Sie sind hier: Kompass@ / Auf ein Wort / 2016

Auf ein Wort

In dieser Rubrik kommen regelmäßig Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger zu Wort. Sie äußern sich ganz persönlich zu Anlässen aus dem Kirchenjahr oder dem allgemeinen Jahreslauf und notieren Gedanken, die ihnen aktuell bei ihrer Arbeit als Militärpfarrer, Pastoralreferent oder -referentin gekommen sind.
In den Artikeln geben die Autorinnen und Autoren ihre Meinung über das jeweilige Thema wieder und regen zum eigenen Nachdenken an.

Klicken Sie bitte auf die Überschriften, um die vollständigen Beiträge zu lesen.

Warum feiern wir Advent? Autor: Militärpfarrer Stephan Frank, Katholisches Militärpfarramt Schwielowsee, aus: Kompass 12/2016

Landauf, landab im Dezember, und dieses Jahr auch Ende November, besuchen Menschen die Advents- und Weihnachtsmärkte. Egal, ob sie einer Kirche angehören, einer nicht christlichen Glaubensgemeinschaft oder konfessionell nicht gebunden sind. Ja, sich sogar als Atheisten bezeichnen. Adventsmärkte sind sehr beliebt. Auch uns kommen ja verschiedene Bilder in den Sinn: reich geschmückte, festlich beleuchtete Märkte. Der Duft von Bratäpfeln, frisch gebrannten Mandeln, Glühwein, Bratwürsten und Lebkuchen umschmeicheln die Nase. Wir sind gerne unterwegs und genießen bewusst diese Atmosphäre und Gemeinschaft.

weiter lesen

Novembergedanken Autor: Militärpfarrer Andreas Bronder, Katholisches Militärpfarramt Idar-Oberstein, aus: Kompass 11/2016

Mit dem November steigen wir ein in die dunkle Jahreshälfte. Der Herbst geht über in den Winter, draußen ist es oft feucht und kalt und neblig. Die Natur „stirbt“, die Blätter fallen, die Bäume werden kahl und dies alles erinnert uns an unsere eigene Vergänglichkeit.

Zu Beginn dieses Monats feiern wir zwei wichtige Feste: Allerheiligen und Allerseelen. Wir gehen auf den Friedhof, vielleicht sogar mit der Familie oder Freunden und erinnern uns an unsere Toten. Als Zeichen der Hoffnung zünden wir auf den Gräbern Lichter an. Wir sagen damit unseren lieben Toten: Ihr seid nicht vergessen, wir hoffen, dass euch mitten im Dunkel des Todes das Licht Gottes aufgegangen ist; wir hoffen, dass es uns selbst eines Tages auch so ergeht und dass wir uns wiedersehen.

Das alles ist nicht ganz leicht zu glauben. Auf der anderen Seite ist es aber auch schwer vorstellbar, dass es zum Schluss so total aus ist und alle Lichter ausgehen. Menschen aus allen Völkern und Kulturen haben sich dieser Frage gestellt: Wie sieht es aus mit dem DANACH, mit dem NACH dem Tod? Und sehr viele Menschen haben für sich eine Antwort gefunden: DA KOMMT NOCH WAS … Das sollte auch unsere Hoffnung und unser Glaube sein.

Wie aber komme ich zu einer Antwort für mich? Ich persönlich glaube, dass diese Antwort nur in einem Dialogprozess zu finden ist. Im Gespräch mit einem Menschen kann ich mit der Zeit feststellen: Der ist in Ordnung … und später sogar: Auf den kannst du dich verlassen … Und im Gespräch mit Gott, im Sprechen mit Ihm und im Hören auf Ihn, passiert das mit der Zeit auch. Im Gebet und im Blick auf mein Leben kann ich sehen und spüren: Der Gott, der mir heute schon beisteht, der mich trägt und hält, der mich segnet und es gut mit mir meint, dieser gute Gott wird mich morgen im Tod nicht fallen lassen. Ich vertraue Ihm im Heute, weil ich seine Nähe schon oft gespürt habe – warum sollte Er mir diese Nähe im Morgen entziehen? Das Zeugnis der Heiligen Schrift und von vielen Gläubigen aus allen Zeiten sagt mir: Du kannst diesem Gott trauen, Er ist dein Leben: heute und auf ewig.

So wünsche ich uns allen gute Erfahrungen, mit dem geheimnisvollen Gegenüber GOTT. Bleiben wir mit Ihm und miteinander eng im Kontakt. Und wenn wir meinen, gar keine Zeit zum Beten zu haben, dann denken wir am besten an Franz von Sales, von dem folgendes Wort überliefert ist: Normalerweise bete ich am Tag etwa eine Stunde lang. Wenn ich nun aber gar keine Zeit habe, dann bete ich zwei Stunden lang.

