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Die Sache mit der "Kippa"

von Reinhold Robbe

Zu den Kernaufgaben meines Amtes gehört bekanntlich die Bearbeitung der jährlich etwa 6.000 Eingaben von den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Die Themen sind vielfältig. Sie reichen von maroden Kasernen über Materialmangel bis hin zum Fehlverhalten von Vorgesetzten. Hin und wieder erreichen mich aber auch Petitionen von Soldaten, die nicht gerade alltäglich sind. So auch vor einigen Wochen.

Ein Soldat jüdischen Glaubens bemängelte, dass es in der Bundeswehr keine klaren Weisungen für das Tragen der „Kippa“ gebe. Es handelt sich hierbei um eine Kopfbedeckung, wie sie von jüdischen Männern vornehmlich in Synagogen und beim Gebet getragen wird. Im ersten Moment stutzte ich ein wenig, weil mir das angesprochene Problem nicht ganz einleuchten wollte. Beim nochmaligen Lesen der Petition wurde mir aber klar, worum es dem Soldaten ging. Offensichtlich hatte sich im Laufe der über fünfzigjährigen Geschichte unserer Bundeswehr noch keiner der tüchtigen Beamten des Verteidigungsministeriums Gedanken über das Tragen der „Kippa“ im Dienst gemacht.

Eigentlich etwas erstaunlich, weil doch sonst so ziemlich alles geregelt ist, was überhaupt nur geregelt werden kann. Von der Mülltrennung im Einsatz bis zur Befestigung des Gummizuges in der Flecktarnhose. Aber für die Frage, wie die „Kippa“ mit der Uniformordnung zu vereinbaren ist, gibt es offensichtlich keine klare Regelung. Deshalb habe ich – wie bei jeder anderen Eingabe – eine Überprüfung eingeleitet.

Unabhängig vom Ergebnis dieser Überprüfung freue ich mich aus tiefstem Herzen darüber, dass ich mich mit dieser Eingabe befassen darf. Denn wer hätte bei der Gründung der Bundeswehr vor mehr als 50 Jahren auch nur im Traum daran gedacht, dass es heute wieder Soldaten jüdischen Glaubens in unseren Streitkräften gibt. Niemand hätte damals geglaubt, dass der Bund jüdischer Soldaten heute wieder eine Reihe von Mitgliedern unter seinem Dach versammelt. Ebenso wenig hätte irgendjemand damals vermutet, dass es heute Soldaten mit islamischen Glaubensüberzeugungen geben würde. Das ist jetzt alles wieder in unserer Bundeswehr möglich. Gott sei Dank.