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Vor 70 Jahren: Deutschland kapitulierte bedingungslos

Bundesarchiv, Bild 183-J31399 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0
© Bundesarchiv, Bild 183-J31399 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0

Niederlage oder Befreiung? Das Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 wurde über viele Jahre in Ost und West unterschiedlich betrachtet – auch im Mai 2015 wird es in den damals beteiligten Ländern vielfältig begangen werden. Prägend für die Sichtweise in den vergangenen 30 Jahren war jedenfalls die Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Bundestag am 8.5.1985, aus der wir einen Auszug abdrucken.

Der Historiker Oberst Prof. Winfried Heinemann, der Politiker Martin Kastler und Generalmajor Jürgen Weigt deuten in Ausgabe 05/15 das Nachkriegsgeschehen für Soldaten, Politik und Europäische Friedensordnung in unseren Tagen.

Das Titelthema "Vor 70 Jahren" widmet sich dem Kriegsende am 8. Mai 1945 - dazu hat auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken sich geäußert.
zur ZdK-Pressemitteilung

 

Grundsatz: "Deutschland kapituliert bedingungslos" von Oberst Prof. Winfried Heinemann

Oberst Prof. Dr. Winfried Heinemann, Chef des Stabes im Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw, Potsdam):

1. Kriegsende

Am Abend des 8. Mai 1945 findet sich eine kleine deutsche Delegation, geführt von Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, beim Hauptquartier der sowjetischen Truppen im gerade eroberten Berlin-Karlshorst ein, um die Kampfhandlungen zu beenden. Mit ihrer Unterschrift in den frühen Stunden des 9. Mai 1945 erklärten sie die Kapitulation der gesamten deutschen Wehrmacht. Der Zweite Weltkrieg, der fünfeinhalb Jahre Tod und Verderben gebracht hat, seit das Deutsche Reich ihn am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen begonnen hatte, ist zu Ende – zumindest in Europa.

Das Morden hat ein Ende – noch Monate und Jahre später werden Menschen an den Kriegsfolgen sterben, an Verwundung, an Hunger, an Misshandlung, an den Folgen der Kriegsgefangenschaft. Im August werden über Japan noch zwei Atombomben detonieren. Aber in Europa findet in dieser Nacht das aktive Töten sein Ende. Beendet sind damit auch der Massenmord an den europäischen Juden, die unzähligen Todesurteile gegen Deutsche, die sich dem sinnlosen Krieg verweigern wollten, die Todesmärsche der KZ-Insassen, aber auch die Bombenangriffe auf deutsche Städte. Die Überlebenden atmen auf.

Aber für die meisten Deutschen herrscht große Unsicherheit, was die Zukunft bringen wird. Die Alliierten haben angekündigt, das gesamte Land zu besetzen, und das wird innerhalb weniger Tage Wirklichkeit. Das Deutsche Reich als Staat hat nicht kapituliert, es hat nicht aufgehört zu bestehen, aber es hat aufgehört zu funktionieren.

2. Ideologieende

Nur wenige hatten den Mut zum Widerstand gegen das NS-Regime besessen, und unter diesen wenigen war man sich bis in den Sommer 1944 uneins gewesen: Sollte man das Regime zu stürzen versuchen, um den Krieg baldmöglichst zu beenden, oder sollte man für ein neues Deutschland planen, zunächst aber das NS-Regime die volle Verantwortung für die Folgen seiner Politik übernehmen lassen? Das Scheitern des Staatsstreichs vom 20. Juli 1944 hatte die Frage entschieden: Niemand kann im Mai 1945 mehr einen Zweifel daran haben, wer die Schuld an der Katastrophe trägt. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die Generalität behauptet, dem Heer sei aus der Heimat ein Dolchstoß versetzt worden – so sei der Krieg verloren gegangen. Diese Ausrede kann 1945 nicht mehr verfangen: Auch der Letzte hat gesehen, dass die Schuld an der Niederlage bei Hitler und seinem politischen System liegt. Hitler selbst hat sich durch Selbstmord der Verantwortung entzogen, und Goebbels, Himmler und Göring tun es ihm bald nach. Der Nationalsozialismus als krude Ideologie ist damit auf Generationen hinaus diskreditiert.