Ein Sufi-Mystiker fasste seine Erfahrung mit Gott in folgende Worte: Hinter jedem „Oh Gott“, das du sprichst, steht ein tausendfaches: „Da bin Ich.“

Gute Erfahrungen mit dem „Ich bin für euch da“, wünscht,

Militärpfarrer Andreas Bronder,
Katholisches Militärpfarramt Idar-Oberstein

Antoine Leiris: Ein Mann, der die Mörder seiner Frau nicht hassen will Autor: Militärpfarrer Martin Klein, Katholisches Militärpfarramt Veitshöchheim, aus: Kompass 09/2016

„Die Behörden rufen dazu auf, gegenüber der Terrorgefahr wachsam zu sein …“ Dieser Sicherheitshinweis ist allgegenwärtig und die terroristische Bedrohung überall Tagesgespräch …

Mitten in diese aufgewühlte und zerrissene Welt hinein erscheint das Buch: „Meinen Hass bekommt ihr nicht“

 „Freitagabend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Kindes, aber meinen Hass bekommt ihr nicht.“ Antoine Leiris, ein junger Radiojournalist aus Frankreich, wendet sich über Facebook in einem offenen Brief an die Terroristen des sogenannten „Islamischen Staats“, die seine Frau bei einem Konzert erschossen haben. Es ist die schreckliche Terrornacht vom 13. November 2015 in Paris.

Im Buch spricht er in bewegenden Worten über seine Gefühle und Erlebnisse. Vom Zeitpunkt der Terrornacht, der Gewissheit des Todes seiner Frau Helene bis zu ihrer Beerdigung. Er spricht von seiner einzigartigen Liebe zu ihr. Er schreibt von seinem Sohn Melvil und darüber, warum er diese Menschen nicht hassen will. Er spricht sich gegen den Hass aus und appelliert an Liebe und Freiheit.

Mit diesem Buch nimmt mich Antoine mit in seine Gefühlswelt, sein positives Denken und er zeigt mir Wege, aus der Hassspirale auszusteigen. Er spricht über seinen Kummer, der für ihn auch sehr wertvoll ist. „Wenn du jemanden verlierst, dann ist der Kummer etwas sehr Kostbares. Er ist das letzte materielle Zeugnis für die Person, die gegangen ist. Der Kummer zerreißt dich, so wie du vorher die Liebe für diese Person gespürt und gefühlt hast.“

Leiris kann die Mörder seiner Frau hassen, aber er will es nicht! Verdrängt er das Geschehene? Will er in der Wirklichkeit seines Alltags nicht ankommen?

Im Gegenteil: In Interviews betont er immer wieder, dass er nichts verzeihe, nichts vergesse, über nichts hinweggehe. Was in jener Nacht passiert ist, wird immer seine Geschichte bleiben, die er bewältigen muss.

Der Witwer und Vater geht seinen ganz eigenen Antiterrorweg, der nicht vorgegeben wird von Hass und Vergeltung und lädt Menschen ein, diesen Weg mitzugehen. Angesprochen auf seine Motivation, stellt er fest: „Es ist ganz einfach: Du sitzt jetzt da mit deinem kleinen Sohn, den du aufziehen musst. Nur ich bin verantwortlich für seine Erziehung und seine Bildung. Soll ich ihn nun aufziehen in Angst und Zorn? Was für ein Mensch wird er dann wohl sein? Nein, ich werde mit der Vernunft Widerstand leisten, die ihn zu einem freien, kritischen und hoffentlich auch glücklichen Menschen machen wird.“

Hier ist also der Schlüssel zum Verständnis seines Handelns: Vernunft! Leiris weiß, dass es ziemlich einfach ist, all den Hass, den Kummer und sein Leid auf die Mörder seiner Frau zu übertragen. Sie sind „tote Seelen“ für ihn. Ist Antoine Leiris nun ein Held? Hat er übermenschliche Fähigkeiten?

Ich mache Leiris Geschichte, seinen Brief und sein Buch oft zum Gegenstand von Diskussionen und stelle dabei fest, dass junge Menschen seine Reaktion nicht ganz verstehen. „Zu abgeklärt“ wäre sein Verhalten. Schockiert vom Anschlag in Nizza am 14. Juli 2016 schrieb mir eine junge Mutter über WhatsApp: „Wie schwer fällt es mir an einem Tag wie heute zu sagen: Meinen Hass bekommt ihr nicht. Meine Trauer und meine Angst haben sie schon …“ Antoine will weder ein Held sein noch falsch verstanden werden. Er weiß sehr wohl, dass man Terroristen nicht mit Blumen in den Händen besiegen kann. Die Seelen der von Terror betroffenen Menschen will er ansprechen, er will sie berühren und einen Weg aus Hass und Wut aufzeigen. Sonst hätten diese „Typen“ gewonnen.

