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Ostern 2015: Christ und Soldat

© KMS / Doreen Bierdel
© KMS / Doreen Bierdel

Das Fest der Auferstehung Jesu ist das Hauptfest der Kirche. Sowohl christliche Theologen als auch Soldaten nähern sich in Ausgabe 4/15 den Fragen: „Was heißt Auferstehung?“ und „Wie gehen Sie damit in Ihrem persönlichen Leben um?“

Außer dem Schwerpunktteil des April-Kompass widmen sich auch das Geistliche Wort („Wer rollt uns den Stein weg?“), der „Kompass Glauben“ (Von der Kostbarkeit des Lebens) und der Kommentar „Achillesferse Auferstehung“ dem Titelthema: Der Überlegung, was damals mit Jesus Christus geschah und was für uns nach dem Tod kommt.

Grundsatz: Was heißt AUFERSTEHUNG? von Prof. Dr. Markus Knapp

Professor für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum

Schwierigkeiten mit dem Auferstehungsglauben

In der Neuzeit ist die biblische Auferstehungsbotschaft für immer mehr Menschen unnachvollziehbar geworden. So steht sie etwa unter dem Verdacht, lediglich das Resultat einer Projektion zu sein, durch die der Mensch sich ein besseres Jenseits vor Augen stellt. Andere Einwände ergeben sich aus dem neuzeitlich-modernen Weltbild, das wesentlich von den Naturwissenschaften geprägt ist. Danach muss die Überzeugung von der Auferstehung Toter als völlig absurd gelten, sie bleibt in naturwissenschaftlichen Zusammenhängen schlechterdings undenkbar.

Schwierigkeiten mit der christlichen Auferstehungsbotschaft bestehen nun allerdings nicht erst seit der neuzeitlichen Umgestaltung des Weltbildes. Auf solche Schwierigkeiten stoßen wir vielmehr schon bei Paulus, wenn er im 1. Korintherbrief schreibt: „Wenn aber verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Es gibt keine Auferstehung von Toten?“ (15,12). Eine solche Leugnung der Auferweckung Jesu hat für den christlichen Glauben insgesamt fatale Konsequenzen, wie Paulus sofort hinzufügt: „Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube“ (V. 14). Wenn der christliche Glaube keine bloße unausweisbare Behauptung sein soll, dann muss über diesen seinen Grund Rechenschaft abgelegt werden; es muss geklärt werden, was dieser Grund des Glaubens genauerhin beinhaltet.

Ostern als Grund des christlichen Glaubens

Das Zentrum der Verkündigung Jesu bildete die Botschaft vom Kommen der eschatologischen Gottesherrschaft. Und Jesus sah es als seine Aufgabe an, die Menschen auf dieses von Gott her sich ereignende Geschehen hin auszurichten, sie darauf vorzubereiten und ihnen die Wirklichkeit dieser eschatologischen Gottesherrschaft erfahrbar zu machen.

Diese Botschaft vom Nahegekommensein der eschatologischen Gottesherrschaft hat Jesus auch nicht widerrufen, als er mit der Möglichkeit seines eigenen Todes rechnen musste. Im Gegenteil, Jesus hat in dieser Situation ausdrücklich an seiner Botschaft festgehalten und sie bekräftigt (Mk 14,25).

Doch der Kreuzestod Jesu blieb völlig folgenlos. Und so ist denn auch die Darstellung des Neuen Testamentes glaubwürdig, wonach die Jünger den Tod Jesu als eine völlige Katastrophe erlebt haben; sie waren offensichtlich auf diese Situation überhaupt nicht vorbereitet und verließen Jerusalem unverzüglich und kehrten enttäuscht und desillusioniert in ihre galiläische Heimat zurück.

Kurz darauf kam es dann jedoch zu einem überraschenden Umschwung und Neuanfang. Es wird berichtet von Erscheinungen Jesu, die den Jüngern zuteil geworden sind. Die Jünger sind nach Jerusalem zurückgekehrt, haben sich dort erneut versammelt und damit begonnen, Jesus als von den Toten Auferweckten sowie seine baldige Wiederkunft zu verkündigen.

Wir können somit sagen: Der entscheidende Kern des Osterglaubens besteht darin, dass die Jünger erkennen: Jesus und seine Botschaft sind durch das Kreuz von Golgatha nicht widerlegt; Jesus ist vielmehr von Gott ins Recht gesetzt worden, und seine Erwartung der eschatologischen Gottesherrschaft bleibt deshalb in Geltung.