Zugleich ist damit die von den Nationalsozialisten beabsichtigte Entchristlichung gescheitert. Die 1950er Jahre werden zur vielleicht letzten großen Zeit der Kirchen, die Gotteshäuser füllen sich. Die gemeinsame Erfahrung von Verfolgung und Widerstand ebnet auch den Weg für einen verständnisvolleren Umgang der Konfessionen miteinander: Die Ökumene, die im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) ihre lehramtliche Grundlage findet, hat ihren Ausgangspunkt in der gemeinsamen Lagerhaft von Protestanten und Katholiken in Dachau und anderswo.

3. Politikende

Die Kapitulation bedeutet aber auch, dass die Verantwortung für das gesamte Deutschland jetzt bei den Alliierten liegt. Das hat zunächst einmal ganz praktische Konsequenzen: In den zerbombten Städten muss die Versorgungs- und Verkehrsinfrastruktur wieder in Gang kommen. Die Menschen müssen zu essen haben, und dazu müssen Verwaltungsstrukturen geschaffen werden. Die westlichen Alliierten (USA, Großbritannien und Frankreich) greifen in ihren Besatzungszonen gerne auf Politiker der Weimarer Demokratie zurück; in Köln wird der Oberbürgermeister aus der Zeit von vor 1933, Konrad Adenauer, von den Amerikanern wieder eingesetzt. Die sowjetische Besatzungsmacht dagegen setzt vorrangig auf jene Kommunisten, die den Krieg in Moskau überlebt haben und jetzt von dort zum Aufbau eines am sowjetischen Vorbild orientierten politischen Systems nach Deutschland zurückkehren.

Die Alliierten haben aber auch die Verantwortung für die Bestrafung der schweren Verbrechen, die Deutsche in den letzten Jahren begangen haben. Dabei geht es nicht nur um den Völkermord an den europäischen Juden, sondern auch etwa um das Massensterben sowjetischer Kriegsgefangener in deutscher Hand, um die Verbrechen in den besetzten Gebieten, und – das ist in der internationalen Rechtsprechung etwas Neues – um die Führung eines Angriffskrieges. 1946 fällt der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg Urteile gegen die 24 Hauptangeklagten, von denen 12 zum Tode verurteilt werden. Erst langsam und unter argwöhnischer Beobachtung durch ihre Öffentlichkeit übertragen die Alliierten die Verfolgung der anderen Kriegsverbrecher an deutsche Gerichte. Zu groß ist die Sorge, deutsche Juristen könnten die für die Verbrechen Verantwortlichen vorschnell entlasten.

In der Tat erweist sich die westdeutsche Justiz als erstaunlich zögerlich bei der Verfolgung von NS-Unrecht, und die Wiedereinstellung schwer belasteter Richter und Staatsanwälte belastet die Aufarbeitung. In der sowjetischen Besatzungszone und der aus ihr 1949 entstehenden Deutschen Demokratischen Republik dagegen dient die angebliche Verfolgung von NS-Verbrechen allzu häufig als Vorwand für die Durchsetzung der Diktatur der 1946 gegründeten Sozialistischen Einheitspartei (SED).

4. Kein finis Germaniae

Die nationalsozialistische Propaganda hatte vorhergesagt, eine Niederlage im „Totalen Krieg“ werde das Ende Deutschlands überhaupt bedeuten, und verschiedentlich schienen Forderungen aus dem alliierten Lager (etwa des US-Finanzministers Morgenthau) solche Prognosen zu bestätigen. In Hitlers abenteuerlichen Vorstellungen vom „Sieg des Stärkeren“ galt es ja auch als durchaus richtig, dass der „Schwächere“ untergehen müsse. Aber den Entscheidungsträgern in den Hauptstädten der Siegermächte ist klar, dass solche Phantasien ebenso unrealistisch wie unmoralisch sind.

Deutschland verliert rund ein Viertel seines Staatsgebiets. Der Nordteil Ostpreußens mit Königsberg, Stadt des Philosophen Kant, wird sowjetisch (heute russisch), der Südteil Ostpreußens, der größte Teil Pommerns, die Neumark und Schlesien fallen an Polen, darunter Städte wie Danzig, Stettin und Breslau. Die in diesen Gebieten lebenden Deutschen werden vertrieben, ebenso wie die deutschsprachigen Siedler in Russland und Rumänien und die deutsche Minderheit in der Tschechoslowakei. Deutlich über zehn Millionen Flüchtlinge und Vertriebene, die alles verloren haben, strömen in das kriegszerstörte Deutschland. Entsprechend verschärfen sich dort Wohnungsnot und Nahrungsmittelknappheit.

