Koblenz II am Bundeswehr-Zentralkrankenhaus aus: Kompass 01/2018

Ein gnadenreiches Weihnachtsfest wollte ein Freund von mir seinen Freunden wünschen, nicht traditionell mit einer Postkarte, sondern wie es heute üblich ist: mit dem Handy, per SMS. Die Handys unterstützen einen beim Schreiben. Wenn ich die beiden Buchstaben V I eingebe, schlägt das Handy mir vor, ich soll „viele“ schreiben oder „vielleicht“ – es denkt mit, hat Erfahrungen, was es für deutsche Wörter gibt, die mit V I anfangen. Ein pfiffiges Teil!

Martin wollte „gnadenreiche Weihnachten“ schreiben, aber da spielte das Handy nicht mit. Es kennt nur „gnadenlos“, das schlug es vor, aber Martin wollte eben „gnadenreich“. Wahrscheinlich weiß das Handy nicht, was das bedeutet; es kennt dieses Wort nicht.

Ich finde das erschreckend und sehr aufschlussreich. Es bedeutet ja, dass die deutsch schreibenden Menschen das Wort „Gnade“ sehr oft mit „los“ kombinieren, also „gnadenlos“. So etwas merkt sich die Auto-Vervollständigung, auf der die Vorschläge beruhen, und schlägt deshalb zu Gnade immer gnadenlos vor. Gnadenreich, das ist ein schönes, altes, fast altertümliches Wort. Wir kennen es auch nur im Zusammenhang mit Weihnachten: gnadenreiche Weihnachten. Gnade ist etwas anderes als Glück: Glück ist Zufall, Gnade ist geschenkt. „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade“, heißt es in einem Gebet. Es ist Gottes Gnade, die in einem Menschen aufstrahlen kann. Den Abglanz davon meinen wir, wenn wir sagen: Lasst Gnade vor Recht walten! Alte Tiere bekommen manchmal auf einem Gnadenhof das Gnadenbrot. Und manchmal erhält jemand eine Gnadenfrist: unverdient und so eine Erleichterung!

Ich glaube, ich bringe meinem Handy dieses schöne alte Wort mal bei. Mein Handy ist nämlich lernfähig. Und wenn das Handy es lernen kann, dann können wir Menschen das auch: nicht gnadenlos sein, sondern gnädig: mit anderen und mit uns selbst. Ein gnadenreiches Weihnachtsfest wollte ein Freund von mir seinen Freunden wünschen, nicht traditionell mit einer Postkarte, sondern wie es heute üblich ist: mit dem Handy, per SMS. Die Handys unterstützen einen beim Schreiben. Wenn ich die beiden Buchstaben V I eingebe, schlägt das Handy mir vor, ich soll „viele“ schreiben oder „vielleicht“ – es denkt mit, hat Erfahrungen, was es für deutsche Wörter gibt, die mit V I anfangen. Ein pfiffiges Teil!

Martin wollte „gnadenreiche Weihnachten“ schreiben, aber da spielte das Handy nicht mit. Es kennt nur „gnadenlos“, das schlug es vor, aber Martin wollte eben „gnadenreich“. Wahrscheinlich weiß das Handy nicht, was das bedeutet; es kennt dieses Wort nicht.

Ich finde das erschreckend und sehr aufschlussreich. Es bedeutet ja, dass die deutsch schreibenden Menschen das Wort „Gnade“ sehr oft mit „los“ kombinieren, also „gnadenlos“. So etwas merkt sich die Auto-Vervollständigung, auf der die Vorschläge beruhen, und schlägt deshalb zu Gnade immer gnadenlos vor. Gnadenreich, das ist ein schönes, altes, fast altertümliches Wort. Wir kennen es auch nur im Zusammenhang mit Weihnachten: gnadenreiche Weihnachten. Gnade ist etwas anderes als Glück: Glück ist Zufall, Gnade ist geschenkt. „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade“, heißt es in einem Gebet.

Es ist Gottes Gnade, die in einem Menschen aufstrahlen kann. Den Abglanz davon meinen wir, wenn wir sagen: Lasst Gnade vor Recht walten! Alte Tiere bekommen manchmal auf einem Gnadenhof das Gnadenbrot. Und manchmal erhält jemand eine Gnadenfrist: unverdient und so eine Erleichterung!

Ich glaube, ich bringe meinem Handy dieses schöne alte Wort mal bei. Mein Handy ist nämlich lernfähig. Und wenn das Handy es lernen kann, dann können wir Menschen das auch: nicht gnadenlos sein, sondern gnädig: mit anderen und mit uns selbst.

Hinter geöffneten Türen beginnt das Staunen Autor: Pastoralreferent Constantin Rhode, Katholisches Militärpfarramt Wesel, aus: Kompass 12/2017

Ihr Blick ist gebannt. Ihre Augen sind ganz weit geöffnet. Ebenso ihr Mund. Völlig regungslos stehen Sie da. Wer dieses Bild einmal gesehen hat, dem wird schnell klar, hier ist jemand tief beeindruckt. So wie hier beschrieben sehen Menschen aus, die ins schiere Staunen versetzt wurden. Häufig erleben wir das bei Kindern. Ihre Welt steckt noch voll von Überraschungen. All das, was wir schon dutzende, wenn nicht gleich hunderte Male gesehen, erlebt und reflektiert haben, beeindruckt uns nicht mehr so schnell und so intensiv.

Doch auch wir kennen diese Erfahrung aus unserem Leben. Sicher nicht so häufig und bestimmt nicht mehr ganz so intensiv wie aus einem Kindermund. Aber hier und da kommt auch uns nur noch ein staunendes „Oh“ über die Lippen. Vielleicht ist dies der Besuch eines fremden Landes, einer fremden Kultur im Urlaubsort. Vielleicht ja auch eine unverhoffte Begegnung oder das (Neu-)Kennenlernen einer bestimmten Person.

Ich erlebe solche Situationen oft bei jungen Familien. Denken Sie an den ersten Nachwuchs, der aus einem Paar eine Familie macht. Viele frisch gebackene Väter und Mütter verharren in stiller Betrachtung ihres neugeborenen Kindes. Hier werden Worte irrelevant. Ganz versunken sind alle in den neuen Erdenbürger, der uns mit seinen großen Augen anschaut. Hier ist es genau umgekehrt: Das Kind, das noch so viele erstaunliche Augenblicke in seinem Leben vor sich hat – es bringt alle um sich herum zum Staunen.