In genau diesem Sinne ist Ostern der Grund des christlichen Glaubens und der mit diesem Glauben verbundenen Hoffnung: Das Ostergeschehen begründet, warum die Erwartung der eschatologischen Gottesherrschaft durch alles menschliche Scheitern hindurch Bestand hat. Ostern ist der Grund der christlichen Überzeugung, dass keine Macht dieser Welt – nicht einmal der Tod als „der letzte Feind“, wie Paulus ihn nennt (1 Kor 15,26) – das von Jesus verkündete Kommen der Herrschaft Gottes zu verhindern vermag. Ostern ist somit der Grund der christlichen Glaubensüberzeugung, dass der Mensch in allen denkbaren Situationen seines Lebens und schließlich dann auch im Sterben sich unbedingt verlassen und unbedingt vertrauen kann auf die helfende und rettende Nähe Gottes.

Die Wirklichkeit der Auferstehung Jesu

Die Auferweckung Jesu von den Toten gehört für das Neue Testament in den Zusammenhang der eschatologischen Totenauferstehung, die für die Endzeit erwartet wurde. Genauer gesagt: Mit der Auferweckung Jesu hat in der Sicht des Neuen Testamentes diese eschatologische Totenauferstehung begonnen und damit ist der endzeitliche Äon bereits angebrochen, um sich dann in Bälde zu vollenden. Diese neutestamentliche Sichtweise zeigt sich noch ganz deutlich, wenn Paulus von Christus als dem „Ersten der Entschlafenen“ spricht (1 Kor 15,20; vgl. 23). D. h. eben: In Christus ist der endzeitliche Äon bereits Wirklichkeit, um sich nun endgültig durchzusetzen.

Beachtet man dies, dann erscheint von daher klar: Die Wirklichkeit des Auferstehungslebens Jesu ist nicht Teil dieser unserer jetzigen Welt, also des alten, demnächst vergehenden Äons, sondern sie gehört bereits in den neuen, kommenden Äon hinein. Sie kann dann aber logischerweise auch nicht sinnlich erfasst werden, da sie ja nicht mehr dem Zusammenhang unserer erfahrbaren Welt zugehört. Auch das Ereignis der Auferweckung Jesu als solches ist daher kein Ereignis in Raum und Zeit. Es lässt sich dann sagen: Die Wirklichkeit des Auferstehungslebens Jesu gehört mit zur Dimension des göttlichen Lebens; in präzise diesem Sinne ist sie eine transzendente Wirklichkeit. Im Neuen Testament kommt das zum Ausdruck in der Aussage von der Erhöhung Jesu. Danach lebt der vom Tode auferweckte Jesus als der zu Gott Erhöhte. Diese österliche Realität beinhaltet, dass Gott an Ostern sein Verbundensein mit Jesus bekräftigt und erneuert hat, indem er dem toten Jesus eine ganz neue Lebensmöglichkeit geschaffen hat.

Diese neue, österliche Realität konnten die Jünger verstehen als Bestätigung der Botschaft Jesu vom Kommen der eschatologischen Gottesherrschaft durch Gott. Die Botschaft Jesu hat sich demnach an ihm selbst bewahrheitet und bewährt. Die Verkündigung und das Wirken Jesu während seines Lebens in Galiläa und Jerusalem bleiben deshalb auch nach Ostern wichtig, weil das Osterereignis sie voraussetzt und sozusagen darauf aufbaut.

Von dieser Einsicht her eröffnet sich ein Zugang zu einem angemessenen Verständnis der Leiblichkeit des Auferstandenen. Wenn die Auferstehungswirklichkeit nicht Teil der raumzeitlichen Welt ist, kann der Auferstehungsleib natürlich auch nicht identifiziert werden mit dem Körper Jesu, der nach seinem Tod begraben wurde.