Der gemeinsame Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland hatte die Kriegskoalition zusammengehalten sowie die Interessenunterschiede vor allem zwischen Stalins Sowjetunion und den westlichen Demokratien verschleiert. Nach Ende der Kampfhandlungen, schon bei der Frage nach der Behandlung des besetzten Deutschlands, brechen diese auseinanderstrebenden Interessen wieder auf. Zug um Zug entstehen aus den drei westlichen Besatzungszonen die Bundesrepublik Deutschland, aus der sowjetischen Besatzungszone die DDR. Die frühere Reichshauptstadt Berlin – in vier Sektoren geteilt, aber inmitten der sowjetischen Zone / DDR gelegen – nimmt in diesem System eine komplizierte Sonderstellung ein.

Dass die Kapitulation der Wehrmacht keinen Friedensvertrag mit Deutschland bedeutet, hat zur Folge, dass die „deutsche Frage“ vierzig Jahre lang offen bleibt. Ist die Teilung des Landes endgültig? Die Menschen in der DDR geben 1989/90 ihre Antwort darauf: Der gescheiterte „Arbeiter- und Bauernstaat“ tritt der westlich orientierten Bundesrepublik bei. De facto sind die Gebietsverluste im Osten längst unwiderruflich, aber völkerrechtlich verbindlich erkennt erst das vereinigte Deutschland die polnische Westgrenze an. Der „Zwei-plus-Vier-Vertrag“ ersetzt letztlich den 1945 ausgebliebenen Friedensvertrag. Er garantiert Deutschlands Nachbarn ihre Grenzen, schafft aber genau damit die Voraussetzungen dafür, dass die Grenzen in einem vereinten Europa an Bedeutung verlieren.

Soldat sein im Angesicht des 8. Mai

„Freiheit kann nur bringen, wer selbst frei ist“

Niemand kann heute mehr ernsthaft bestreiten, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung von nationalsozialistischer Herrschaft, Völkermord und dem Grauen des Krieges gewesen ist. Nicht nach der durch den – kürzlich verstorbenen – Altbundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 gehaltenen Rede; 40 Jahre nach dem historischen Ereignis. Seine Mahnung zur bewussten und verantwortungsvollen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit hat sich tief in unser kollektives Bewusstsein eingebrannt. Unter der Wirkmächtigkeit seiner Worte ist der 8. Mai endgültig zum nationalen Tag der Erinnerung geworden; zum Moment des gemeinschaftlichen Nachdenkens. An das und über das, was Menschen erleiden mussten – im Namen des deutschen Volkes. Für die einen waren es kritische, aber immer einfühlsame Worte mit Versöhnungscharakter, für andere stellten sie einen Tabubruch dar; Verbitterung über die schmerzliche Niederlage des Vaterlandes empfindend.

Aber 70 Jahre nach Kriegsende kann so etwas doch nur noch „Phantomschmerz“ sein – oder?

Als Nachgeborener bin ich auf Erzählungen, Berichte und Darstellungen angewiesen, die das finsterste Kapitel deutscher Geschichte zu beleuchten versuchen. Was meine Generation und alle nachfolgenden als Zeugen vom Hörensagen dabei wahrnehmen müssen, lässt bis zum heutigen Tag „Laute still und Stille stumm werden“. Das Bewusstsein einer Verantwortung „ohne Verfalldatum“ bleibt Teil der Identität unseres Volkes, ob wir es wollen oder nicht. Dies offen und vernünftig zu ertragen, ist eine Herausforderung; wenn zum Beispiel griechische Entschädigungsforderungen für Nazi-Gräueltaten – an Köpfen und Herzen vorbei – direkt in den Bauchraum rasen. In solchen Momenten scheinen viele von uns – trotz all des Wissens und des zeitlichen Abstands – irrationalen Empfindungen, einer Verlierernation anzugehören, scheinbar hilflos ausgeliefert. Wirklichkeit, Wahrnehmung und Vorstellung sind schwer in Einklang zu bringen.