Weihnachten lädt uns alle ein, wieder zu Staunenden zu werden – damals, wie heute. Diese Erfahrung mussten schon die Augenzeugen von Jesu Geburt machen. Den Hirten, die vor Betlehem mit ihrer Herde lagerten, wurde die Geburt des Gottessohnes auf Erden verkündet. Daraufhin machten sie sich auf den Weg zur Krippe (siehe Lukas-Evangelium, Kapitel 2). Und auch die heiligen drei Könige verharrten schweigend, anbetend und staunend vor dem Jesuskind (siehe Matthäus-Evangelium, Kapitel 2). Selbst von Maria und Josef sind keine großen Worte überliefert. Vielmehr schwiegen sie in der Heiligen Nacht und standen staunend um die Krippe gereiht.

„Das Staunen ist der Beginn der Erkenntnis.“ So beschrieb es einst der griechische Philosoph Platon. Wer staunt, den packt das Interesse: an der Natur, am Menschen, an der Technik. Als adventliche, als weihnachtliche Menschen sind wir interessiert am Gegenüber. Wer staunt, der ist bereit, sich überraschen zu lassen. Von Wegen, die wir eingefahren wähnten, von bekannten Beziehungen, von Menschen, die wir glaubten, allzu gut zu kennen. Das Staunen mündet dabei in die Freude. Die Freude am Lernen. Die Freude am Leben. Die Freude an der Liebe.

Seien wir offen für die Welt um uns herum. Ich wünsche Ihnen, dass Sie es schaffen, sich in dieser vorweihnachtlichen Zeit mindestens einmal ins Staunen versetzen zu lassen. Dazu ruft uns die Geburt Jesu an Weihnachten auf. Der Sohn Gottes teilt unsere menschliche Existenz. Als Säugling. Das Staunen darüber ist dabei der Beginn der Demut. Denn wie es in der dritten Strophe des bekannten Weihnachtsliedes „Menschen, die ihr wart verloren“ (Gotteslob Nr. 245) heißt: „Seht, der kann sich selbst nicht regen, durch den alles ist und war“. Wenn das nicht staunenswert ist, was ist es dann?

Den Tod als Appell an das Leben begreifen, Autor: Dr. med. Dr. theol. des. Rupert Dirk Fischer OPraem, Leiter der Lehr- und Forschungsstelle für Wehrmedizinische Ethik, München, aus: Kompass 11/2017

Einen Menschen lieben heißt ihm sagen: Du wirst nicht sterben

Erfahrung des Todes

Zu den zentralen Lebensereignissen des französischen Dramatikers und Philosophen Gabriel Marcel (1889–1973) gehört die Erfahrung des Ersten Weltkrieges. Als Leiter einer Vermisstenstelle wird er tagtäglich mit der bangen Frage nach Leben und Tod konfrontiert. Diese Frage zielt auf eine existenzielle Erfahrung, die einen jeden Menschen betrifft, sei es im Hinblick auf das Sterben anderer oder auf das eigene Sterben. Dabei stellt der Tod für uns ein Rätsel in zweifacher Hinsicht dar: zum einem die Frage nach dem Wesen des Todes, zum anderen diejenige nach seinem Zeitpunkt.

Denken des Todes

Seit jeher regt der Tod den Menschen zum Denken an. Im Denken und Dichten kommt ihm eine beispiellose Bedeutung zu. So nimmt die Beschäftigung mit dem Tod einen breiten Raum im Schrifttum der Menschheit ein. Dabei zeigt sich, dass das Phänomen des Todes untrennbar mit demjenigen des Lebens verbunden ist. Anders formuliert: Die Frage des Todes wirft zugleich die Frage nach dem Leben auf. Sie findet ihren Niederschlag in der heute weitestgehend vergessenen Formulierung einer ars moriendi (Kunst des guten Sterbens). Die hierbei gestellte Frage nach dem guten Sterben ist eng verbunden mit der Frage nach dem guten Leben (ars vivendi). Lässt sich die Frage nach einem gelingenden Leben, die für die meisten Menschen im Zentrum der eigenen Existenz steht, überhaupt ohne Bezug auf den Tod beantworten? Welche Konsequenzen ergeben sich, wenn der Tod in unserer heutigen Gesellschaft verdrängt wird? Führt eine Todesvergessenheit nicht zwangsläufig zu einer Lebensvergessenheit?

Tod und Glauben

Das Christentum gibt eine spezifische Antwort auf die Frage nach dem Tod. In Sterben, Tod und Auferstehung Jesu Christi gelangt das Leben zu seiner eigentlichen Dichte. Diese findet in der Formulierung eines bekannten Liedes „Im Tod ist das Leben“ (GL 620) ihren unnachahmlichen Ausdruck. Verstanden werden kann sie freilich nur, wenn man sich der Tatsache bewusst wird, dass sich die Existenz des Menschen nicht nur auf das Irdische, sondern auch auf das Überirdische erstreckt. Für den Christen heißt Sterben-Lernen in besonderer Weise Leben-Lernen, wobei Leben hier immer schon irdisches Leben übersteigt. Die Inblicknahme des Todes zielt dabei nicht auf das Schaffen von Angst, sondern auf die Begründung von Hoffnung.

Gemeinschaft der Glaubenden

Die Unterscheidung zwischen Lebenden und Toten mag naturwissenschaftlich gerechtfertigt sein. Ist sie es auch im Hinblick auf den Glauben? Für Gabriel Marcel gründet wahre Gemeinschaft in Glaube, Hoffnung und Liebe. Als solche übersteigt sie die wissenschaftlichen Kategorien von Leben und Tod unserer Tage. In seinem Theaterstück Der Tote von morgen, das in besonderer Weise die Angst vor dem Tod eines geliebten Menschen thematisiert, findet sich der bewegende Satz: „Einen Menschen lieben heißt ihm sagen: Du wirst nicht sterben.“ Die Gemeinschaft der Lebenden erweist sich für Marcel als eine Gemeinschaft der Liebenden. Dabei gilt es, die Liebe nicht im Sinne einer romantischen Verklärung zu missdeuten; sie ist vielmehr Ausdruck einer ureigenen Bejahung des geliebten Menschen: „Es ist gut, dass es dich gibt.“ Eine so verstandene menschliche Liebe spiegelt nicht zuletzt das den Menschen von Gott her zugesagte Ja.

