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Militärbischof Overbeck bei UNIFIL

Truppenbesuch bei Soldatinnen und Soldaten des 31. Deutschen Einsatzkontingents UNIFIL - Von Josef König

Auf Zypern

© KS / Doreen Bierdel
© KS / Doreen Bierdel

„Camp Castle“ oder kurz „Castle“: So wird der östliche Teil des Hafens der zypriotischen Stadt Limassol genannt, auf dem seit vielen Jahren das Deutsche Einsatzkontingent UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) seinen Stützpunkt, gleichsam sein Hauptquartier bezogen hat. Es gleicht weniger einem hochherrschaftlichen Schloss, sondern vielmehr einer schützenden Festung. Dies ist auch daran zu erkennen, dass – wie in nahezu jeder militärischen Liegenschaft – eine Wache mit Schlagbaum und Wachlokal das Betreten und Verlassen kontrolliert. So erging es auch Dr. Franz-Josef Overbeck, der zusammen mit seiner Delegation am 6. Januar 2016, erstmals in seiner Verantwortung als Katholischer Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr den deutschen Anteil an der UNO-Mission besuchte.

Die Grundlagen

© KS / Doreen Bierdel
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Die Beteiligung Deutschlands und damit der Marine an UNIFIL erfolgt auf Grundlage der Resolutionen 1701 (2006) vom 11. August 2006 und 1773 (2007) vom 24. August 2007 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen. Der Deutsche Bundestag hatte der Beteiligung deutscher Streitkräfte erstmalig am 20. September 2006 zugestimmt. Im Juni 2015 stimmte der Deutsche Bundestag erneut einer Verlängerung des Mandats bis zum 30. Juni 2016 zu. Seit fast zehn Jahren sind durchschnittlich 150 Soldaten im Einsatz, die Mandats-Obergrenze liegt bei 300. Es ist ein Einsatz, der – wie auch andere –, nicht im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses in Deutschland steht. Dies war wohl mit ein Grund, warum Militärbischof Overbeck zu Beginn des neuen Jahres die Soldatinnen und Soldaten des 31. Deutschen Einsatzkontingents UNIFIL und die dortigen Militärseelsorger Martin Tilles und Dr. Dr. Michael Gmelch besuchte.

Wortgottesdienst im "Castle" in Limassol. © KS / Doreen Bierdel
Wortgottesdienst im "Castle" in Limassol. © KS / Doreen Bierdel
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Wie nahezu jeder Pastoral- und Truppenbesuch des Katholischen Militärbischofs begann auch der Besuch in Limassol mit einem ausführlichen Briefing über das dem Einsatz zugrunde gelegte UNO-Mandat, die jeweiligen Schwerpunkte mit Blick auf den spezifischen deutschen Beitrag sowie einige Besonderheiten, die mit dem militärischen Alltag gerade in Auslandseinsätzen verbunden sind. Darüber zu informieren und sich den Nachfragen des Militärbischofs zu stellen, war dem Kontingentführer (CTG) Fregattenkapitän Lars Johst vorbehalten, der die deutschen Soldaten der Maritime Task Force (MTF) UNIFIL führt. Er berichtete Militärbischof Overbeck, dass u. a. seine Soldaten im „Ausbildungskommando Libanon“ Soldaten der libanesischen Marine ausbilden. Ferner beteiligt sich derzeit das Schnellboot „Hyäne“, zusammen mit einem weiteren griechischen Schnellboot, das ebenfalls im Hafen von Limassol liegt, im Maritimen Einsatzverband UNIFIL an der Seeraum-Überwachung im Operationsgebiet, um Waffenschmuggel von See in den Libanon zu verhindern. Darüber hinaus sind deutsche Soldaten im Stab des UNIFIL-Hauptquartiers in Naqoura, südlich von Beirut gelegen, in verschiedenen Positionen eingesetzt, unter anderem im Bereich der militärischen Operationsführung.

Besuch an Bord

Nach diesen grundlegenden Informationen, bot es sich an, zusammen mit dem Kommandanten des Schnellboots „Hyäne“, Korvettenkapitän Daniel Tesch, dem Boot und der Besatzung des Schnellboots „Hermelin“, ebenfalls einen Besuch abzustatten. Korvettenkapitän Tesch berichtete, dass das Schnellboot S 80 „Hyäne“ am 25. Juli 2015 in den Hafen von Limassol eingelaufen war. „Seitdem fungieren das Schnellboot und seine Besatzung als Standby-Einheit für den UNIFIL-Einsatz, welches dem Kommandeur der Maritime Task Force, derzeit dem brasilianischen Admiral Flavio Macedo Brasil, im UNIFIL-Hauptquartier in Naqoura unterstellt ist“, so der Kommandant. Ferner betonte Korvettenkapitän Tesch, dass die MTF und mithin die „Hyäne“ autorisiert ist, in Abstimmung mit den libanesischen Streitkräften alle erforderlichen Maßnahmen einschließlich der Anwendung militärischer Gewalt zu ergreifen, um den Auftrag des Sicherheitsrats gemäß Resolution durchzusetzen. Die Soldaten der MTF UNIFIL haben auch die Befugnis zur Wahrnehmung des Rechts auf bewaffnete Nothilfe zugunsten von jedermann. Die einzelnen Bestimmungen sind in den Einsatzregeln (Rules of Engagement) festgelegt und für die deutschen Soldaten in einer Taschenkarte umgesetzt.