Der Umgang mit unserer jüngeren Vergangenheit ist und bleibt problematisch. Wie viel einfacher erscheint es, eine Erinnerungskultur pflegen zu wollen, die die Geschichte aus der hohen Warte betrachtet, damit man sich eben nicht auf ewig moralisch verantwortlich fühlen muss für die Beteiligung des eigenen Volkes an dem unvorstellbaren Grauen. Moralisch kann aber nie das sein, was vor allem nützlich erscheint; handlungsleitend nicht das, was lediglich die „herrschende Moral“ gut heißt. Als Angehöriger der Bundeswehr möchte ich einer sittlichen Vernunft folgen können, denn für mich verlangt jedes soldatische Handeln immer auch eine moralische Haltung. Deshalb war für den Aufbau der jungen Bundeswehr und deren Weiterentwicklung nichts so notwendig wie moralisches Ansehen. Nie wieder soll deutschen Soldaten der Mangel an moralischer Urteilsfähigkeit zum Vorwurf gemacht werden können. Als Soldat der Bundeswehr ist eine lebendige, kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit für mich vor allem geistige Orientierungshilfe; sinnstiftende Zeugnisse, Haltungen und Erfahrungen aus der Geschichte werden bewahrt, Geschichte verfälschende Erinnerungskulturen entlarven sich selbst.

Mein soldatisches Selbstverständnis – das Wenige, was ich diesem selbst Neues hinzufügen kann – erscheint verschwindend gering neben dem Erbe, das uns von den Opfern der nationalsozialistischen Herrschaft hinterlassen wurde. Umso wichtiger ist es für mich, meinen Anspruch als „Staatsbürger in Uniform“ an einem erstrebenswerten Ziel auszurichten: Freiheit. Der Eid, den wir als Soldaten der Bundeswehr leisten, verpflichtet uns, die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Dem Schutz dieser Freiheit dienen zu wollen, ist innere Bedingung – und setzt die Fähigkeit der eigenen Seele dazu voraus. Die äußeren Verhältnisse, und mögen sie uns noch so wichtig erscheinen, sind längst keine Garantie für Freiheit. Es bedarf dazu einer inneren Verpflichtung; frei sein bedeutet vor allem, unsere eigene Natur – und damit auch die eigene Geschichte – kennen und ertragen zu lernen. Was damals im deutschen Namen getan wurde, kann nicht ungeschehen gemacht werden. Nie zu vergessen, was damals versäumt und geduldet wurde, bleibt auf immer Maßstab dafür, was von uns persönlich gefordert ist.

Am 8. Mai 1945 hat zweifellos eine Befreiung stattgefunden; dass bedeutet aber längst noch nicht, dass wir damit automatisch frei sind – Freiheit kann nur bringen, wer selbst frei ist. Der Wert jedes Menschen und jedes Volkes bemisst sich besonders danach, welchen Preis man für die Freiheit zu zahlen bereit ist.

 Generalmajor Jürgen Weigt, Kommandeur Zentrum Innere Führung, Koblenz

Europas Friedensordnung ist keine Selbstverständlichkeit

Wir leben in unruhigen Zeiten. Die anerkannte, seit vielen Jahrzehnten funktionierende Friedensordnung gerät aus den Fugen. Inzwischen ist es fast ein Menschenleben her, dass am 8. Mai 1945 um 23:01 Uhr die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht besiegelt wurde. Nach Jahren der Diskussion, wie das Kriegsende vor 70 Jahren für die deutsche Bevölkerung einzuordnen sei, benannte Richard von Weizäcker dieses Ereignis beim 40. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs als „Tag der Befreiung“: „Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“, sagte der damalige Bundespräsident.

Heute sind unsere Eltern und Großeltern, die zerstörte Städte und Landstriche, Kirchen und Fabriken sowie den Holocaust erlebt haben, die letzte Generation des Zweiten Weltkriegs. Was wissen wir, was weiß unsere Jugend von solch großem Leid? Wie schaffen wir es, dass so etwas nie wieder passiert?