Gemeinschaft der Lebenden

In besonderer Weise wollen die kirchlichen Feste Allerheiligen und Allerseelen dazu einladen, der Frage nach Tod und Leben im christlichen Kontext nachzuspüren. Im Christusereignis, das heißt in Leben, Sterben und Auferstehung Jesu, gründet die Gemeinschaft der Glaubenden mit Gott und untereinander. Sie ist eine Gemeinschaft der gelebten Liebe bzw. des liebenden Lebens. Dieser Bezug eröffnet eine Perspektive auf die Fülle menschlichen Seins, die auch den Tod in seiner an das Leben appellierenden Dimension zu erhellen sucht.

Dr. med. Dr. theol. des. Rupert Dirk Fischer OPraem,
Leiter der Lehr- und Forschungsstelle für Wehrmedizinische Ethik, München

Rahmen, Autor: Pastoralreferentin Carola Lenz, Katholisches Militärpfarramt Osterholz-Scharmbeck, aus: Kompass 10/2017

Weltoffen – wer will nicht so gesehen werden? Da ist der Zugang zu Medien aller Art, da kommen Informationen und Spieleangebote aus allen Teilen der Welt, da locken uns Einkaufsmöglichkeiten, von denen unsere Großeltern nicht einmal träumten. Reisen ist erschwinglich, zu jeder Zeit, fast an jeden Ort. Das Bild, das wir von unserem Planeten haben, wurde allmählich größer, breiter, etwas unübersichtlich. Doch Sie akzeptieren dieses Bild vermutlich so wie ich. Weshalb nur fällt es in unseren Gesellschaften so schwer, auch einen anderen Rahmen für dieses globale Bild zu akzeptieren? Parteientwicklungen und Wahlen zeigen an vielen Stellen überdeutlich: Unser globales Bild hängt schief in den Angeln der alten nationalen Bilderrahmen. Ein neues Bild braucht einen neuen Rahmen. Europa könnte so ein Rahmen sein, der gleichzeitig Entfaltungsmöglichkeit und Grenzen setzt für die ausufernde globale Herausforderung.

Jesus war einer, der Grenzen hinterfragte (vgl. Lk 5,33–39). Doch er wusste auch, dass man den alten Rahmen nicht einfach ohne Gefahr ersatzlos sprengen kann. Neuer Wein zerreißt alte Schläuche. Vielleicht ist die heutige Rückkehr des Nationalismus der verzweifelte Versuch, die alten Weinschläuche zu flicken und für den neuen, den noch gärenden Wein wieder zu verwenden. Reichlich suspekt scheint das Neue zu sein, das vielleicht Größere und damit auf den ersten Blick auch Instabilere. Das muss sich ja alles erst einmal bewähren. Wer genau hinschaut auf Jesu Worte, kann Folgendes bemerken: Mut ist es, den wir Menschen durch alle Zeiten brauchen; Mut, einem neu gebauten Rahmen die Chance auf Bewährung zu geben. Mut.

Solchen Mut braucht auch das andere, das wir von Jesus kennen. Denn er konnte den Rahmen belassen, wo er noch zu gebrauchen war, und diesen Rahmen dann mitgestalten. Er hat sozusagen manchmal einfach ein bisschen über den Rand hinaus gemalt. Das geschah zum Beispiel, als seine Freunde sich am Sabbat, als Arbeit verboten war, einige Ähren am Feldrand zum Verzehr abpflückten. Das entsprach nicht eins zu eins den Buchstaben des jüdischen Gesetzes, das von Jesus sehr wohl als Rahmen seines Handelns akzeptiert wurde. Mit seinen Worten malt er gemäß dieser Erzählung einfach ein bisschen auf dem Rahmen herum, indem er darauf hinweist, dass die Gesetze für den Menschen da seien und nicht umgekehrt. Die Gesetze, die ihm mit seinen jüdischen Glaubensbrüdern den guten Lebensrahmen bieten.

Welche Rahmen sind in Ihrem Leben gesetzt? Ich meine damit nicht nur politische Rahmen oder religiöse. Ich meine die Rahmen, die Ihren Alltag ganz konkret begleiten. Der Alltag in der Familie ist bei Vielen vom guten und sicheren Rahmen der Ehe begrenzt und gehalten oder soll es vielleicht bald werden. Der Dienstalltag wird eingerahmt von Weisungen und Gesetzen, die stützen oder einschränken können. Da entstehen doch nicht selten Fragen, wie mit solchen Grenzen umzugehen ist, wie haltgebend sie sind? Wie viel Begrenzung können die betreffenden Menschen, also Sie und Ihre Mitmenschen, Ihre Kameraden wirklich aushalten? Wo liegt der Gewinn der Begrenzung, der Reglementierung, wo muss zum Beispiel dienstlich dem Menschen zuliebe mal buchstäblich darüber hinweggesehen werden? Und wie lässt sich der Rahmen der Ehe fruchtbar machen als Halt für alle Seiten, welche Absprachen, welche Zugeständnisse oder Kompromisse können Leben in den Rahmen bringen? Muss möglicherweise eine Beziehung den stabileren Rahmen bekommen, wenn Kinder die Zweisamkeit bereichern?

Es muss, mit Jesu Bild gesprochen, nicht der alte Schlauch für den neuen Wein sein oder der frische Flicken auf dem alten Kleiderstoff. Niemand muss es auf die Zerreißprobe ankommen lassen, wenn er oder sie den Rahmen rechtzeitig bedenkt, gegebenenfalls austauscht – wenn nötig, vielleicht aber einfach nur anpasst oder durchdacht mitgestaltet.

Carola Lenz, Pastoralreferentin
Katholisches Militärpfarramt Osterholz-Scharmbeck

Gruß aus der Wüste, Autor: Militärpfarrer Andreas Bronder, Katholisches Militärpfarramt Idar-Oberstein, aus: Kompass 09/2017

Seit über hundert Tagen bin ich in Gao / Mali in der Sahelzone. Sahel heißt Ufer. Ich bin am Ufer, am Rand der Wüste Sahara. Dieser Ort ist ein Ort der Extreme: große Hitze von bis zu 50°C im Schatten – in der Trockenzeit; bis hin zu 40°C im Schatten bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit – jetzt in der Regenzeit.Trotz der Regenzeit ist Wasser ein kostbares Gut: Zwei Minuten darfst du am Tag duschen. Das ist kurz, reicht aber. Aufgrund des Klimas beten selbst die Atheisten: „Lieber Gott, bitte mach, dass meine Klimaanlage nicht kaputt geht!“ Und wenn der Diesel alle ist: „Unseren täglichen Diesel gib uns heute ...“

Antworten suchen – und finden

Die drei großen Weltreligionen sind in der Wüste entstanden, warum wohl? Die Wüste reduziert dich auf das Wesentliche, die Wüste ist reizarm. Du wirst auf dich selbst zurückgeworfen – öffnest du dich dieser Botschaft, begegnest du dir selbst und Gott. Fragen nach Gott und dem Sinn kommen auf und wollen eine Antwort. Die Stille wirkt, wenn du ihr Platz gibst in deinem Leben, es kann sogar sein, dass du Antworten findest ...

