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Kirche für jeden und ein Militärbischof zum Anfassen


Oberstabsgefreiter Max und Oberstabsgefreiter Robert haben mit der Katholischen Militärseelsorge am 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig teilgenommen. Ein Interview.

Oberstabsgefreiter Max (li.) und Oberstabsgefreiter Robert (re.) zusammen mit Militärbischof Overbeck am Stand der Katholischen Militärseelsorge beim Katholikentag. © KS / Barbara Dreiling
Oberstabsgefreiter Max (li.) und Oberstabsgefreiter Robert (re.) zusammen mit Militärbischof Overbeck am Stand der Katholischen Militärseelsorge beim Katholikentag. © KS / Barbara Dreiling

 

Der 100. Deutsche Katholikentag findet in Leipzig statt. Sie wohnen ein bisschen außerhalb in der Kaserne in Delitzsch. Wie gefällt es Ihnen?

Oberstabsgefreiter Max: Ich habe mir Leipzig komplett anders vorgestellt. Am Anfang habe ich mich hier ein bisschen fremd gefühlt im Gegensatz zum letzten Katholikentag in Regensburg. Regensburg ist unsere Heimat, unsere Mentalität, aber wir haben uns sehr willkommen gefühlt in Leipzig.

Oberstabsgefreiter Robert: Leipzig ist eine offene und lebendige Stadt. Ich war schon mal hier und damals wirkte die Stadt ruhig und ein bisschen verschlossen. Ich finde es toll, dass jetzt so eine entspannte Atmosphäre herrscht.

Max: Schade finde ich, dass hier weniger Soldaten dabei sind als in Regensburg oder Mannheim. Es ist auch schade, dass so wenig Mannschafter da sind. Auch als Mannschafter kann man von hier viel mitnehmen.

Robert: Vor allem ist der Bischof zum Anfassen da.

Hier können Sie vielen Bischöfen die Hände schütteln.

Max: Zu Wallfahrten gehört nicht nur der Glaube, sondern auch das Menschliche. Die Bischöfe wollen auch normal behandelt werden und ihren Glauben leben.

Robert: Ich kenne den Bischof ja schon von Weltjugendtagen, der Soldatenwallfahrt nach Lourdes und anderen Veranstaltungen. Wir haben uns schon recht herzlich begrüßt.

Militärbischof Overbeck hat in seiner Predigt beim Feldgottesdienst über Gerechten Frieden und die Not vieler Kriegsflüchtlinge gesprochen. Sehen Sie Wege zum Frieden?

Robert: Man müsste an den Ausgangspunkt der Flüchtlingskriese gehen, damit die Menschen eine Chance haben, irgendwann wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Jeder hat seine Heimat, in der er sich wohlfühlt und jetzt sind sie in einem fremden Land.

Max: Integration gehört auch dazu. Man müsste die komplette Familie hier aufnehmen.

Robert: Man sollte die Menschen so integrieren, dass sie wieder eine vernünftige Aufgabe und eine neues Zuhause finden.

Was nehmen Sie mit vom Katholikentag?

Robert: Es gibt eine sehr große Auswahl an Angeboten und wir möchten so viel mitnehmen. Die Kirchenmeile ist beeindruckend. Da erlebt man, wie vielfältig unsere Kirche ist. Wir waren schon auf einem Gospelkonzert.

Max: Und wie vielfältig unser Glaube ist. Jeder hat seinen eigenen Glauben und trotzdem glauben wir gemeinsam.

Robert: Das ist hier Kirche für jeden, jeder darf mitfeiern. Hier herrscht so eine große Offenheit und das Miteinander macht Spaß.

Max: Beim Eröffnungsgottesdienst mit 15.000 Menschen konnte man sehen, wie der Glaube verbindet.

Es klingt, als könnten Sie hier auftanken für Ihren Alltag.

Max: Am Standort können wir oft aus Zeitmangel nicht zum Gottesdienst gehen. Der Standortgottesdienst überschneidet sich häufig mit unserer Hauptarbeitszeit. Manchmal wäre es wichtig, dass man sich die Auszeit nimmt.

Robert: Hier beim Katholikentag treffen wir auch schon mal Kameraden wieder, denen man sonst am Standort selten begegnet, weil man keine Zeit hat.Wie sieht Ihr Alltag aus?

Max: Wir arbeiten in München in der Kaserne im Offiziersheim. Ich bin im Service.

Robert: Und ich bin der Leiter der Küche.

Was verbindet Sie mit der Militärseelsorge?

Max: Unser Pfarrhelfer hat uns vor ein paar Jahren überzeugt, an der Lourdes-Wallfahrt teilzunehmen. Dann sind wir immer wieder nach Lourdes, zu Kirchentagen und Katholikentagen mitgefahren. Wir helfen auch ab und zu bei der Militärseelsorge, z. B. im Militärdekanat.

Robert: Wir hatten immer gute Chefs, die uns die Teilnahme an den Wallfahrten und Veranstaltungen ermöglicht haben. Das ist natürlich eine Voraussetzung, dass die Chefs die Angebote der Militärseelsorge genauso wertschätzen und tolerieren. Für mich bedeutet die Militärseelsorge, dass ich immer mal wieder eine Auszeit haben kann und mal was anderes erleben kann.

Max: Auch den Glauben auffrischen, neue Leute, neue Soldaten kennenlernen – das gehört für mich dazu.

Die Fragen stellte Barbara Dreiling.