Weitere Anschläge werden folgen mit unschuldig Verletzten und Getöteten. Kerzen werden angezündet, Blumen abgelegt, Gebete gesprochen … Wir kennen mittlerweile die Rituale. Leiris weiß, dass Kerzen nichts ausrichten können gegen einen rasenden LKW und tickende Bomben. Aber er weiß auch um die hintergründige, tiefere Bedeutung einer solchen brennenden Kerze. Nach dem Anschlag von Nizza hat auch er eine Kerze angezündet und auf sein Fensterbrett gestellt.

Militärpfarrer Martin Klein,
Katholisches Militärpfarramt Veitshöchheim

Familie ist … Autor: Militärpfarrer Frank Schneider, Katholisches Militärpfarramt Walldürn , aus: Kompass 07-08/2016

Mit dieser Überschrift widmet sich die Rubrik „Auf ein Wort“ dem Titelthema. Sie ist bewusst offen gehalten, um zu verdeutlichen, dass die Frage nach Ehe und Familie viele mögliche Antworten bietet. Es kann nicht einfach eine Antwort in den Raum gestellt werden, die nicht Bezug nähme auf das, was an Überzeugungen zu den Fragen rund um Ehe und Familie und an Lebenswirklichkeiten da ist. Zudem ist bei diesem Thema jeder unmittelbar mit seinen beglückenden und verletzenden Erfahrungen angesprochen und reagiert entsprechend auf diesbezügliche Äußerungen.

Auch wenn in einem Kurzbeitrag nicht einmal im Ansatz allen Facetten des Familienlebens, den (wissenschaftlichen) Erkenntnissen, (eigenen) Erfahrungen und Meinungen dazu Rechnung getragen werden kann, so sei trotzdem der Versuch gewagt, die Bandbreite einer Einordnung und den Stellenwert von Familie aufzuzeigen und gleichzeitig Position zu beziehen, etwa zu sagen: „Familie ist schön!“ Das ist ein erster, grundsätzlicher gedanklicher Anlauf, der sagen will: An Familie zu denken, heißt in erster Linie, sich darüber freuen, sich freuen über die Erfüllung und die Möglichkeiten, die Familie schenkt, darüber hinaus in die Gesellschaft hinein, die von der Familie her lebt und existiert.

Ein weiterer gedanklicher Anlauf muss freilich ein differenzierender sein, der genauer ausdrückt: Ja, was ist denn Familie eigentlich? Dazu will ich drei grundsätzliche Positionen wenigstens nennen, um das Panorama anzudeuten, in dem sich Familie in ihrem Erscheinungsbild widerspiegelt. Da spannt sich ein Bogen von der Formulierung: „Familie ist, was wir daraus machen“, über: „Familie ist dort, wo Kinder sind“, bis hin zu der Überzeugung: „Die Familie ist ein Werk Gottes“, eine auf einer lebenslangen Ehe basierende Gemeinschaft von Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen.

Dass dieser Bogen ein gewaltiges Spannungspotenzial enthält, geht allein schon aus den schlagwortartigen Formulierungen hervor: Die Spannung bildet sich zwischen der Vorstellung, dass sich jeder sein privates Lebensgefüge nach eigenen Vorstellungen mit denen aufbaut, mit denen er darüber Einvernehmen erzielt und es dann „Familie“ nennt – und der Gewissheit, dass Familie Ausdruck des Planes eines anderen, Vorgabe des Schöpfergottes, ist, dem wir „einfach“ folgen. Seiner Liebe wird in der konkreten Gemeinschaft von Mann, Frau und Kindern ein menschlicher Raum gegeben als die Keimzelle, aus der alles zusammenwächst und über die alles zusammenhält. Die Kirche favorisiert diese Gemeinschaft, weil sie diese von ihrem Herrn und Auftraggeber Jesus Christus empfangen hat, weil sie naturgemäß dem Menschen als Mann und Frau sowie ihrer Sehnsucht nach Liebe und Treue entspricht. Junge Männer und Frauen sollen und brauchen daher keine Angst haben, diesen Weg zu gehen. Sie gehen ihn ja bei gelebtem Gottvertrauen nicht allein!

Ein Letztes: In diesem Spannungsgefüge sind vor allem die Kinder nicht zu vergessen. Gerade ein Christ, der an die Menschwerdung Gottes glaubt, ist gehalten, bei allem die kindliche Perspektive einzunehmen. Und wo mit Kindern argumentiert wird, ist besonders darauf Acht zu geben, wann die Perspektive des Kindes verlassen und somit das Wohl des Kindes vernachlässigt wird. Mit anderen Worten: wann es bei der Argumentation nicht mehr um das Kind und seine Interessen geht, sondern um die Interessen derer, die über Kinder und Familie sprechen; Kinder werden so in Wahrheit benutzt und vorgeschoben für die Durchsetzung eigener Wünsche. Achten Sie einmal darauf, wie oft mit Kindern argumentiert wird, aber die Kinder selbst nicht gefragt werden …