Und dann musst du lernen, zufrieden zu sein mit dem, was du hast. Wenn du immer nur auf das schaust, was dir fehlt, gehst du nach ein paar Tagen bei Rot über die Ampel. Betreibst du dagegen ein gutes Zufriedenheits-Management und freust dich über die kleinen Dinge des Lebens, kommst du bereichert nach Hause: Du kannst entdecken, wie wenig es zum Leben braucht und wie gesegnet du zu Hause bist.

Was bleibt dann, nach letztendlich vier Monaten? Ich hoffe, die Dankbarkeit für die Fülle, in der ich in Deutschland leben darf, und die Hoffnung, meine kleine Welt zu Hause in ihrer Vielfalt und Buntheit neu zu sehen. Spannend wird auch die Begegnung mit meinen Lieben daheim, von denen ich noch nie so lange getrennt war.Ich bin dankbar für das, was die Wüste mich lehrt und kann alle nur ermutigen, ein Stück Wüste für sich zu Hause zu entdecken. Nur in der reizarmen Stille wächst die Kraft, etwas zu verändern. Unser Gott ist ein leiser Gott, er drängt sich uns nicht auf und gerade im Nichts, in der Ruhe, in der Wüste, will ER uns begegnen und uns spüren lassen, dass er der „ICH BIN DA“ unseres Lebens ist.

 

Fragen nach dem „Warum“

Kurz nach der Abfassung dieses Grußes (26. Juli) hat sich die Situation in der Wüste schlagartig verändert: Ein Hubschrauber mit zwei Kameraden ist abgestürzt und keiner hat überlebt. Wir werden ganz neu mit der Gefährlichkeit unseres Auftrags konfrontiert.

Wir dürfen nicht bei der Frage nach dem „Warum“ stehen bleiben. Wir müssen weiter gehen zum „Wie“: Wie können wir zusammenhalten angesichts des Lebens, das manchmal so grausam ist? Jetzt zwingt uns die Wüste zum Da-sein und Da-bleiben. Da- und Dranbleiben kann helfen ...

Militärpfarrer Andreas Bronder, Katholisches Militärpfarramt Idar-Oberstein,
April–August 2017 Einsatzbegleitung in Gao / Mali

Urlaub und trotzdem entspannt bleiben, Autor: Pastoralreferent Thomas Glöckl, Katholisches Militärpfarramt Pöcking, aus: Kompass 07-08/2017

Bis jetzt lief es ganz gut. Nur noch 320 km bis zum Urlaubsort am Meer und dann das: „17 km Stau“, sagt der Verkehrsfunk. Die Kinder fragen, wann wir endlich da sein werden. Und überhaupt, wann kommt die nächste Toilette? Hinter uns fährt ein SUV ständig sehr eng auf. Der Fahrer spinnt wohl? Langsam geht die innere Ruhe verloren … Ein typischer erster Urlaubstag. Abends fällt man dann wie ein Stein müde ins Bett und träumt auch noch von brenzligen Situationen auf der Autobahn. Am liebsten würde ich mit der Familie wieder mal wegfliegen. Aber einerseits haben wir mit Flugverspätungen auch schon unsere Erfahrungen gemacht und andererseits ist das Fliegen eine enorme Umweltverschmutzung.

Egal, jetzt sind wir am Meer in unserer gemieteten Ferienwohnung. Schöner Blick von der Terrasse auf den Strand. Nur die südländischen Nachbarn nerven. Die sind mit zwei Hunden angereist und die bellen den ganzen Tag. Außerdem läuft bei denen ständig das Radio. Wie schön wäre es jetzt auf einer einsamen Insel! Keine anderen Menschen, keine Hunde und keine Radios. Vielleicht hat mich die lange Anreise zu sehr mitgenommen? Abends werden wir gut essen gehen, und wenn sich die Kinder am Strand ausgetobt haben und meine Frau die Kleiderläden durchgesehen hat, dann ist alles in Ordnung.

Urlaubserfahrungen, die vielleicht jeder kennt. Man will abschalten und sich erholen, aber das ist leichter gesagt als getan. Manchmal stellt sich sogar ein Gefühl der Wut ein, weil die innere Ruhe einfach nicht kommen will. Dann sind drei Dinge gefragt: Fantasie, Geduld und Humor.

Mit ein wenig Fantasie ist es nicht schwer auf andere Gedanken zu kommen: Schwimmen im Meer, eine kalte Dusche nach dem Sonnenbad, eine abendliche Fahrradtour mit der Familie oder einfach durch die Fußgängerzone des Urlaubsorts schlendern. Schon sind die Gedanken nicht mehr gefangen im Kreislauf der Unruhe, da kleine Aktivitäten oft große Wirkungen haben.
Geduld ist keine Kunst, sondern eine tägliche Übung. Ungeduldige Menschen wollen meistens alles – und zwar sofort! Sie nehmen sich zu wenig Zeit für die eigene Seele und den Geist. Anders ausgedrückt: Ein geduldiger Mensch nimmt sich Zeit, damit seine Seele nachkommen kann. Oft ist man zwar körperlich schon im Urlaub, aber der Geist und die Seele sind noch daheim mit der Arbeit des Alltags beschäftigt. Manchmal dauert es mehrere Tage, bis der Geist frei geworden ist und die Seele auch Urlaub machen kann.

Lachen ist wie Medizin. Es werden Glückshormone ausgeschüttet und der Blick auf die Welt hellt sich auf. Man könnte sich mit humorvollen Menschen umgeben. Im Urlaub findet man sicherlich welche.

Ich wünsche ihnen eine sichere Fahrt in den Urlaub und gute Erholung! Und wenn es so kommen sollte, wie oben beschrieben, dann lächeln sie einfach.

