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Der Frieden fängt bei mir selbst an!

Über den Frieden schreiben, fällt mir nicht leicht. Im Laufe der Geschichte haben schon unzählige kluge Köpfe, viele – mehr oder weniger wichtige – Schriftstücke über den Frieden angefertigt. Tonnen von Papier wurden und werden darüber bedruckt. Wissenschaftliche Arbeiten, Kommentare, Ansichten, Meinungen und kluge Rezepte – und es werden Tag für Tag mehr.

Quelle: KS /Doreen Bierdel

Jeder scheint irgendwie unter Frieden etwas anderes zu verstehen und so wird gestritten, sogar um des lieben Friedens willen. Im Grunde aber scheint niemand den Stein der Weisen zu besitzen. Frieden, geschweige denn Frieden auf Erden, scheint für uns Menschen weit entfernt. Die Krisenherde nehmen immer mehr zu. Kaum ist ein Loch etwas gestopft, bricht ein neues auf.

Was macht es so kompliziert? Es dürfte doch nicht schwer sein – jeder will schließlich Frieden, sagen alle. Ich bin kein Politiker, aber aus meiner Sicht, aus dem Blickwinkel des Seelsorgers im Alltag der Kasernen, sehe ich zwei „Fachausdrücke“, die immer wieder gebraucht werden, die aber dem Frieden unter den Menschen sehr im Weg stehen: Der eine Ausdruck „man“, „man sollte, könnte und müsste“; und der zweite „die anderen müssten, sollten“.

Für mich in der Seelsorge beginnt alles beim einzelnen Menschen. Und was will ich von der großen Welt verlangen, auf die ich als Einzelner meist keinen Einfluss habe, wenn ich es selbst in meinem engsten Kreis nicht schaffe – wo ich oft sehr wohl die Möglichkeit hätte –, den Frieden zu erhalten? Ich schaue nach außen in die Welt, sehe aber „den Misthaufen“ in mir nicht (Jesus verwendet dafür „Balken im Auge“, aber der stinkt nicht). Ich schaffe es ja nicht einmal in mir selbst, das Klima der Welt zu bessern und Frieden zu stiften.

Sünden und Tugenden

Hier tauchen für mich alte Begriffe wieder auf, die man auch in unserer Kirche ein wenig vergessen hat. Begriffe, denen „man“ höchstens in der Eiscreme- oder Schokoladen-Werbung – als sieben Todsünden oder zarteste Versuchung schön und süß verpackt – begegnet: Hochmut, Gier und Maßlosigkeit, Genuss- und Verschwendungssucht, Selbstsucht, Neid und Eifersucht, Feigheit und Trägheit des Herzens. Das alles ist immer noch lebendig und schafft Zwietracht im Herzen des Menschen.

Aber hier kann ICH mit MEINER Friedensarbeit beginnen. Hier habe ICH alles in der Hand. Hier liegt es an MIR und nicht am „man“ und am „anderen, der dieses und jenes sollte“. Demut, Bescheidenheit, Einfachheit, Herzlichkeit schaffen bereits in mir ein Klima des Friedens. Die Kraft dafür kommt aus dem ehrlichen stillen Gebet, und das braucht keine vielen Worte und keinen Berg Papier. Gerade im eigenen Herzen können wirklich erfolgreich „Schlachten“ geführt und gewonnen werden. Es lässt sich sehr schnell feststellen: Hier ist echter Anfang des Friedens möglich, der unaufhaltsam seine Kreise zieht.

Frieden konkret

Soldatinnen und Soldaten, die oft fragen, was kann ich denn wirklich für den Frieden tun, möchte ich Mut machen: Tun Sie Ihren Dienst zuverlässig, fangen Sie bei sich an und geben Sie niemals auf! Sie können nur gewinnen und zusammen mit Ihrem Dienst für den Frieden, echte Friedensarbeit leisten – tagtäglich.

Das sind ein paar Gedanken eines Militärpfarrers in der Diaspora, gewachsen aus der alltäglichen seelsorglichen Arbeit mit den Soldatinnen und Soldaten.

Georg Bäuml
Katholisches Militärpfarramt Burg / Sachsen-Anhalt