Militärpfarrer Frank Schneider,
Katholisches Militärpfarramt Walldürn

Was wirklich zählt … Autor: Militärpfarrer Dr. Marco Schrage, Katholisches Militärpfarramt Appen, aus: Kompass 06/2016

Langsam, aber sicher nähern wir uns den Sommermonaten, in die für die meisten von uns auch eine längere Zeit des Urlaubs fällt. Solche Urlaubszeiten im Jahr gelten nicht selten als die nötige Unterbrechung, um auf Dauer effektiv arbeiten und eine hohe Leistung erbringen zu können – dasselbe gilt entsprechend für freie Tage im Wochenverlauf oder freie Stunden an einem Arbeitstag.

Auch wenn diese Auffassung an sich nicht falsch ist, halte ich sie für zu kurz gegriffen. Ich glaube vielmehr, dass eine entscheidende Weichenstellung zwischen einer ‚raubbauenden und ausbrennenden‘ sowie einer ‚regenerativen und kräftigenden‘ Lebensweise auf einer grundsätzlicheren Ebene vorzunehmen ist: Denn es geht darum, wie wir die Dinge sowohl in unserer Arbeitszeit als auch in unserer Freizeit wahrnehmen und angehen. In diesem Sinne möchte ich Ihnen einen knappen Denkanstoß geben, mit Beispielen zu alltäglichen Kleinigkeiten wie zu bedeutenderen Punkten:

• Es geht nicht darum, mit möglichst viel in Berührung kommen zu wollen: Wer im Browser zehn Tabs gleichzeitig geöffnet hat und ständig von einem zum anderen springt, weiß, wenn er den Computer ausschaltet, zumeist nicht mehr, was er da im Einzelnen gelesen hat. Wer an einem Tag auf Dutzende von Gesprächen zielt, wird sich auf keines vertieft einlassen. Wer sich „Das Mittelmeer in zwei Wochen“ vornimmt und durch etliche Länder und Städte rauscht, wird von neuen Eindrücken überwältigt und kann sie nicht mehr einordnen. Wer zweihundert Personen als gute Freunde ansieht, wird sich den Einzelnen wenig zuwenden und im Gegenzug für diese auch nur punktuell Bedeutung haben.

• Es geht hingegen darum, sich auf bewusst Ausgewähltes aufmerksam einzulassen: Wer einen ausführlichen Netzbeitrag heraussucht und ihn mit Interesse liest, wird zu diesem eine Meinung behalten. Wer sich an einem Tag auf zwei, drei intensive Gespräche beschränkt, kann in verblüffende Tiefen vordringen. Wer sich zwei Wochen für die Highlights der Stadt Rom nimmt, wird eine horizonterweiternde Einführung in Stadtkultur erleben. Wer einige wenige Freundschaften pflegt, wird darin das Würdigen einer beachtlichen Bandbreite an Facetten menschlichen Lebens finden.

Was bewirkt die in den erstgenannten Fällen gelebte Haltung? Unaufhaltsame Hetze und die Angst, irgendetwas auszulassen. Was verbleibt im Anschluss? Nichts.

Was bewirkt die in den zweitgenannten Fällen gelebte Haltung? Einzelnes achtsam kennenlernen und sich aneignen zu können. Was verbleibt im Anschluss? Zahlreiche – gleich ob positive oder negative – anhaltende Erfahrungen.

Ich bin davon überzeugt, dass schon auf dieser fundamentalen Ebene eine entscheidende Weichenstellung zwischen einer ausbrennenden und in die Leere mündenden sowie einer kräftigenden und zur Zufriedenheit führenden Lebensweise erfolgt. In – geringfügig abgewandelten – Worten des Hl. Ignatius von Loyola: „Nicht das Viele sättigt und befriedigt die Seele, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her.“

Militärpfarrer  Dr. Marco Schrage,
Katholisches Militärpfarramt Appen

Reise aus Raum und Zeit Autor: Militärpfarrer Thomas Frey, Katholisches Militärpfarramt Müllheim/Baden, aus: Kompass 05/2016

Christi Himmelfahrt, das ist … „der Gedenktag der deutschen Luft- und Raumfahrt!“, so sagte es einst ein Berater Breschnews zu dem früheren Staatschef der Sowjetunion. „… wie das Beamen von Mr. Spock und Captain Kirk vom Raumschiff Enterprise auf einen fremden Planeten!“ So erklärte es einer meiner Schüler einmal im Religionsunterricht …

… für viele heute eher der „Vatertag“, ein freier Tag, Wandertag und große Sause im Grünen, mehr nicht.

– … auch viele gläubige Christinnen und Christen tun sich schwer mit der auf vielen mittelalterlichen Gemälden eindrücklich dargestellten „Himmelfahrt“ Jesu.