 

Leiblichkeit im Sinne des biblischen Denkens meint den Menschen in seiner personalen Ganzheit. Denn als Person ist ein Mensch ja nie isoliert für sich allein, sondern nur in seinen Beziehungen zu anderen, zu seinen Mitmenschen und seiner Mitwelt. Eine eigenständige Person wird der Mensch als in die Welt Hineinverwobener. Wenn von der Leiblichkeit des Menschen gesprochen wird, dann geht es um dieses In-Beziehung-Stehen und Hineinverwo-bensein und damit um die je eigene Identität eines Menschen. Seine Identität als diese bestimmte, unverwechselbare Person entwickelt ein Mensch ja in seinen gelebten Beziehungen, d. h. insofern er leiblich in die Welt eingebunden ist.

Wenn daher vom Auferstehungsleib gesprochen wird, so bedeutet das: Jesus ist von Gott auferweckt als er selbst; aus dem Tod gerettet wird die konkrete, einzigartige Person, die Jesus in seinem Leben war bzw. geworden ist. Diese leiblich-personale Identität Jesu wird von Gott angesichts der vernichtenden Macht des Todes gerettet und ganz neu ermöglicht.

Die Ostererscheinungen

Es ist weitgehend unumstritten, dass den Jüngern tatsächlich solche Erscheinungen zuteil geworden sind. Strittig bleibt dabei jedoch, ob diese Erscheinungen auf einer bestimmten inneren Disposition der Jünger beruhen, d. h. ob sie psychogener Art sind oder aber sich einer Selbstbekundung des Auf-erstandenen verdanken, also eine aus der Dimension Gottes heraus erfolgende Manifestation innerhalb von Welt und Geschichte darstellen.

Wie ließe sich Letzteres denken? Leitend kann dabei der Vorschlag von H. Kessler sein, die Ostererscheinungen der Jünger als eine Selbstbekundung des Auferstandenen in einem Begegnungsgeschehen zu verstehen. Der Auferstandene hat sich demnach den Jüngern gezeigt und erfahrbar gemacht, indem er ihnen in neuer Weise begegnet und in Beziehung zu ihnen getreten ist. Grundlegend ist also, dass die Jünger zu einem solchen Begegnungsgeschehen unabdingbar selbst hinzugehören. Ein solches Begegnungsgeschehen wird nur denkbar, wenn der Auferstandene sich den Jüngern in ihre konkrete menschlich-geschichtliche Wirklichkeit hineinvermittelt, indem er ihnen eine neue Beziehungsmöglichkeit eröffnet und anbietet. Eine solche Beziehung kommt jedoch nur zustande, wenn dieses Angebot auch in Freiheit angenommen wird. Nur dann kann Jesus sich auch als Auferstandener selbst bekunden. Erst nachdem die Jünger sich auf dieses Begegnungsgeschehen eingelassen haben, vermögen sie zu erfassen, dass es Jesus ist, der ihnen hier in neuer Weise begegnet. Erst darauf hin kann der Glaube an ihn als den von den Toten Auferweckten entstehen.

Lässt sich die Erfahrung, die die Jünger in diesem für sie völlig überraschenden Begegnungs- und Beziehungsgeschehen gemacht haben könnten, etwas konkreter denken? Jesus hatte ja einen Gott verkündet, der sich den Menschen vorbehaltlos zuwendet; er hatte in seinem Wirken verdeutlicht, dass dieser Gott die Menschen so annimmt, wie sie sind, also ohne irgendwelche Bedingungen und Vorleistungen. Durch Jesus erfuhren sie von einem Gott, von dem sie sich unbedingt angenommen und bejaht wissen dürfen.

Es erscheint daher durchaus denkbar, dass die Jünger bei den Ostererscheinungen genau diese Erfahrung in neuer Weise gemacht haben. Jesus wäre ihnen hier demnach begegnet, indem er dieses unbedingte Angenommen- und Bejahtsein neu und für die Jünger völlig überraschend hat erfahrbar werden lassen. Und es wäre dann eben auch diese Erfahrung, die die Jünger Jesus als aus dem Tod Geretteten hat erkennen lassen. Denn diese neue und überraschende Erfahrung beinhaltet dann ja gerade, dass das unbedingte Angenommen- und Bejahtsein des Menschen durch Gott, das Jesus verkündet hat, auch durch den Tod Jesu nicht aufgehoben wird. Ganz im Gegenteil, indem Jesus ihnen neu begegnet und neu in Beziehung zu ihnen tritt, erkennen die Jünger, dass die unbedingte Zuwendung Gottes, die Jesus verkündet und erfahrbar gemacht hat, auch die Macht des Todes zu überwinden und zu vernichten vermag, dass Gott also nichts anderes ist als unbedingte und deshalb auch den Tod überwindende Liebe (vgl. Röm 8,38f.; 1 Joh 4,8.16).