Pastoralreferent Thomas Glöckl,
Katholisches Militärpfarramt Pöcking

Haltung(en), Autor: Pastoralreferent Christian Hohmann, Katholisches Militärpfarramt Aachen, aus: Kompass 06/2017

In den vergangenen Wochen waren diverse Grundsatzdiskussionen zu hören über das richtige Auftreten bzw. die angemessenen Grundüberzeugungen von Soldaten als „Staatsbürger in Uniform“. Von „Haltungen“ und einem „besonderen Ethos“ war da die Rede. Wenn wir uns als Christen in der Bundeswehr auf diese Fragen einlassen, können wir in der Bibel einige Anhaltspunkte finden, die uns Orientierung geben. Da wäre beispielsweise die Haltung zu erwähnen, die Jesus seinen Freunden in der Bergpredigt (Mt 5 ff.) dargelegt hat: Selig die Friedfertigen, selig die Sanftmütigen, selig die Menschen, die Barmherzigkeit walten lassen; ihnen allen gehört das Himmelreich. Hier handelt es sich um Grundhaltungen, die für Soldaten ebenso Maßstab sein sollten wie für jeden anderen Christen, ja für alle Menschen guten Willens.

Rechenschaft ablegen

Aber was zeichnet uns Christen in besonderer Weise aus? Im 1. Petrusbrief finden wir diesbezüglich einen Hinweis. Dort heißt es, dass wir bereit sein sollen, jedem Rechenschaft abzulegen, der nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt (1 Petr 3,15). Menschen, die versuchen, den Weg Jesu in ihrem Leben nachzugehen, behalten ihre Begeisterung und ihre Überzeugungen nicht für sich. Seit fast 2.000 Jahren drängt es uns Christen, anderen davon zu erzählen, was uns selbst im Inneren unseres Herzens erfüllt. An erster Stelle wäre die Gottesliebe zu erwähnen als unsere Antwort auf die Erkenntnis, dass wir alle Geschöpfe Gottes sind.

Wer sich selbst als Tochter bzw. Sohn Gottes versteht, begegnet allen Menschen mit Liebe und Achtung. Er oder sie weiß um die einzigartige Würde, die jeder und jede von Gott geschenkt bekommt. Diese Würde unterliegt keiner Bedingung, muss nicht erst erarbeitet werden, hängt von keiner Leistung oder Leistungsfähigkeit ab. Wer sich derart geliebt und gehalten weiß, geht wohlwollend, annehmend und verzeihend auf seine Mitmenschen zu, macht keinen Schwächeren runter, sondern versucht denjenigen aufzurichten, der am Boden liegt. Wer sich von Gott gehalten fühlt, lebt solidarisch mit seinen Mitmenschen, bewertet niemanden nach Aussehen oder Hautfarbe, reicht denen die Hand, die entkräftet sind.

Verschiedene Quellen

Wenn wir genau hinschauen, entdecken wir in diesen Haltungen auch die Grundzüge der Inneren Führung sowie der soldatischen Kameradschaft. Unser Ethos formt sich aus uralten Quellen. Eine davon ist die Frohe Botschaft Jesu.

„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15). Dieser Aufruf verlangt ein starkes Rückgrat und viel Mut.

Möge der Heilige Geist, der uns an Pfingsten aufs Neue geschenkt wird, uns ermuntern, den Mund aufzumachen, wo unsere Stimme von Nöten ist: Als deutlicher Protest gegen jede Art von Erniedrigung, als Ermunterung für diejenigen, die Flüchtende vor dem Ertrinken retten, als Stimme gegen die Feinde der Demokratie ...

Die Beispiele kann ein jeder nach Belieben ergänzen. Denn auf die Haltung kommt es an in Familie, Gesellschaft, der Bundeswehr, ja überall dort, wo Menschen zusammenleben. Gehen wir mutig hinaus in unsere Welt und versuchen uns einzusetzen für Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit!

Pastoralreferent Christian Hohmann,
Katholisches Militärpfarramt Aachen

Der Stärkere gewinnt!, Autor: Johannes Beszynski (Pater Patrick), Katholisches Militärpfarramt Bogen, aus: Kompass 05/2017

In unserer modernen Welt läuft Vieles nach diesem Motto ab. Es sind heute starke Typen angesagt, keine „Weicheier“ oder „Warmduscher“, wie es Jugendliche ausdrücken würden. Wer schwach ist, der kommt mit Sicherheit unter die Räder. Darum will heute auch keine und keiner schwach sein.

Brauchen wir nicht alle in irgendeinem Bereich unseres Lebens Stärke und Stärkung – nicht nur körperliche Stärke, die man sich im Fitnessstudio antrainiert, sondern besonders eine innere Stärke? Diese ist so leicht nicht zu erlangen. Um sie zu gewinnen, brauchen wir Zutrauen, Zuspruch, Anerkennung und dies insbesondere in herausfordernden Situationen. Es braucht jemanden, der mir Vertrauen schenkt, der mir durch Worte oder Gesten zeigt, dass ich liebenswürdig bin.

Im Blick auf unser Leben fallen uns sicher viele Menschen ein, denen wir zu Dank verpflichtet sind, weil sie uns ermutigen, unseren Weg zu gehen: Eltern, Lehrer, Freunde ...

Was für unsere Beziehung zu Menschen gilt, kennzeichnet auch unsere Beziehung zu Gott: Gerade im Hinblick auf unsere Schwächen benötigen wir immer wieder eine Stärkung im Glauben. In der Gemeinschaft der Glaubenden erfahren wir sie beispielsweise bei Gottesdiensten, im Gebet und bei Wallfahrten. Stärke und Stärkung wird uns auch von Gott selbst geschenkt. Hier empfiehlt sich ein Blick auf unser bisheriges Leben. Wie viel ist uns nicht schon gut gelungen, obwohl wir es uns selbst nicht zugetraut hätten? Wie viele Situationen haben wir nicht schon gemeistert, obwohl an einen guten Ausgang nicht mehr zu denken war? Gott hat uns in unserem Leben bereits einiges zugetraut und tut es immer noch.

Im Monat Mai schauen wir Christen in besonderer Weise auf Maria, die Mutter Gottes: Ein ganz einfaches Mädchen, das sich Gottes Handeln an ihrer Person wohl nicht so hatte vorstellen können. Aber was hat Gott aus ihr gemacht, weil sie sich auf ihn einließ und „ja“ sagte zu ihm und seinem Plan? Sie wurde die ganz große, die starke Frau, die Gottesmutter, die wir verehren, unsere Schwester, auf deren Glauben wir schauen. Sie wurde das nicht von sich aus, sondern weil Gott ihr Zutrauen gab, Zuspruch spendete und Anerkennung zu Teil werden ließ, damit sie die Herausforderungen bestehen konnte.

