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Pastoral- und Truppenbesuch in der Freien und Hansestadt Hamburg

Militärbischof Overbeck spricht vor zukünftigen Generalstabsoffizieren an der Führungsakademie der Bundeswehr über „fortschreitende Technik und den Frieden“. 

Katholische Hochschulgemeinde

Messe in der Kapelle des Maximilian-Kolbe-Hauses (© KS / Josef König)
Messe in der Kapelle des Maximilian-Kolbe-Hauses (© KS / Josef König)

Mit einem Gottesdienst in der Hauskapelle der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU), den Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck zusammen mit dem Leitenden Militärdekan Kiel, Monsignore Rainer Schadt, und dem Leiter des Katholischen Militärpfarramts Hamburg I, Militärpfarrer Pater Dr. Peter Henrich OP, studierenden Offizieren sowie Freunden und Förderern der KHG feierte, begann Ende Oktober der Pastoral- und Truppenbesuch in Hamburg. Dafür waren insgesamt fünf Einrichtungen vorgesehen, die Militärbischof Overbeck erstmals in seiner Amtszeit besuchte. Zuvor hatte er bereits das ebenfalls in Hamburg ansässige Institut für Theologie und Frieden (IThF) besucht, dem das Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften (zebis) zugeordnet ist. Nun war jedoch Gelegenheit, bedeutsame Einrichtungen der Bundeswehr im nördlichen Teil Deutschlands in den Blick zu nehmen. Nach dem Gottesdienst in der KHG tauschten sich der Militärbischof und Militärpfarrer Henrich über das Engagement der Hochschulgemeinde für Flüchtlinge aus, die in unmittelbarer Nähe ihrer Räumlichkeiten untergebracht sind. Pater Henrich informierte dabei über Deutschkurse, die Studierende geben und dabei zugleich die Chance nutzen, mit weiteren Hilfen den Flüchtlingen in Hamburg ein wenig „das Leben zu erleichtern“. Overbeck dankte in diesem Zusammenhang sowohl den studierenden Offizieren als auch den in der Katholischen Militärseelsorge engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diesen Dienst an und mit Flüchtlingen. 

Universität der Bundeswehr

Bischof Overbeck übergibt Präsident Seidel das Wappen. (© KS / Josef König)
Bischof Overbeck übergibt Präsident Seidel das Wappen. (© KS / Josef König)

Unweit der Katholischen Hochschulgemeinde liegt der Campus der HSU, die von Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Wilfried Seidel geleitet wird. Der diplomierte Mathematiker war 2004 und von 2009 bis 2010 Dekan der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und ist seit 1. Oktober 2010 Präsident der Bundeswehr-Universität. Professor Seidel empfing den Katholischen Militärbischof und seine Delegation am Eingang zum Präsidialgebäude und informierte anschließend über die Besonderheiten einer Universität der Bundeswehr, die sich inhaltlich nicht von öffentlichen Hochschulen unterscheidet. So beträgt die Regelstudienzeit für alle Bachelor-Studiengänge sieben Trimester, für alle Master-Studiengänge weitere fünf Trimester. Dies entspricht insgesamt vier Jahren. Alle Studiengänge sind nach Auskunft des Präsidenten Intensivstudiengänge, d. h. pro Studienjahr ist der Erwerb von bis zu 75 Leistungspunkten nach ECTS möglich, während an öffentlichen Hochschulen nur bis zu 60 Leistungspunkte/Jahr die Regel sind. Nach dem Ende des Studiums leisten Offiziere „ganz normalen Truppendienst“. Bei einem Rundgang über den Campus in Begleitung des Präsidenten informierte sich Militärbischof Overbeck bei Univ.-Prof. Dr. Ing. Detlef Sachau an der Fakultät für Maschinenbau an einem realen Flugzeugrumpf des Typs Airbus A400M, wie mittels Mikrofonen, Lautsprechern und modernster Rechentechnik Schallwellen erzeugt werden, die Störgeräusche im Kabineninnern auszulöschen vermögen. Der fabrikneue Rumpf des Militärtransportflugzeugs schwebt wie im Flug an Stahlträgern über dem Boden der neuen Forschungshalle, die im Dezember 2014 auf dem Campus in Dienst gestellt wurde. Abgeschlossen wurde der Rundgang mit einer Präsentation der Forschungs- und Arbeitsweisen im Psychologie-Labor. Dort geben sechs Schallschutzkabinen Gelegenheit, u. a. Reaktionszeiten zu messen, um daraufhin psychologische Theorien empirisch zu prüfen und komplexe Forschungsprojekte durchzuführen. Mit der Übergabe des Wappens des Katholischen Militärbischofs an den Präsidenten der HSU endete der Besuch bei den studierenden Offizieren, deren Professoren und wissenschaftlichen Einrichtungen. 