Diese Erfahrung können Menschen durchaus auch heute machen. Das geschieht immer dann, wenn ihnen in ihrem eigenen Leben aufgrund der Osterbotschaft die Erfahrung und die Gewissheit eines solchen unbedingten Angenommen- und Bejahtseins vermittelt wird; wenn sie sich und ihr Leben absolut verlässlich getragen wissen, sogar angesichts der bedrohlichen Macht des Todes; wenn in den Brüchen und Ausweglosigkeiten des eigenen Daseins wieder Hoffnung aufbricht oder neue Kraft zum Standhalten zuwächst. In solchen Erfahrungen bestätigt sich das Osterzeugnis der Jünger Jesu; wer solche eigenen Erfahrungen bezeugen kann, der stimmt in dieses ursprüngliche Osterzeugnis ein, weil sich ihm dessen Wahrheit im eigenen Leben erschlossen hat. Und der weiß dann auch, dass es hier nicht um Projektion geht, nicht um etwas, das aus dem Menschen selbst kommt, sondern um etwas, das sich dem Menschen „von außen“ her, in einer personalen Begegnung eröffnen muss, um etwas also, das ihm geschenkt werden muss und das er sich deshalb gerade nicht selbst sagen kann.

Interview mit Oberstleutnant Oliver Ponsold, Vorsitzender des Sachausschusses Innere Führung der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS)

„In meinem militärischen und damit dienstlichen Umfeld werde ich umgekehrt gefragt, wie ich als Soldat Christ sein kann.“


Kompass: Ostern ist im Christentum die jährliche Gedächtnisfeier der Auferstehung Jesu Christi. Was verbinden Sie damit und wie gehen Sie damit in Ihrem persönlichen Leben um?

Oberstleutnant Ponsold: Freude und Zukunft. Die Osterzeit fällt regelmäßig mit einem der Kindergeburtstage zusammen und ist für unsere Familie etwas Besonderes. Jesus hat im Angesicht unserer alltäglichen Verfehlungen entschieden, nicht zu vergelten. Er nahm die Schuld aus Liebe auf sich. Für mich ist dies der Kern von Liebe, das Fundament von Frieden und ewig ein Zeichen für Hoffnung. Im Evangelium nach Johannes wird dies auch sehr eindringlich beschrieben, wenn es da lautet: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und sich auf mich verlässt, wird niemals sterben, in Ewigkeit nicht.“ (Joh 11,25) Ohne dies gäbe es auch keinen Grund für Kinder.

Kompass: Sie dienen seit geraumer Zeit als katholischer Stabsoffizier beim Kommando Luftwaffe in der General-Steinhoff-Kaserne in Berlin-Gatow. Zugleich engagieren Sie sich in der GKS, einem freien Zusammenschluss von Soldatinnen und Soldaten im Jurisdiktionsbereich des Katholischen Militärbischofs. Können Sie als katholischer Christ guten Gewissens Soldat sein? Oder anders gefragt: Wie oft mussten Sie sich bislang außerhalb der Streitkräfte dafür rechtfertigen?

Oberstleutnant Ponsold:Regelmäßig und noch nicht oft genug! Ich bin in Erfurt geboren und aufgewachsen. Es ist für mich wertvoll und keinesfalls selbstverständlich, mit meiner Familie in einem freiheitlich-demokratischen Staat zu leben. Aus dieser persönlichen Erfahrung heraus bin ich davon überzeugt, dass wir alle unseren Teil Verantwortung für diese Welt tragen. Mit jeder neuen sicherheitspolitischen und gesellschaftlichen Entwicklung, mit jedem Weißbuch, jeder parlamentarischen Entscheidung und jeder Wahl stellt sich die Frage erneut, ob der Dienst in der Bundeswehr heute wahrhaft zum Frieden in der Welt beiträgt und einen wirksamen Beitrag leistet, Menschenrechte zu schützen.

Regelmäßig hierzu angesprochen und hinterfragt zu werden, hilft mir, den inneren Kompass zu justieren, und ist im Übrigen für unsere Gesellschaft ein positives Vorzeichen.