Alte „Bilder“ –

Fußabdrücke am Boden, auf oder in einer Wolke schwebend, hängend zwischen oben und unten, Himmel und Erde, umringt von staunend nach oben starrenden Freunden, halb noch hier, halb schon weg. Das einzige, was der Gottessohn dabei mitnimmt, ist sein von den Wunden der Kreuzigung gezeichneter Leib. Sonst nichts.

Vom künstlerischen Wert der so gearteten Darstellungen abgesehen, tut sich der moderne, geistesgeschichtlich aufgeklärte und von Natur aus skeptische Mensch der Postmoderne schwer mit solchen biblischen Bildern, die einer Zeit entstammen, als die Erde noch eine Scheibe zu sein schien und der Himmel sich oben als Kuppel über die Menschheit wölbte.

Nach dieser Vorstellung – Hölle unter der Erdscheibe, Himmel über der Himmelskuppel – hätte Jesus bei seiner Himmelfahrt lediglich die irdische „Käseglocke“ verlassen, quasi durchbrochen. So gab es in manchen Kirchen früher im Gewölbe eine Öffnung, durch die eine Jesusfigur vor den Augen der staunenden Gläubigen in die Höhe gezogen wurde …

– neues Denken

Luft- und Raumfahrt, unendliche Weiten des Weltalls, so falsch liegen der Berater Breschnews und mein Schüler ja gar nicht! Die Luft- und Raumfahrt zeigte uns tatsächlich die Schönheit und Unendlichkeit des Universums, mittendrin die winzige Erde – oder doch eher am Rande?

Die Wissenschaft spricht von den zwei Dimensionen, in denen wir Menschen uns bewegen müssen, an die wir mit unserem Leib geradezu gefesselt sind: Raum und Zeit! Zu einer bestimmten Zeit kann ich immer nur in einem bestimmten Raum sein, selbst wenn ich gebeamt würde.

Und nicht nur bei der Besatzung der Enterprise, sondern auch bei weltberühmten Physikern wird über die Existenz einer dritten oder gar vierten Dimension nachgedacht, nicht irgendwo in einer Ecke des Universums, nicht verloren auf fernen Planeten, sondern hier, mitten unter uns!

Eine ältere Dame hat deshalb in einem ökumenischen Gesprächskreis so treffend formuliert: „Christi Himmelfahrt, das ist Jesu Reise aus Raum und Zeit …“ Hinein in die anderen Dimensionen, die die Bibel „Himmel“ nennt, wo Gott in Ewigkeit ist, wo wir unsere lieben Verstorbenen vermuten, befreit vom zweidimensionalen menschlichen Leib. Nicht irgendwo in den Weiten des Universums verloren, sondern mitten unter uns – hier, ganz nahe!

So feiern wir Christen an Christi Himmelfahrt eigentlich nichts anderes als die Allgegenwart Jesu: „Himmel“ ist, wo Gott ist, und Gott ist überall. (vgl. Theresia von Avila)
Wenn also der auferstandene Christus in den Himmel „aufgefahren“ ist, so ist er nach rechts und nach links, nach oben und nach unten, in die fernste Vergangenheit und in die noch fernere Zukunft gefahren (vgl. B. Langenstein).

Während seines Erdenlebens konnte Jesus nur einigen wenigen auserwählten Menschen wirklich nahe sein. Seit seiner Himmelfahrt ist er allen Menschen aller Zeiten an allen Orten gleich nahe!

Militärpfarrer Thomas Frey,
Katholisches Militärpfarramt Müllheim/Baden

Verlorener, braver oder veränderter Sohn? Autor: Militärpfarrer Thomas Funke, Katholisches Militärpfarramt Munster, aus: Kompass 04/2016

Die „Erzählung vom barmherzigen Vater“ gehört zum Sonntag der Barmherzigkeit, den wir seit einigen Jahren am Sonntag nach Ostern begehen und zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit wie die Erzählung von Jesu Geburt zu Weihnachten. Ich glaube, jeder der mal am Religionsunterricht teilgenommen hat, hat sie schon einmal gehört. Vielen von uns begegnet diese Erzählung immer wieder und sie hält viele Facetten bereit: Die unterschiedlichen Namen des Gleichnisses machen es schon deutlich, mal ist vom barmherzigen Vater die Rede, mal vom verlorenen Sohn. Als kleines Kind war ich „hochzufrieden“, dass diese Geschichte mit Vater und Sohn am Ende doch gut ausging. Eine Zeitlang habe ich mich eher mit dem Sohn identifiziert, der zu Hause geblieben war. Er hatte alles getan, was der Vater von ihm erwartete, hatte den unspektakulären Weg gewählt, obwohl er vielleicht auch mal gerne etwas anderes gesehen und gemacht hätte. Und der Lohn für sein „Brav-Sein“? Kein Kalb, kein Fest für seine Freunde, sondern nur das Wort des Vaters, dass alles was dem Vater gehöre, auch ihm gehöre. Manchmal kommt es mir bis heute „nur als schwacher Trost“ vor, obwohl es ja kein größeres Geschenk geben kann, als wenn der Vater sagt, dass alles, was ihm gehört, auch dem Sohn gehört – dass der Sohn dazu gehört.