„Die Soldaten sind froh, dass ein Seelsorger im Einsatz da ist, zuhört, beisteht und mitgeht.“




Gottesdienst und „Kirchencocktail“

Der Besuch des Katholischen Militärbischofs und seiner Delegation im Camp Castle endete mit einem Wortgottesdienst, zu dem alle Soldatinnen und Soldaten eingeladen waren. Silvia Graf, die bislang die Zahlstelle bei der örtlichen Wehrverwaltung leitet, trug die Lesung vor. Die Predigt des Militärbischofs widmete sich der Tatsache, „dass die Welt und insbesondere der Nahe und Mittlere Osten zwischenzeitlich aus den Fugen geraten ist“. Er ermutigte die Soldatinnen und Soldaten zum Abschluss, „auch einmal im Gebet zu einer inneren Ruhe zu kommen, die für die Bewältigung im alltäglichen militärischen Dienst Hilfe und Stütze bietet.“ Anlässlich des „Seemannssonntags“ am Donnerstagnachmittag lud Militärpfarrer Martin Tilles zum sogenannten „Kirchencocktail“ ein. Hier war eine weitere Gelegenheit, mit Militärbischof Overbeck auch einmal in einem persönlichen Gespräch „über Gott und die Welt“ zu reden.

Im Libanon

© KS / Doreen Bierdel
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Der letzte Tag der Reise und gleichsam protokollarischer Höhepunkt war der Besuch bei Generalmajor Luciano Portolano (Italien), der das Kommando als Force Commander und Leiter der Mission der Interimstruppe der Vereinten Nationen in Libanon (UNIFIL), am Hauptquartier in Naqoura, südlich der libanesischen Hauptstadt Beirut gelegen, seit 24. Juli 2014 führt. Die längere Unterredung mit dem Force Commander und Missionsleiter begann für Militärbischof Overbeck mit dem Abschreiten einer Ehrengarde vor dem UNIFIL-Stabsgebäude auf dem Gelände des Hauptquartiers. Mit einem Eintrag in das Gästebuch des UNIFIL-Missionsleiters endete das Gespräch des Katholischen Militärbischofs, an dem auch Militärdekan Gmelch und Militärpfarrer Tilles sowie Fregattenkapitän Johst als deutscher Kontingentführer (CTG) teilnahmen. Zuvor jedoch konnte Militärbischof Overbeck unter der Führung von Oberstleutnant Frank Abel unmittelbar an der frühmorgendlichen Lagebesprechung im UNIFIL-Hauptquartier teilnehmen. Zugleich nutzte der Militärbischof damit eine weitere Möglichkeit, um sich über die praktischen Seiten und die operative Umsetzung des UNIFIL-Mandats sachkundig zu machen. Der Truppenbesuch endete im sogenannten „Deutschen Haus“ auf dem Gelände des UNIFIL-Hauptquartiers. Bei dieser Gelegenheit verabschiedete Fregattenkapitän Lars Johst u. a. Militärdekan Dr. Dr. Michael Gmelch, der über die Feiertage ebenfalls im Camp Castle im Hafen von Limassol mit den dortigen Soldatinnen und Soldaten das Weihnachtsfest 2015 gefeiert hatte.

Abschluss des Besuchs

© KS / Doreen Bierdel
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Mit dem Dank des Militärbischofs an alle Soldatinnen und Soldaten, die für einen informativen, spannenden und reibungslosen Ablauf des gesamten Truppenbesuchs gesorgt hatten, machte sich Militärbischof Overbeck auf die Rückreise nach Deutschland.
Noch am Internationalen Flughafen in Beirut, kurz vor der Rückkehr nach Deutschland, gab Overbeck der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) ein Telefoninterview zum Ende seines Pastoral- und Truppenbesuchs. Auf die Frage „Was haben Sie denn als Militärbischof den Soldaten sagen können?“, erklärte Militärbischof Overbeck wörtlich: „Zuerst geht es mir natürlich um die klare seelsorgerliche Botschaft: Wir als Kirche stehen auf eurer Seite – egal, was kommen mag. Und dann habe ich auch über die veränderten Herausforderungen gesprochen, die durch die zunehmende Globalisierung entstehen. Denn heute gibt es kaum noch lokal begrenzte Aufgaben, weil fast alles in größeren Zusammenhängen stattfindet. Und hier leisten unsere Soldaten auch einen wichtigen Dienst im Sinn einer weltweiten Solidarität mit den Opfern von Krieg und Terror.“




Der Katholische Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr, Dr. Franz-Josef Overbeck, hat besorgt auf den Terroranschlag in Istanbul reagiert. Im domradio äußerte er seine Befürchtung, dass das "Pulverfass", das sich im Nahen Osten entwickelt habe, zu einem Flächenbrand werden könne.

Nachdem der Bischof gerade von einem Besuch bei UNIFIL zurückgekehrt ist, schildert er auch die Sorgen vieler Soldatinnen und Soldaten angesichts des zunehmenden Terrors. (bd)

Interview mit der KNA bei domradio.de