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Mach‘s wie Gott, werde Mensch!

Das Thema „Flüchtlinge“ beschäftigt seit Wochen unsere Medien. Aber wenn wir denken, dies sei neu – dann irren wir uns. Die besondere Geschichte des Volkes Israel mit seinem Gott Jahwe beginnt mit der Flucht aus Ägypten. Und auch der Heiligen Familie war ein Flüchtlingsschicksal beschert. Wenn Sie sich erinnern: Nachdem die Sterndeuter aus dem Osten wieder abgereist waren, erschien Josef im Traum ein Engel, der ihm befahl, zusammen mit Maria und Jesus nach Ägypten zu fliehen, da König Herodes das Kind töten wollte. Aber einige Zeit später – nach dem Tod des Königs – konnte die Familie wieder zurückkehren.

(Quelle:) Wörther Tafel / Bernd Müller
(Quelle:) Wörther Tafel / Bernd Müller

Da kann einem ja die Frage einfallen, die man hie und da hört: „Wann werden denn die Flüchtlinge wieder unser Land verlassen? Es sind doch schon so viele!“ Eine Antwort auf diese Frage hat eine von Caritas international durchgeführte Befragung unter Migrationswilligen in Westafrika gegeben: Es wollen fast 90 % der mehrheitlich jungen Männer wieder in ihre Heimat zurückkehren. Die meisten wollen in Deutschland nur eine Zeit lang Geld verdienen, sich fortbilden und dann wieder in ihre Heimat reisen. Insgesamt sind nach Aussagen von Caritas international fast 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht – so viele wie nie zuvor. Viele drängen in die Nachbarländer, so dass die Hauptlast von Vertreibung und Flucht die armen und ärmsten Länder dieser Erde tragen. Fast 86 % der Flüchtenden finden Zuflucht in einem Entwicklungsland.

Diese erschreckenden Zahlen hatte auch unser Pfarrgemeinderat vor Augen, als im Januar dieses Jahres wieder einmal die Planungen für die traditionelle Fußwallfahrt von Germersheim nach Herxheim anstanden. Schnell war klar, dass die Wörther Tafel und ihre Arbeit mit Flüchtlingen in der Südpfalz in den Mittelpunkt dieser Wallfahrt gestellt werden sollten. Denn zu einem spirituellen Impuls war in den letzten Jahren immer wieder auch ein caritativer Aspekt hinzugefügt worden.

Am 30. September machten wir uns mit Mitgliedern der Tafel und Asylsuchenden aus Eritrea auf den Weg. So hatten wir alle die Gelegenheit, uns mit den Begleitern aus Afrika über ihre Flucht und die gemachten Erfahrungen auszutauschen. Es waren bedrückende Schilderungen, die uns dazu führten, nach den Gründen der Flucht zu fragen: Zwangsarbeit, unbefristeter Militärdienst und ungesetzliche Inhaftierungen prägen zurzeit die Situation der Menschen in Eritrea. Verantwortlich hierfür ist der Diktator Isayas Afewerki. Nachdem auch das Militär gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt wird, mussten die Uniformträger der Bundeswehr erst einmal für Offenheit werben. Aber einer von den Männern aus Eritrea sagte mir ganz ruhig und freundlich: „No problem – your army is a democratic army!“

Nach einem gemeinsamen Gottesdienst konnten wir uns gegenseitig für diesen intensiven und erfreulichen Austausch bedanken: Bei den Asylsuchenden für die bewegenden Schilderungen und sie bei uns für die Begleitung über den Tag hinweg und eine kleine Geldspende. Sich an Jesus zu orientieren in unserem Leben – gerade auf dem Weg Richtung Weihnachten –, hat uns schon Ende September bewegt, und uns deutlich gemacht, dass wir durch den Einsatz für Arme, Schwache, Bedrängte und Flüchtende ganz nah an dem sind, was Altbischof Franz Kamphaus von Limburg einmal in Hinblick auf Weihnachten ausgedrückt hat: „Mach‘s wie Gott, werde Mensch!“

Pastoralreferent Matthias Orth
Katholisches Militärpfarramt Bruchsal