Im Zuge des Erwachsenwerdens bemerkt man, dass es im Leben nicht nur Weiß und Schwarz gibt, sondern viele Grautöne und dass manchmal die gute und herausragende Idee, die man gehabt hat und deren Durchführung ein unbedingtes Muss war, sich als großer Fehler entpuppt. So wachsen die Sympathien mit dem „verlorenen Sohn“. Er hatte etwas riskiert und seine eigenen Ideen umgesetzt. Auch wenn es nicht geklappt hat, wird er nie sagen müssen: „Ich hatte lebenslang einen Traum, den ich mich nicht zu leben traute.“

Liebe Leser, ich möchte Sie einladen, einmal darauf zu schauen, wie der Prozess der Rückkehr das Leben des Sohnes nachhaltig veränderte. Vielleicht haben Sie auch vor einigen Wochen in den Nachrichten gehört, wie der Patriarch der katholischen Chaldäer in Syrien die Christen in Europa aufrief für Syrien zu fasten, zu beten und barmherzig zu sein. Ehrlich gesagt, habe ich mich gefragt, was so ein sinnloser Aufruf bewirken soll? Wäre es nicht effektiver, wenn er nach Europa käme und erzählte, wie schrecklich alles in seiner Heimat ist, wie er und seine Gläubigen verfolgt werden? Vielleicht sollte er Videos ins Internet stellen, um der ganzen Welt zu zeigen, wie christliche Kirchen zerstört werden und die Christen im alltäglichen Leben Angst haben müssen. Was sollen schon Fasten, Beten und Barmherzigkeit verändern? Was glauben Sie?

Seitdem der verlorene Sohn seinen Vater gebeten hat, ihn wieder in den Haushalt aufzunehmen, bittet er anderes und schaut anders auf Menschen, die ihn um etwas bitten. Seitdem er so gehungert hat, dass er gerne den Schweinen das Futter weggegessen hätte, schaut er anders auf hungernde Menschen. Seitdem sein Vater barmherzig gewesen ist, kann er da anders sein als auch barmherzig?

Merken Sie etwas? Ich glaube, wenn wir selber fasten, selber zu Gott beten, ihn um etwas bitten und selber barmherzig sind, dann verfügen wir über dieses Potenzial des verlorenen Sohnes. All das ist natürlich keine konkrete Lösung für den Syrien-Konflikt, aber es setzt in uns eine Kraft des Herzens frei. Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ist also nicht einfach eine Zeit des sich Einschränkens und Nett-Seins, es ist eine Zeit, die Potenziale freisetzt: bittende Menschen zu verstehen, hungernden Menschen zu helfen und an der Seite der Barmherzigen zu stehen. So wünsche ich Ihnen, dass in dieser Osterzeit und im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit Ihr Potenzial des verlorenen Sohnes sich voll entfalten kann!

Militärpfarrer Thomas Funke,
Katholisches Militärpfarramt Munster

Fastenzeitliche Kompetenz Autor: Militärdekan Heinrich Peter Treier, Katholisches Militärpfarramt Bonn, aus: Kompass 03/2016

Alternativlosigkeiten, Autonomie der Märke, Fetischismen aus Gelddiktaten, Regularien und Technikvorgaben – manche vermeintlichen Wegweisungen sind von einem seltsamen Vertrauen in die Selbststeuerungskräfte informationseffizienter und prozessoptimierter Systeme vergiftet: Rechenoperationen nehmen uns das Denken, Fühlen und die Zugehörigkeiten ab. Unsere Facebooks geben vor, was wir angeblich möchten. „This object cannot be liked!“ Zu- und Abneigungen, die grundlegend sind für menschliche Identität, erscheinen berechenbar. In Partnerschaftsbörsen werden über das „Matching“ von Parametern biographische Prozesse angestoßen. In den Echo-Kammern dieser eigentlich transzendenzlos konzipierten Welt kommen wir nur noch in Kontakt mit Menschen, die alles ähnlich sehen wie wir, weil sie uns angeglichen sind. Auch zu Gott haben wir so ein „gematchtes“ Verhältnis, d. h. wir machen uns unseren Gott, wie wir selbst sind und werden uns damit selbst zum Götzen.