Auch uns will Gott stark machen. Er traut uns Vieles zu, damit wir Großes vollbringen können. Mit seiner Hilfe sind wir „starke Typen“, die ihren Beitrag leisten können in unserer Gesellschaft und in unserer Welt.

Johannes Beszynski (Pater Patrick),
Katholisches Militärpfarramt Bogen

WAS traue ich Gott zu?, Autor: Pastoralreferent Stefan Hagenberg, Katholisches Militärpfarramt Bückeburg, aus: Kompass 04/2017

Ostern steht vor der Tür. Das Fest des Lebens. Gott erweist sich als der Herr dieses Lebens, das stärker ist als der Tod. Das haben wir schon oft gehört und oft gefeiert. Das gehört zum Grundwissen unseres Glaubens. Und damit steht es in der Gefahr, vergessen zu werden. Seine Tiefendimension wird übersehen und „überfeiert“. Ostern stellt uns vor die Frage: „Traue ich Gott wirklich zu, Herr über das Leben, auch über mein Leben zu sein?“ Vielfach erlebe ich es so, dass ich mein Leben selbst in der Hand habe, selbst „manage“ und mir da niemand hineinpfuschen soll. In Gesprächen wird mir immer wieder bewusst, dass wir Menschen das Leben so geplant und verplant haben, dass für Gott gar kein Platz mehr bleibt. So gestalten wir unser Glück – und unser Unglück. Vielleicht fällt uns in letzterem Fall ein, dass Gott ja mal was tun könnte. Aber vorher?

Ein eindrückliches Beispiel für die Offenheit, die es braucht, um Gott wahrnehmen zu können, habe ich bei einem Gespräch mit einem jungen Soldaten erlebt. Er kam zu mir, weil er etwas über „den katholischen Glauben“ wissen wollte. Er war ungetauft und ohne einen Bezug zum christlichen Glauben aufgewachsen. Am Wochenende zuvor hatte er zusammen mit seiner katholischen Freundin eine Messe besucht und war nun voller Fragen. Es stand auch eine eventuelle Hochzeit im Raum, die auf Wunsch der Freundin als kirchliches Fest gefeiert werden sollte. Nun wollte der Kamerad wissen, worauf er sich da einließe und was es mit dem Glauben und den Riten auf sich habe. Eine klassisch missionarische Situation und eine großartige Chance – aber auch eine große Herausforderung, denn was kann ich sinnvoll sagen, wenn keine wissensmäßigen Voraussetzungen da sind? Ich begann also von mir, von meinem Glauben und seinem Entstehen zu erzählen. Es wurde ein intensives Gespräch mit vielen Nachfragen. Unter anderem ging es darum, wie ich denn sicher sein könne, dass Gott tatsächlich existiert und in Kontakt mit mir treten wolle. So schilderte ich dem Kameraden meine Gebetspraxis. Das könne er ja auch mal versuchen, meinte er. Ich ermutigte ihn, warnte jedoch gleichzeitig davor, beim ersten Mal allzu viel zu erwarten. Die Beziehungsaufnahme mit Gott brauche, wie diejenige mit einem Menschen, Zeit. Das schreckte ihn nicht ab und wir verabschiedeten uns.

Am folgenden Tag rief er mich an und fragte, ob ich noch einmal Zeit für ihn hätte, er habe da noch Klärungsbedarf. Nach Dienstschluss kam er dann und berichtete, dass er am vorherigen Abend versucht habe zu beten und dass er nichts gespürt habe. Aber das hätte ich ja vorhergesagt. Dann sei er eingeschlafen und habe etwas geträumt. Er habe jahrelang nichts geträumt. Und nun habe er im Traum noch einmal alle Situationen durchlebt, die in seinem Leben gefährlich waren. Es begann in seiner Jugend, dann kamen Szenen aus seiner Ausbildung und schließlich Ereignisse aus verschiedenen Auslandseinsätzen. Sie liefen wie in einem 3D-Film ab und er beobachtete sie als Außenstehender. Mit ihm gab es einen weiteren Beobachter, den er nicht kannte. Eine gütige, väterliche Figur, die Wohlwollen ausstrahlte und die sich schräg hinter ihm befand. Trotz des gefährlichen Inhalts der beobachteten Szenen ging es dem Kameraden im Traum nicht schlecht, im Gegenteil, er fühlte sich wohl. Und nun wollte er von mir wissen, was er da erlebt hatte. „Was war das?“, lautete seine eindringliche Frage. Das konnte ich ihm auch nicht abschließend erklären. Zu seinem Vater habe er kein sehr vertrautes Verhältnis, mit ihm habe er noch nie über die Situationen gesprochen, die in seinem Traum vorkamen. Was also bedeutete sein Traum? Von meinem christlichen Verständnis her die Gewissheit, dass Gott mit uns ist, das ganze Leben hindurch, und ganz besonders in Zeiten und Situationen, die für uns lebens-wichtig sind. Diese Deutung habe ich ihm angeboten. Und er konnte sie nehmen. Er ließ sich auf Gott ein und empfing schließlich die Taufe.

Wenn ich offen bin, dann kann ich Gott und seine Begleitung in meinem Leben erfahren. Dann werden mir kostbare Momente geschenkt, in denen ich zur Gewissheit komme, dass Gott immer auf meiner Seite ist. Und dann kann ich seine Zusage ernst nehmen: „Ich will, dass Du das Leben hast und es in Fülle hast“. Diese Fülle kann ich mir nicht selber machen, sie wird mir geschenkt, und sie ist stärker als der Tod. Ich wünsche Ihnen, dass Sie dies im Vertrauen und Zutrauen auf Gott erfahren: Ein lebens-frohes Osterfest!

Pastoralreferent Stefan Hagenberg,
Katholisches Militärpfarramt Bückeburg

Verzichtserklärung, Autor: Pastoralreferentin Carola Lenz, Katholisches Militärpfarramt Osterholz-Scharmbeck, aus: Kompass 03/2017

„Darauf kann ich gut und gern verzichten!“, ruft Jakob beim Öffnen des Briefes. Er kennt dieses Haus gut, es ist ihm vertraut und er war dort immer gerne. Doch dieses Anwesen in seiner Verantwortung? – Niemals! Er kennt dort jede Ecke und weiß gut, in welchem erbärmlichen Zustand das alte, kleine, abgelegene Häuschen seiner gerade verstorbenen Tante wirklich ist. Eigentum ist ja schön, aber von dieser Erbschaft hätte er nun wirklich nichts als Ärger und Kosten. Also begibt er sich zum Notar und unterschreibt eine Verzichtserklärung. Mit diesem Besitz will er sich nicht belasten.

