Sie sind hier: Kompass@ / Auf ein Wort / 2015 / Veränderung – Begeisterung

Veränderung – Begeisterung

Haben Sie schon einmal zu duschen versucht, ohne nass zu werden? Es ist möglich. Das sage ich Ihnen aus meinem reichen Erfahrungsschatz als Mutter. Doch weder fühlt sich das betreffende Kind anschließend erfrischt, noch ist die Maßnahme, die ja eigentlich aus hygienischen Gründen angeordnet wurde, irgendwie zielführend. Der einzige Erfolg: Das Kind wird von der Erziehungsberechtigten bis auf weiteres in Ruhe gelassen – doch das ist noch nicht einmal sicher.

Erwachsene sind solchen Versuchen lange entwachsen. Denken Sie. Im übertragenen Sinne allerdings passiert uns das immer wieder: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ Veränderung scheuen wir. Veränderungen im mühsam erworbenen Weltbild, Menschenbild, Kirchenbild. Ich weiß gerne ungefähr, wie mein Nachbar „tickt“ oder welche Kleidung zum Abtanzball der Tochter vorgesehen ist. Womit ich zu rechnen habe, wenn ich mich in einer Großstadt zwischen vielen fremden Menschen bewege; wie ich mich in meinem Dienst verhalten soll und was mich da als nächstes erwartet, möchte ich etwa wissen oder woran ich erkenne, dass ich geliebt oder anerkannt bin. So kann ich Mimik und Gestik „lesen“, kann mein Verhalten auf die äußeren Gegebenheiten einstellen. Zu meiner Orientierung brauche ich diese klaren Bilder und Standpunkte, ich brauche Weisungen und Richtlinien, ja sogar ein hohes Maß an Vorurteilen, derer sich entledigt zu haben heute gesellschaftlich hoch angesehen ist. Wo kämen wir hin, wenn täglich alles wieder anders wäre?

Pfingsten: Feuer des Geistes

Nun kommt das Pfingstfest. Sie beten vielleicht mit anderen Christen um den Heiligen Geist. Ich werde es tun. Sind Sie da nicht auch ein bisschen leichtsinnig? Es wird Sie doch wohl niemand gezwungen haben, um Veränderungen zu beten, um das überraschende Feuer des Geistes Gottes, um den Sturm, der weht, wo er will, um Funken der Begeisterung!?

Als der Pfingsttag angebrochen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da entstand plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie von einem daherfahrenden gewaltigen Sturm, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und ließen sich auf jedem von ihnen nieder. Alle wurden mit Heiligem Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen zu sprechen verlieh.

Apostelgeschichte 2,1–4

Der Bericht klingt, als hätten die Jünger Jesu und alle Beteiligten genau darauf gewartet. Ich jedenfalls bin immer davon ausgegangen, seitdem ich zum ersten Mal diesen Text gehört habe. Was hatten sie sich denn nur erhofft? Wollten sie wirklich diese verunsichernde Veränderung ihres Lebens, nachdem sie doch oft genug Jesu Worten zu seinen Lebzeiten so skeptisch gegenüber gestanden hatten? Vermutlich waren sie so voller Sehnsucht nach dem, was Jesus verkündet hatte, dass sie tatsächlich ihr Leben auf den Kopf stellen lassen wollten. Zumindest waren sie bereit, es auszuhalten.

Begeisternder Sturm

Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir es aushalten werden, wenn der Heilige Geist, um den wir da beten, unsere Vorstellungen über den Haufen wirft mit seinem begeisternden Sturm, dass wir uns einstellen auf die neuen Ideen und dass wir das gerne tun, auch wenn es ziemlich unbequem wird.

Ein gesegnetes Pfingstfest wünscht Ihnen

Carola Lenz, Pastoralreferentin
Katholisches Militärpfarramt Bremerhaven