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Tag der Militärseelsorge

© KS / Halina Kluge
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"Der Friede, Geschenk Gottes, den Menschen anvertraut" - Feldgottesdienst zu Beginn des Tages der Militärseelsorge

Leipzig, 27.05.2016. Mit einem Pontifikalamt in der General-Olbricht-Kaserne und einem sich anschließenden Angebot zu Begegnung und Gespräch startete der diesjährige „Tag der Militärseelsorge“ anlässlich des 100. Katholikentags. Unter dem Leitmotiv „Der Friede, Geschenk Gottes, dem Menschen anvertraut“ zelebrierte Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck in Konzelebration mit Bischof Frank Richard Spencer, Weihbischof im US-amerikanischen Militärordinariat, dem Diözesanadministrator von Dresden-Meißen, Domkapitular Andreas Kutschke, Militärgeneralvikar Monsignore Reinhold Bartmann und dem Leitenden Militärdekan Stephan van Dongen (Berlin) den Gottesdienst unter freiem Himmel auf dem Gelände des Kasernenviertels im Leipziger Norden.

© KS / Halina Kluge
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Am Feldgottesdienst nahmen in ökumenischer Verbundenheit u. a. teil: Militärgeneraldekan Matthias Heimer und für die politische und militärische Spitze des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) der Parlamentarische Staatssekretär Markus Grübel MdB sowie Generalmajor Jürgen Kappe als Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr. In Vertretung des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages feierte der Leitende Beamte, Ministerialdirigent Wolfgang Müller, den Feldgottesdienst mit.

In den Mittelpunkt seiner Predigt rückte Militärbischof Overbeck das gewählte Leitmotiv. Er nutzte dabei die Gelegenheit zu verdeutlichen, dass es sich beim Frieden letztendlich um „ein Geschenk Gottes“ handle. Wörtlich dazu Bischof Overbeck in der Predigt: „Wenn wir darum heute vom Frieden reden, reden wir immer von dem großen Geschenk, das Gott uns in Jesus von Nazareth gemacht hat, seinem Sohn, der mit den Seligpreisungen der Bergpredigt verheißt, dass die selig sind, die Frieden stiften, weil sie Kinder Gottes genannt werden.“ Mit Blick auf die sich zunehmend äußerst komplex gestaltende Welt und die ihr innewohnenden Gefahren, formulierte er dabei auch die Aufgaben, die der Militärseelsorge zukünftig anheimfallen. Der Militärbischof wörtlich: „Je komplexer unsere Welt und die Herausforderungen der Bundeswehr werden, umso mehr sind die Soldatinnen, Soldaten und alle Verantwortungsträger gefordert, nicht nur dem Nachdenken über die Normativität ihres Handelns und der Reflexion darüber genügend Raum zu gewähren, sondern auch ihrer Vision als einer Zielperspektive, die vom Frieden als dem Werk der Gerechtigkeit und der Liebe nicht lässt.“

© KS / Halina Kluge
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Bevor Overbeck den Feldgottesdienst mit dem bischöflichen Segen schloss, bedankte er sich beim Kammerensemble des Luftwaffenmusikkorps Erfurt, das unter Leitung von Oberstleutnant Burkard Zenglein für die musikalische Begleitung sorgte. Möglichkeiten zu Gesprächen und zur Begegnung waren im Anschluss in den Wirtschaftsgebäuden der General-Olbricht-Kaserne gegeben. Und danach machte sich die soldatische Gruppe der Katholikentags-Teilnehmer auf den Weg zu einem Forum in der Leipziger Innenstadt, an dem u. a. auch Militärbischof Overbeck auf dem Podium mitwirkt.

Josef König




© KS / Halina Kluge
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Sind Religionen Brandstifter oder Friedensförderer?

Katholikenrat beim Militärbischof konzipierte spannendes Großpodium zum Katholikentag

Zum Ende der Podiumsveranstaltung rief Militärbischof Franz-Josef Overbeck Christen, Juden und Muslime in der Welt auf, sich gemeinsam für die Menschenrechte stark zu machen. In einer zunehmend nichtreligiösen Gesellschaft ist es nach Auffassung des Militärbischofs immer wichtiger, in diesem Sinne den Dialog zwischen den Weltreligionen zu fördern. Dabei sind Menschenwürde und Menschenrechte die grundlegenden Voraussetzungen für die ethische Maxime eines gerechten Friedens für alle, so Militärbischof Overbeck. Leider weise nach seiner Ansicht in der Weltpolitik „derzeit nichts darauf hin, dass diese Forderung handlungsleitend wäre".

Ebenso mahnte er in der öffentlichen Debatte über das Verhältnis von Religion und Gewalt an, zwei Extrempositionen zu vermeiden. Die eine unterstelle, dass Religionen grundsätzlich Konflikte hervorbringen oder zumindest befeuern; die andere versuche, aus der Religion stets das Opfer zu machen.

Militärbischof Franz-Josef Overbeck © KS / Halina Kluge
Militärbischof Franz-Josef Overbeck © KS / Halina Kluge

Dies war das Fazit des Katholischen Militärbischofs auf einem Großpodium, an dem sich die Vorstandssprecherin der Israelischen Religionsgemeinschaft Württemberg, Barbara Traut, der geschäftsführende Direktor des Instituts für Studien der Kultur und Gesellschaft des Islam an der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Dr. Bekim Agai, und der emeritierte Professor für Religionswissenschaften, Dr. Hans G. Kippenberg, beteiligten.

Mit Blick auf die Zukunft eines bekenntnisgeleiteten Religionsunterrichts in den Schulen in Deutschland blieb es im Verlauf der Diskussionsrunde unter den Teilnehmern bis zum Schluss kontrovers: Overbeck sprach sich für dessen Beibehaltung aus und lehnte Modelle, wie sie beispielsweise in Großbritannien gültige Praxis sind, ab. Die Kulturkorrespondentin beim Rundfunk Berlin-Brandenburg, Maria Ossowski, moderierte das Podium, welches mit zwei „Anwälten des Publikums“ in der Moderation der Zuhörerfragen ergänzt wurde.

Josef König