Die Fastenzeit hat begonnen. Fasten bedeutet auch Verzicht auf Belastungen, die sich hinter Vergnüglichem verstecken. – Ein Paradox? Dieser Verzicht hat einen Anfang, Aschermittwoch, und ein Ende, das Fest der Auferstehung an Ostern. Verzicht auf Verzichtbares – davon gibt es in meiner und vermutlich auch in Ihrer Welt eine ganze Menge: das abendliche Fernsehprogramm, die kleinen oder größeren Suchtmittel wie Schokolade oder Kaffee, Alkohol oder Zigaretten ..., die Zeitung am Frühstückstisch, der Blick aufs Smartphone in jeder freien Minute wegen der allerneuesten Nachrichten aus dem privaten Bereich, aus der Politik, permanent „auf Sendung“ sein … – Ergänzen Sie doch mal die Liste mit Namen „nice to have“ aus Ihrem großen Alltagsvorrat. Beim kritischen Nachdenken wird immer mehr dazukommen: Das ist die Liste mit den Gewohnheiten, ohne die Sie durchaus überleben würden. Wäre da nicht ein Punkt für die beginnende Fastenzeit dabei, die vorösterliche Bußzeit?

Fastenprogramme für die Schönheit oder die Fitness im Frühling sind hier allerdings nicht gemeint, auch wenn der Verzicht ähnlich hart sein mag. Das wären Fastenkuren für die Ego-Pflege. Befreien soll der Verzicht auf Verzichtbares, befreien vom Alltagstrott, der mich irgendwie unbeweglich macht, am Zuhören hindert, an der Offenheit hindert für die Menschen um mich herum, für die Kameraden, die Familie, für Gottes Lebensplan.

Einfach mal was weglassen …

Jesus hat für seine Jünger eine Richtschnur, wie sie sich vom regelgebundenen Fasten, das sie bisher kennen, loslösen können. Ziel ist es ja, Gott näher zu kommen: „Wenn du fastest, mach kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ Matthäus-Evangelium 6,16–18

Wenn Sie wieder gut zuhören wollen, sich weiter entwickeln, bewegen wollen, verändern, dann versuchen Sie das mal. Für diese Zeit des reinigenden Verzichts brauchen Sie keine Verzichtserklärung zu unterschreiben, im Gegenteil: einfach machen, einfach mal was weglassen.

Vielleicht merken Sie sogar nach einer Weile, wie Sie furchtloser in die Zukunft blicken, ruhiger werden, entspannter, gelassener – offen für heilende Gedanken.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Vorbereitungszeit auf Ostern!

Pastoralreferentin Carola Lenz,
Katholisches Militärpfarramt Osterholz-Scharmbeck

Ökumene in der Praxis, Autor: Militärpfarrer Thomas Funke, Katholisches Militärpfarramt Munster, aus: Kompass 02/2017

Von Mose wird gesagt, er sei ein besonders geduldiger Mensch gewesen, der seine Geduld nur im Angesicht Gottes verloren hätte. Vielleicht liegt es daran, dass Menschen die sich im Angesicht Gottes wähnen, wie zum Beispiel die Mönche der einzelnen Konfessionen in der Jerusalemer Grabeskirche, dort nicht nur streiten, sondern sich auch mal prügeln; oder dass jeder eine Geschichte von MilitärseelsorgerInnen kennt, wo es am Standort oder im Einsatz richtig „gekracht“ hat. Es lohnt sich in einem solchen Fall nicht zu versuchen, inhaltlich zu prüfen wer Recht hat, denn wie sagte mir mal eine Soldatin:

„Keiner will, dass Mama und Papa sich streiten, egal wer Recht hat.“ Keinen Streit am Standort entstehen zu lassen, ist manchmal schon schwierig genug, da die wenigsten Menschen so sind, wie sie sein sollten, aber als Maßstab des Handels ist so eine Maxime doch ein wenig dürftig.

In meiner Zeit als Militärpfarrer (zehn Jahre und drei Einsätze) haben sich mir noch drei weitere Dinge als plausibel gezeigt: Der Benediktiner-Abt Paul Delatte hat gesagt, dass jeder Mensch im „Käfig seiner eigenen Persönlichkeit“ gefangen ist. Er versucht, den anderen nach seinen eigenen Maßstäben und Vorlieben zu beurteilen und zu verändern, ohne ihn wirklich zu erreichen, weil er seinen Käfig ja nicht verlässt. Ich glaube, dass es nicht nur dem Einzelnen so geht, sondern auch der Gruppe. Mit unserem Bild von der Freiheit der katholischen Kirche gegenüber dem Staat, mit unserem Bild der Ordination, die das Innerste des Menschen durchdringt und zeitlebens verändert, mit unserem Verständnis von sonntäglicher Gemeinschaft und mit dem Bild von menschlicher Freiheit, die sich auch gegen Gott entscheiden kann, werden wir Katholiken nie unsere evangelischen Geschwister begreifen oder beeindrucken können. Ein evangelischer Pfarrer, der sagt:

„Ich kann auch die Absolution erteilen und euch Katholiken die Kranken-salbung spenden“, wird mit Recht befremdlich angeschaut. Der Muslim, dem vom Pfarrer gesagt wird: „Ich habe dein Glaubensbekenntnis auswendig gelernt und kann es dir in deiner Todesstunde in die Ohren flüstern, wie es deine Tradition verlangt“, wird mit Recht dankend ablehnen. Die Deutungshoheit über das eigene Tun hat ausschließlich die Gruppe selbst. Wer wissen will, wie evangelischer Glaube geht, kann es nur so verstehen, wie die evangelischen Christen es selbst verstehen, und nicht wie er sich das vom Anschauen so denkt.

Zum zweiten wird in der Praxis vieles einfacher, wenn man sich von der Magie der Zahlen befreit. Wir machen uns selbst zum Gespött, wenn wir uns die Zahl der Kirchenmitglieder selbst so zurechtlegen, dass unsere Bedeutung größer scheint als sie ist. Jeder weiß, wie und wo wir als jeweilige Kirche wichtig sind, und wenn wir etwas anderes vorgaukeln wollen, hilft das keiner Konfession. Natürlich ist es auch unredlich, so auf die Zahlen fixiert zu sein, dass man im Bestreben, nur noch einen „heiligen Rest“ zu bilden, die Sendung für alle aus dem Blick verliert.