Führungsakademie

Militärbischof Overbeck vor Stabsoffizieren und weiteren Zuhörern (© KS / Josef König)
Militärbischof Overbeck vor Stabsoffizieren und weiteren Zuhörern (© KS / Josef König)
An der Führungsakademie: Militärdekan Mezger, Militärbischof Overbeck, Brigadegeneral Hambach und Leitender Militärdekan Schadt (© KS / Josef König)
An der Führungsakademie: Militärdekan Mezger, Militärbischof Overbeck, Brigadegeneral Hambach und Leitender Militärdekan Schadt (© KS / Josef König)

Für die Leitung der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) begrüßte deren Direktor Lehre, Brigadegeneral Thomas Hambach, in Vertretung des Kommandeurs, Generalmajor Achim Lidsba, den Katholischen Militärbischof und seine Delegation. Hambach, der zuvor als Luftwaffenoffizier Kommandeur des Waffensystemunterstützungszentrum 1 in Erding war, ist seit 2014 Direktor Lehre an der FüAk. Er informierte über die höchste militärische und zentrale Ausbildungsstätte für die Aus-, Weiter- und Fortbildung aller Stabsoffiziere der Bundeswehr in Deutschland und zeigte einige neue Entwicklungslinien auf, derer sich die Führungsakademie mit Blick auf die nahe Zukunft stellen wird. Noch vor seinem Vortrag bei Offizieren, die sich derzeit in der Generalstabsausbildung befinden, trug sich Militärbischof Overbeck in das Gästebuch der Akademie ein und dankte für die Einladung, die ihm erstmalig Gelegenheit gab, zusammen mit dem neuen Leiter des Katholischen Militärpfarramts Hamburg II, Militärdekan Monsignore Bernward Mezger, die international ausgerichtete Führungseinrichtung der Bundeswehr zu besuchen. Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck beendete den Besuch mit einem Vortrag im Gneisenau-Saal der Führungsakademie, in dessen Mittelpunkt die Feststellung stand, dass „Technik alleine keinen Frieden bringt.“ Overbeck dabei wörtlich: „Es darf nicht ein Friede sein, den technische Gewalt von außen erzwingt, sondern es muss ein Friede sein, den die Menschen, die friedlich zusammen leben wollen, aus ihrem Innersten heraus annehmen können. Für einen solchen Frieden lohnt es sich, dass Sie sich als Soldatinnen und Soldaten einsetzen.“ Dieser Feststellung des Katholischen Militärbischofs schloss sich eine Diskussion mit den angehenden Generalstabsoffizieren an, die kurz zuvor noch am Lebenskundlichen Unterricht teilgenommen hatten, zu dem Overbeck vehement die Auffassung vertrat, dass dieser in richtig verstandener Absicht „bestens mit Militärgeistlichen beider Konfessionen durchzuführen ist.“ Und dies, so Overbeck, „auch auf Zukunft hin“. 

Landeskommando

Kapitän zur See Setzer, Militärbischof Dr. Overbeck und Leitender Militärdekan Msgr. Schadt (© Bundeswehr / Yannick Brand)
Kapitän zur See Setzer, Militärbischof Dr. Overbeck und Leitender Militärdekan Msgr. Schadt (© Bundeswehr / Yannick Brand)

Mit einem Besuch beim Landeskommando Hamburg, das seit November 2014 von Kapitän zur See Dipl.-Kaufmann Michael Setzer geführt wird, endete der zweite Tag des Pastoral- und Truppenbesuchs. Kapitän zur See Setzer unterrichtete über die derzeit dringliche Aufgabe, zusammen mit der Freien und Hansestadt Hamburg und deren Verwaltung, die Unterbringung von Flüchtlingen in Hamburg so zu organisieren, dass die Würde und die Gesundheit der Flüchtlinge gewahrt bleibt. Ergänzend dazu informierte der Kommandeur des Hamburger Landeskommandos über die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem in Hamburg-Wandsbek liegenden Bundeswehrkrankenhaus, dessen Besuch tags darauf den Abschluss bildete.

Bundeswehrkrankenhaus

Der Militärbischof trägt sich bei Generalarzt Hoitz ins Gästebuch des BwK ein. (© KS / Josef König)
Der Militärbischof trägt sich bei Generalarzt Hoitz ins Gästebuch des BwK ein. (© KS / Josef König)
Pastoralreferent Nikorowitsch im "Raum der Stille" (© KS / Josef König)
Pastoralreferent Nikorowitsch im "Raum der Stille" (© KS / Josef König)

Ein Besuch des Katholischen Militärbischofs in einem Bundeswehrkrankenhaus (BwK) bleibt wichtiger Bestandteil eines Besuchsprogramms. Mithin ließ es sich Militärbischof Overbeck nicht nehmen, zusammen mit dem Chefarzt des BwK Hamburg, Generalarzt Dr. med. Joachim Hoitz, der seit Anfang September 2012 diese medizinische Einrichtung und militärische Dienststelle leitet, das Krankenhaus und sein medizinisches und pflegerisches Fachpersonal aufzusuchen. Dabei war ihm Gelegenheit gegeben, sich über die medizinisch-fachliche Ausrichtung der Klinik ebenso zu informieren wie über das seelsorgliche Angebot, welches mit Hilfe der Militärseelsorgen der beiden Kirchen über die medizinische Versorgung hinausgeht. Besonderes Augenmerk liegt auf der Versorgung, Hilfe und Therapie von Soldaten, die in Einsätzen und erst nach späterer Diagnostik an den Folgen posttraumatischer Störungen und Belastungen leiden. Diese finden im BwK eine besondere psychologische und psychotherapeutische Zuwendung, wie sich Militärbischof Overbeck in dieser Fachabteilung überzeugen konnte. Mit einem Gebet im „Raum der Stille“, einer Einrichtung, die – wie Pastoralreferent Ludger Nikorowitsch informierte – aus den Kirchensteuermitteln der katholischen und evangelischen Soldatinnen und Soldaten gefördert wird, beendete Militärbischof Overbeck zusammen mit Generalarzt Hoitz den Pastoral- und Truppenbesuch in den militärischen Einrichtungen in der Freien und Hansestadt Hamburg.

Josef König