Im heute gemeinsamen Europa stehen wir vor der großen Herausforderung, den Frieden zu bewahren, den wir seit 1945, und im Besonderen seit der Wiedervereinigung, erleben dürfen. Die wachsenden ökonomischen Ungleichheiten in Europa, die aktuelle Situation in der Ukraine und auch die Bedrohungen durch den islamistischen Terror stellen diesen Frieden auf eine harte Probe.

Seit der Schulden- und Wirtschaftskrise und dem damit verbundenen Missmanagement ist das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger in die EU-Institutionen auf Negativrekord gesunken. Durch die Schuldenkrise und die Währungsdebatte läuft das vereinte Europa Gefahr, gespalten zu werden. Die Europäische Union ist in ihrer Gesamtheit keine einheitliche Gesellschaft. Das Motto „in Vielfalt geeint“ wird in diesen Zeiten zur Bürde: In einigen Ländern herrschen Wirtschaftswachstum, nahezu keine Schulden und kaum Arbeitslosigkeit. In anderen Ländern erleben die Menschen hohe Lohnkürzungen, Steuererhöhungen, und vor allem leiden sie unter der weit verbreiteten Jugendarbeitslosigkeit. Dieses Auseinanderklaffen gefährdet den sozialen Frieden in Europa. Auch in den Nachbarstaaten der EU brodelt es. Gerade in Osteuropa ist der Friede fragil.

Die Krise in der Ukraine hat unerwartet deutlich und überraschend gezeigt, dass völkerrechtlich anerkannte Ländergrenzen nicht von sich aus Bestand haben. Es braucht ein ständiges Engagement für Frieden und eine stabile Friedensordnung. Dabei hat die jeweils junge Generation eine besondere Bedeutung und muss in diesen ständigen Prozess aktiv eingebunden werden. Nur durch eine ehrliche, gemeinwohl-orientierte Politik ist es möglich, Frieden zu erhalten. Dies ist in der Ukraine in den vergangenen Jahren leider nicht gelungen.

Auch Nordafrika und der Nahe Osten sind derzeit ein großer Unruheherd. Dauerhafter Frieden scheint unmöglich. Die seit vielen Monaten herrschende Gewalt der dort agierenden Terrorgruppen hat unvorstellbare Ausmaße angenommen. Im Nahen Osten herrscht Krieg. Millionen Menschen werden vertrieben und suchen als Flüchtlinge andernorts ein sicheres zu Hause. Im westlichen Europa merken wir, wie die Gefahr auch uns in Europa berührt. Nicht erst seit dem Attentat im Januar dieses Jahres in Frankreich, sondern zum Beispiel auch dadurch, dass junge Menschen aus Deutschland sich als islamistische Kämpferinnen und Kämpfer rekrutieren lassen und zum Teil als Terroristen nach Deutschland zurückkehren.

In diesen unruhigen Zeiten ist es umso wichtiger, dass dieser 70. Jahrestag zum Anlass genommen wird, um für Frieden und Versöhnung einzutreten. Die europäische Friedensordnung ist keine Selbstverständlichkeit. Wir alle in Politik und Wirtschaft, Zivilgesellschaft und als Einzelpersonen sind aufgerufen, uns für ein friedliches Miteinander einzusetzen.

Martin Kastler, Sprecher des Sachbereichs Europäische Zusammenarbeit und interkulturelle Fragen im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)

                            

Kompass Mai 2015

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In der Mai-Ausgabe nehmen die Reportage über eine irakische Flüchtlingsfamilie und der Bericht vom 10. Jahrestag der Grundsteinlegung des Loyola-Gymnasiums in Prizren / Kosovo großen Raum ein, da beide auch Bezug zur Katholischen Militärseelsorge haben. Es ist nicht alles neu im Mai, aber es wurden Militärpfarrer, ein Persönlicher Referent, ein Geschäftsführer und der Österreichische Militärbischof neu eingeführt bzw. berufen. Auch ein neuer Wehrbeauftragter ist gewählt, der das Amt Mitte Mai 2015 übernimmt. Der bisherige Amtsinhaber Hellmut Königshaus schließt die lange Reihe seiner monatlichen Kolumnen in diesem Monat ab. Und zum Kirchenjahr passen im Marienmonat die Artikel über die Gottesmutter Maria – und zu Pfingsten über eine Firmung in Mali, die Aktion „Renovabis“ und den Heiligen Geist.

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