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Gedanken zum Jahreswechsel

Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel stehen vor der Tür, eine Zeit der Besinnung. Man trifft sich im Kreis der Familie und Freunde. Man erinnert sich gemeinsam an das vergehende Jahr und das gemeinsam Erlebte. Aber nicht alle können dies zusammen tun. Mein ganz besonderer Gruß gilt daher heute denen, die auch in dieser Zeit fern ihrer Lieben im Einsatz sind. Und natürlich auch deren Angehörigen, vor allem den Kindern, die ohne den Vater oder die Mutter unter dem Weihnachtsbaum sitzen werden.

Das vergangene Jahr war geprägt von großen Herausforderungen, vielfach begleitet von bangem Warten und nicht selten von Enttäuschungen. Aber es markiert auch einen Neuanfang, gerade auch für die Bundeswehr und alle, die direkt oder indirekt mit ihr zu tun haben. Die Heimkehr der Bundeswehr aus Afghanistan hat nach der Räumung des OP North und mit der Übergabe des Feldlagers in Kunduz endgültig begonnen. Mit der Übernahme der Sicherheitsverantwortung durch die afghanischen Sicherheitskräfte endet bald ein Einsatz, in dem Bundeswehrsoldaten die schwersten Gefechte ihrer Geschichte bestehen und zahlreiche Opfer bringen mussten. Meine Gedanken gehen gerade in dieser Zeit vorweihnachtlicher Freude zu den Gefallenen, den Verwundeten und den Versehrten aller Einsätze der Bundeswehr und ihrer Verbündeten. Und ganz besonders denke ich an jene Familien, die die festliche Adventsstimmung oftmals eher als bedrückend empfinden angesichts des Fehlens eines nächsten Angehörigen in der trauten Runde. Das vergangene Jahr zeigte uns noch einmal in großer Härte, was der Dienst in den Streitkräften im äußersten Fall bedeuten kann. Nach längerer Zeit mussten wir wieder einen deutschen Gefallenen betrauern. Ich bin darüber sehr traurig, aber doch gewiss, dass seine Hinterbliebenen in einer guten und fürsorglichen Gemeinschaft der Kameraden Trost und Unterstützung finden.

Nicht nur wegen der schweren Opfer, die viele der dort eingesetzten Soldatinnen und Soldaten und ihre Angehörigen hinnehmen mussten, löst die baldige Beendigung des ISAF-Einsatzes auch Besorgnis aus. So wird es wohl eine Nachfolgemission geben, von der noch nicht genau feststeht, mit welchem konkreten Auftrag sie entsandt wird und wie genau dieser umgesetzt werden soll. Außerdem mussten wir gerade erfahren, ohne dass die Hintergründe vollständig klar sind, dass einer unserer lokalen Helfer in Kunduz ermordet wurde. Fest steht jedoch, dass der getötete ehemalige Sprachmittler auf der Liste jener stand, die selbst nach den strengen bürokratischen Kriterien unserer Behörden als gefährdet gelten. Hier mahlten die bürokratischen Mühlen eindeutig zu langsam. Ich fordere die Zuständigen auf, dieses Menetekel ernst zu nehmen und all ihre Checklisten und Kriterienkataloge zur Seite zu legen. Niemand, der uns geholfen hat, darf doch solchen Gefahren ausgesetzt bleiben, nur weil wir wegschauen oder zaudern.

Die Bundeswehr muss nach dem Einsatz in Afghanistan neue Erfahrungen verarbeiten. Schmerzliche Ereignisse, aber auch wichtige Erkenntnisse. Der Einsatz wird nachhaltig und auf Jahre den inneren Zusammenhalt in der Bundeswehr verändern. Viele Soldatinnen und Soldaten berichten mir von einer neuen Kameradschaft. Das Erleben, zusammen im Gefecht gestanden zu haben, hat das Miteinander auch über die Dienstgradgruppen hinaus gefestigt.

Angesichts des baldigen Endes der ISAF-Mission sollten trotzdem unsere Soldatinnen und Soldaten in den zahlreichen anderen Einsätzen nicht vergessen werden. Auch sie müssen Trennung, Einsamkeit und manch andere Belastungen ertragen. Und ihre Angehörigen leiden ebenfalls darunter, die Festtage allein verbringen zu müssen.

Allen Angehörigen der Bundeswehr und Ihren Familien danke ich für ihre Anstrengungen. Mir ist bewusst, dass Sie tagtäglich Belastungen meistern, die eine höhere Aufmerksamkeit verdient haben. Ich wünsche Ihnen allen einen friedlichen Advent, ein gesegnetes Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2014.

Hellmut Königshaus