Die Alltagsvernunft weiß durchaus, dass „Passung“ (Match) nichts mit Gleichschaltung, Austauschbarkeit oder Aufkündigung unserer je einzigartigen Endlichkeit zu tun hat. „Was nicht passt, wird passend gemacht!“ Dieser handfeste Spruch geht aus von der Realitätsanerkenntnis in begrenzte Möglichkeiten, unpassende Lebensressourcen und unpässliche Lebenspartner sowie das Ringen mit diesen limitierenden Begebenheiten. Und genau um die Anerkenntnis von Kontingenz (um die Würde der Endlichkeit und Begrenztheit) geht es in der Fastenzeit. Und eine so aufgefasste Fastenzeit taugt dann als Therapie gegen die beschriebene Symptomatik eines: „Wir müssen das alternativlos schaffen oder es schafft uns.“ Fastenzeit ist Zeit mäßigender Einsicht in unsere realistisch beschränkte Kompetenz zur Handlung und zur Vermeidung einer gefährlichen Verabsolutierung von Gegenwart.

Fastenzeit erkennt, dass ich durch mein Handeln weder die Schöpfung revidieren noch beglaubigen kann. Menschliche Handlungen müssen sich immer im Diesseits rechtfertigen. Der Verweis auf das Jenseits zur Rechtfertigung von Handlungen sucht den Himmel zu vereinnahmen und gebiert etwas Maßloses. Wir sind fastenzeitlich aufgerufen, uns aus Unpässlichkeiten keinen passenden Gott zu machen, der umstandslos zu dem passt, was wir setzen wollen.

Ich bin letztens gefragt worden: „(Wie) Kann ein Soldat barmherzig sein?“ Barmherzigkeit keimt dann auf, wenn der Soldat darum weiß, dass er das Heil, den Frieden nicht selbst machen muss. In der Selbstbeschränkung und Kontingenzanerkennung liegt sein Barmherzigkeits-Spielraum. Im Verzicht auf Opfer liegt vielleicht sogar Tapferkeit. Wer es allein selbst machen will, wirkt erbärmlich. Und ja! Gott fastet. Gott verzichtet auf Opfer und er will keine Kollateralschäden des Glaubens an ihn. Da kann nicht nur der christliche Gott ganz enthaltsam sein.

Der fastenzeitliche Mensch erkennt, dass er in einer globalen Welt gerade als der je Andere nicht einem „Fitting“ und schon gar keinem „Survival of the Fittest“ unterliegt, sondern zu- und füreinander komplementär ausgestattet und berufen ist. Fastenzeitliche Anerkenntnis der Begrenzung und Endlichkeit führt zu solidarischer Kompetenz, d. h. sie gewinnt den Gedanken wechselseitiger Ergänzung, des Austauschs, des überschneidenden Interesses, der grundlegenden existenziellen Verbundenheit – eben das, was man Humanität und in ihrer tugendhaften Umsetzung Barmherzigkeit nennt.

Somit ist klar: Gedanken zur Fastenzeit kommen ohne Selbstvergewisserung unserer Kontingenz nicht aus. Diese fastenzeitliche Sicht lässt Gott die Unendlichkeit, aber belässt ihn nicht da, sondern nimmt zur Kenntnis, dass er sich als menschgewordener Gott mitten in der Immanenz des Menschen einbindet („to fasten“). Gottes Menschwerdung ist das fastenzeitliche Ausgangsbekenntnis, verbunden mit der erleichternden Aussage: Der Mensch muss nicht Gott werden, um sich zu qualifizieren oder gar zu retten. Der Mensch in seiner je endlichen Verfasstheit hat einen echten Sitz im diesseitigen Leben und nicht nur einen Fluchtpunkt jenseits der Bedingung seiner Endlichkeit. Und der österliche Gottmensch, dem wir in der Fastenzeit zugänglich werden dürfen, realisiert es für uns: Die Trans-zendenz ist ohne das Ergreifen der Immanenz nicht zu gewinnen.

Ich bin dann mal weg! Autor: Militärdekan Romanus Kohl, Katholisches Militärpfarramt Erfurt, aus: Kompass 02/2016

So heißt das Buch des bekannten Entertainers Hape Kerkeling aus dem Jahr 2006, in dem er seinen Pilgerweg von Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich nach Santiago de Compostela beschreibt. Am Heiligen Abend 2015 startete die Verfilmung in den deutschen Kinos. Nachdem Hans-Peter Kerkeling sein Buch „Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg“ veröffentlicht hatte, gab es den sogenannten „Kerkeling-Effekt“ auf dem Camino Francés in Spanien. Die Zahlen deutscher Pilger auf dem Jakobsweg stiegen 2007 nach der Veröffentlichung um über 70 Prozent an. Ich selbst pilgerte im Jahr 2015 ca. 800 km des Jakobswegs zu Fuß.

weiter lesen

Der Friede Autor: Dipl.-Theol. Heinrich Dierkes, aus: Kompass 1/2016

Das Jahr 2016 hat genauso friedlos begonnen, wie das Jahr 2015 zu Ende ging. Bei den Nachrichten am Heiligen Abend konnte wieder jeder bemerken: Das „Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Frieden bei den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,14) des EngelHEERES (!) hört sich in unseren Tagen eher nach Hohn denn nach einer Verheißung an. Nein, von „Frieden auf der Erde“ kann nun wirklich keine Rede sein – trotz der vielen nationalen und internationalen Bemühungen, trotz des Einsatzes auf unterschiedlichen Ebenen.

