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Wer rollt uns den Stein weg?

Wer rollt uns den Stein weg? – Diese Frage bewegt die Frauen am Ostermorgen ganz intensiv. Denn davon hängt für sie ab, ob sie von Jesus noch einmal Abschied nehmen und ihm einen letzten Dienst, ein letztes Zeichen der Zuneigung schenken können. Denn der Stein verschließt das Grab. Er ist ein Hindernis. Er trennt. Er ist für die Frauen eine nicht zu bewältigende Herausforderung.

Wer rollt uns den Stein weg? Eine Frage, die jeden irgendwann trifft. Jedem von uns begegnen immer wieder Steine im Leben, in ganz verschiedenen Situationen, in den unterschiedlichsten Lebensphasen und Lebenssituationen. Steine, die im Weg liegen, die uns in den Weg gelegt werden oder die wir uns selbst in den Weg legen. Egal, ob im privaten oder beruflichen Umfeld: Probleme, die sich auftürmen; Hindernisse, die unüberwindlich erscheinen; Stress mit dem Partner, der Partnerin; Druck am Arbeitsplatz; menschliche Kommunikationsprobleme; Unverständnis für die eigene Situation bei Freunden, Kollegen; die nächste Umstrukturierung; Störungen im Arbeitsklima; der nächste Einsatz; die nächste Versetzung; eine auftretende Krankheit; Ängste, die mich umtreiben.

Quelle: flickr / Martin Fisch by marfis75
Quelle: flickr / Martin Fisch by marfis75

Wer rollt uns den Stein weg? Pack ich das? Schaffen wir das? Wer hilft? Wer steht uns bei? Und manchmal macht sich aufgrund der Steine Resignation, Hoffnungslosigkeit, Ermüdung oder Verzweiflung breit.

Wir dürfen vertrauen

Als die Frauen ans Grab kommen, ist der Stein bereits weggerollt. Das Leben hat sich Bahn gebrochen. Gott hat dem Leben Bahn gebrochen.

Ostern ist das Fest, das uns immer wieder Mut macht darauf zu vertrauen, dass Gott dem Leben Bahn bricht. Gott hat sich durch keinen Stein aufhalten lassen, sondern dem Leben eine neue Tiefe, eine neue Kraft und neue Möglichkeiten geschenkt, die auch unseren Blick auf das Leben verändern. Gott hat den Stein des Todes, der Hoffnungslosigkeit weggerollt. Wir dürfen Gott mehr zutrauen. Wir dürfen ihm zutrauen, dass er mit seiner Nähe und Kraft auch unser Leben berührt. Er gibt uns Kraft, Steine wegzurollen. Er zeigt uns durch sein Wort Wege, Hindernisse zu überwinden und das Miteinander zu gestalten. Er schenkt uns Weisheit, Probleme zu lösen. Er macht uns Mut, uns und dem Leben zu trauen und auf andere Menschen zuzugehen.

Ostern ist ein Fest der Zuversicht, dass sich das Leben und das Gute Bahn brechen. Ostern ist das Fest, das uns Mut macht, auch uns und unserem Leben mehr zuzutrauen. Es wird in der Ostererzählung im Markus-Evangelium nicht deutlich, ob der Engel den Stein weggerollt hat. Aber Ostern ermutigt uns, unseren Fähigkeiten zu trauen und zu Engeln zu werden, die anderen helfen, Steine aus dem Weg zu räumen und so dem Leben, der Hoffnung und der Zukunft einen Weg eröffnen. Das ist wichtig zuhause, in der Familie, im Umfeld oder in der Bundeswehr.

Militärpfarrer Michael Kühn, Katholisches Militärpfarramt Mayen