Ein dritter Punkt macht einem das ökumenische Leben ebenfalls leichter: Eine neue Bescheidenheit. Wenn jeder von uns in der Verkündigung Stehende verinnerlicht, dass er nicht Herr über Glaubensinhalte, nicht Herr über die Heilige Schrift, nicht einmal Herr über seine Ordination ist, sondern nur Verwalter all dessen, dann wird manches einfacher. Die Pfarrer, die äußern: „Rom sagt das so, aber wir“ (und sie meinen meistens „ich“) „machen das anders“; oder: „Paulus hat das so gesagt, aber das haben wir ja längst überwunden“, treten das Allgemeine Priestertum der Taufe mit Füßen und bahnen der Magie des „Mannes Gottes“ wieder Bahn. Der Mann Gottes, der die Hostie auch mit drei „Ave Marias“ konsekrieren kann, weil er ja geweiht ist, ist mit Reformation und Konzil von Trient „abgeschafft“.

Eine weitere Regel von Abt Delatte zum Schluss: Die wichtigste Methode, mit anderen umzugehen, ist keine Methode zu haben, sondern sich auf den anderen einzulassen.

Militärpfarrer Thomas Funke,
Katholisches Militärpfarramt Munster

Weil Gott mir Frieden zutraut!, Autor: Pastoralreferent Thomas Nuxoll, Militärseelsorger im Katholischen Militärpfarramt Seedorf, aus: Kompass 01/2017

Was haben der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Vereinten Nationen (UN) und Papst Franziskus gemeinsam? Nun, alle drei rufen mit vielen anderen Organisationen, Parteien, Aktivisten und friedensengagierten Menschen weltweit zu einem Tag des Friedens auf. Doch etwas verwundert stellt man fest, nicht alle zum gleichen Datum!

Da gibt es den katholischen Weltfriedenstag am 1.1., in diesem Jahr zum 50. Mal, am 15.1. den Welttag des Migranten und des Flüchtlings, am 12.2. den Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten, am 29.5. den Tag der Friedenstruppen der UN, seit 1957 den Antikriegstag am 1.9., initiiert durch den DGB, den Internationalen Tag des Friedens der UN, der seit 1981 am 21.9. begangen wird, zum selben Tag ruft der Ökumenische Rat der Kirchen zum Weltfriedensgebet auf, am 6.11. der Tag für die Verhütung der Ausbeutung der Umwelt in Kriegen und bewaffneten Konflikten und am 17.11. der World Peace Day. Und zwischen diesen „großen Terminen“ noch eine Vielzahl von lokalen, nationalen und internationalen Gedenk- und Aktionstagen für den Frieden. Doch angesichts des Zustands der Welt ist man versucht resignierend zu fragen: „Und was hat es gebracht?“

75 Jahre ist es her, dass im August 1942 begann, was die meisten unter der Bezeichnung „Schlacht um Stalingrad“ kennen. Für viele Menschen hierzulande immer noch der Inbegriff dessen, was Krieg und gewalttätige Auseinandersetzung für Menschen bedeutet. 300.000 deutsche Wehrmachtssoldaten eingeschlossen, am Ende viele von ihnen tot oder vermisst – und wie viele sowjetische Leben forderte dieses sinnlose Töten? Die letzten sieben Postsäcke aus Stalingrad wurden beschlagnahmt, die Briefe geöffnet und gelesen, aber nicht von denen, für die sie bestimmt waren. So verschwanden sie in den Archiven und erreichten nie ihre eigentlichen Empfänger. Aus einem der Briefe, wie sie das Buch „Letzte Briefe aus Stalingrad“ (Gütersloh 1954) dokumentiert, möchte ich zitieren:

„… In Stalingrad die Frage nach Gott stellen heißt sie verneinen. Ich muss dir das sagen, lieber Vater, und es ist mir doppelt leid darum. Du hast mich erzogen, weil mir die Mutter fehlte, und mir Gott immer vor die Augen und die Seele gestellt. Und doppelt bedaure ich meine Worte, weil es meine letzten sein werden, und ich hiernach keine Worte mehr sprechen kann, die ausgleichen könnten und versöhnen. Du bist Seelsorger, Vater, und man sagt in seinem letzten Brief nur das, was wahr ist oder von dem man glaubt, dass es wahr sein könnte. Ich habe Gott gesucht in jedem Trichter, in jedem zerstörten Haus, an jeder Ecke, bei jedem Kameraden, wenn ich in meinem Loch lag, und am Himmel. Gott zeigte sich nicht, wenn mein Herz nach ihm schrie. Die Häuser waren zerstört, die Kameraden so tapfer oder so feige wie ich, auf der Erde war Hunger und Mord, vom Himmel kamen Bomben und Feuer, nur Gott war nicht da. Nein, Vater, es gibt keinen Gott. Wieder schreibe ich es und weiß, dass es entsetzlich ist und von mir nicht wiedergutzumachen. Und wenn es doch einen Gott geben sollte, dann gibt es ihn nur bei euch, in den Gesangbüchern und Gebeten, den frommen Sprüchen der Priester und Pastöre, dem Läuten der Glocken und dem Duft des Weihrauchs, aber in Stalingrad nicht.“

Ich sitze sprachlos an meinem Schreibtisch. 74 Jahre ist es her, dass ein junger Mensch in barbarischer Kälte, verlassen und von Tod umgeben, in einem Granatentrichter bei Stalingrad seinen Glauben verloren hat. Es bleiben Trauer und die Frage: „Warum?“

Vielleicht waren Frieden und Gott in Stalingrad nicht zu finden, überall hat dieser junge Soldat vergeblich gesucht. Überall? Vielleicht doch nicht überall. Vielleicht hätte er zumindest den Versuch unternehmen sollen, in seiner Seele, in seinem Herzen zu suchen. Vielleicht hätte er den glimmenden Docht der Liebe und des Friedens dort finden können. Ich jedenfalls mag angesichts der Gewalt und des Unfriedens in aller Welt trotzdem nicht aufgeben daran zu glauben, dass der Friede Gottes seinen Anfang in mir nehmen muss, seinen Anfang in mir nehmen kann! Denn wenn ich mit mir im Frieden bin, dann klappt es auch mit dem Nachbarn und vielleicht auch einmal in der Welt! Warum? Weil Gott mir seinen Frieden zutraut!

Pastoralreferent Thomas Nuxoll,
Militärseelsorger im Katholischen Militärpfarramt Seedorf