In unsere friedlose und katastrophengewohnte Welt platzt dann auch Anfang 2016 wieder die jährliche Botschaft des Papstes zum „Welttag des Friedens“ herausfordernd, fast provozierend hinein: „Überwinde die Gleichgültigkeit und erringe den Frieden.“ Das klingt schon ein wenig naiv: Wenn du dich deinem Nächsten mehr zuwendest, dich für das Schicksal der Menschen in der weiten Welt interessierst, so bekommst du sofort: „Frieden“! Fast automatisch! Eigentlich ...

Natürlich ist Papst Franziskus, von dem das Leitwort zum diesjährigen Weltfriedenstag stammt, nicht so blauäugig. Er führt sehr realistisch aus: „Kriege und terroristische Aktionen mit ihren tragischen Folgen, Entführungen, ethnisch und religiös motivierte Verfolgungen und Machtmissbrauch haben das vergangene Jahr … charakterisiert und sich in zahlreichen Regionen der Welt so vervielfältigt, dass sie die Züge dessen angenommen haben, was man einen ‚dritten Weltkrieg in Abschnitten‘ nennen könnte.“ Sehr klar malt der Papst hier das Bild unserer Zeit. Und wie schnell wäre man dann auch angesichts dieser Schilderung und der auch in Europa spürbaren „Globalisierung des Leids“ (so befinden sich derzeit etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht) dabei, sich wirklich nur auf sich selbst und sein eigenes Schicksal zu konzentrieren: Ich kann daran ohnehin nichts ändern. All das scheint so riesig und fast monströs, das der Rückzug ins Private sich als einzig gangbarer Weg aufdrängt: Die anderen sind mir gleichgültig! Und genau in diesen Abgrund der Resignation ist das Wort des Papstes hineingesprochen.

Mir begegnet das bei Gesprächen mit Soldatinnen und Soldaten häufig, wenn vom Verschwinden der Kameradschaft die Rede ist: „Keiner interessiert sich mehr für den anderen; jeder achtet nur auf sein eigenes Fortkommen, seine eigene Karriere. Gleichgültigkeit hat sich breit gemacht.“ Und da entstehen dann auch schnell Reibereien, Auseinandersetzungen um Kleinigkeiten – Unfriede eben. Auch so im Kleinen. Man lässt sich dann nicht mehr von den Problemen und Fragen der anderen berühren. Solche Menschen leben letztlich nur vor sich hin und sind zufrieden, wenn sie Tag für Tag ihr persönliches Leben so gestalten und verwalten können, wie sie es für sich als besonders hilfreich erleben. Soldaten werden einander eher unwichtig, die Schicksalsgemeinschaft „Bundeswehr“ individualisiert sich.

Und natürlich gibt es eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber Gott und seiner Wirklichkeit, gegenüber Jesus Christus und seinen lebenspendenden Geboten. Auch das bekommen Mitarbeiter der Militärseelsorge häufig zu spüren. Auch diese Entwicklung scheint einer guten Gemeinschaft nicht besonders zuträglich zu sein: Solidarität nimmt ab, Barmherzigkeit verflüchtigt sich.

Das Christentum aber nimmt genau das in den Blick: „Liebe“, „Mitgefühl“ und „Barmherzigkeit“ ermöglichen erst ein lebenswertes Zusammensein und zeigen, dass immer das Schicksal der Gemeinschaft von Bedeutung ist. Das aber speist sich aus der Solidarität aller dem Einzelnen gegenüber. Es gibt nicht „den Fernsten“ – sondern es geht immer um „den Nächsten“. Ich stumpfe nicht ab gegenüber dem Schicksal des anderen, sondern wende mich ihm und seinem Leben ganz bewusst zu. Ich fühle mich ihm nahe – er ist mir eben nicht gleichgültig. Und wenn ich den Nächsten dann auch noch an mich heranlasse, mich selbst ihm öffne, vielleicht gewinnen wir dann doch noch – fast automatisch – den Frieden.

Hoffentlich haben auch am Heiligen Abend 2015 ganz viele Menschen überall auf der Welt die Sehnsuchtsbotschaft der Engel vom „Frieden auf Erden“ vernommen und sich in der Silvesternacht – oder danach – die Botschaft vom Weltfriedenstag 2016 zu eigen gemacht: „Überwinde die Gleichgültigkeit und erringe den Frieden.“ Wäre das ein Segen für dieses noch so junge neue Jahr ...

Dipl.-Theol. Heinrich Dierkes, Wissenschaftlicher Referent am Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften (zebis, Hamburg)