Kompass: Nun ist vorstellbar, dass Sie auch im Dienst von Kameraden gefragt werden, warum Sie sich als katholischer Stabsoffizier in einer Gemeinschaft von Soldatinnen und Soldaten (GKS) ehrenamtlich und in ihrer Freizeit engagieren. Was geben Sie den danach Fragenden zur Antwort?

Oberstleutnant Ponsold:„Probiert es einfach mal aus, denn es gibt vielfach Gelegenheit dafür, es auszuprobieren!“ Christen und dem Glauben aufgeschlossene Soldaten ermutige ich, an Veranstaltungen der GKS teilzunehmen und es selbst zu erleben. Die Akademiewoche, die regionalen Angebote oder das Forum Innere Führung sind Formate für Soldaten und Angehörige, die von den Teilnehmern geschätzt werden, aber noch zu wenig bekannt sind. Mit Glaubensskeptikern und Zweiflern trete ich bei guter Gelegenheit in einen Diskurs über Rationalität und Glauben ein, meist entwickelt sich eine spannende Diskussion.

Zusammenfassend lautet es also: Gefordert bin ich als Christ und Soldat in doppelter Hinsicht. In meinem zivilen Umfeld werde ich danach gefragt, warum ich als Christ Soldat bin. In meinem militärischen und damit dienstlichen Umfeld werde ich umgekehrt gefragt, wie ich als Soldat Christ sein kann. Beide scheinbar so paradoxe Situationen kann ich eigentlich ganz gut bewältigen, denn ich bin mir sicher, dass ich mit gutem Gewissen den Dienst als katholischer Christ in den deutschen Streitkräften leisten kann.

Kompass: In der GKS haben Sie die Aufgabe übernommen, den Sachausschuss Innere Führung zu leiten. Welche Ziele verfolgen Sie dabei und darf man danach fragen, ob sich der Sachausschuss auch mit religiös-christlichen Fragen befasst?

Oberstleutnant Ponsold:Wir sorgen uns im Sachausschuss um Soldatinnen und Soldaten, die als Mensch hinter der Personalnummer stehen. Wie erleben sie den Einsatz? Wer begleitet und achtet auf sie? Wie werden sie vom Dienstherrn und der Gesellschaft wahrgenommen? Können sie ihr Handeln und den Soldatenberuf mit Familie, Gemeinde und Glauben vereinbaren? Mit christlich geschärftem Blick und geistlich beraten, treten wir hierzu in Kontakt mit Soldaten, Interessenvertretungen, den zuständigen Stellen im Ministerium und in der Politik, um in diesen wesentlichen Fragen an einem, dem richten Strang zu ziehen. Wenn Hellmut Königshaus als Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags beispielsweise das Erstwohnsitzrecht für Soldaten einfordert und einsatzbedingte Suizide beklagt, berührt uns dies als Christen, die der Familie und Heimatgemeinde eine tragende soziale Rolle beimessen und das Leben bejahen. .

 Die Fragen stellte Josef König

Kommentar: Achillesferse Auferstehung

Ein Kommentar von Prof. Dr. Thomas R. Elßner, Zentrum Innere Führung (Koblenz)

In frommen Kreisen war und ist es mitunter Brauch, Friedrich Nietzsche mit den Worten zu zitieren. „‚Gott ist tot.‘ Nietzsche.“ Zugleich wird aber fromm-witzig hinzugefügt. „Nietzsche ist tot. Gott.“ Es wird sogar berichtet, dass sich in der Osternacht Christenmenschen an Nietzsches Grab, das sich an der evangelischen Pfarrkirche von Röcken in der Nähe von Lützen befindet, wo Nietzsches Vater Pastor war, unter oben genanntem Motto frohgestimmt treffen. Was mag aber Nietzsche zu solcher Aussage veranlasst haben? Als Pastorensohn kennt er nicht nur das Pfarrhaus von innen heraus, sondern er weiß auch sehr genau, worin die Achillesferse des christlichen Glaubens besteht, um diese zielsicher zu treffen: Im Glauben an die Auferstehung.

Der tolle Mensch

Schießt er seinen Pfeil im Ton blasierter Überheblichkeit oder gar herablassend sarkastisch-ironisch, sozusagen besserwisserisch ab? Nein. Nimmt man einmal den Text, aus dem jenes oben angeführte Zitat entnommen ist, in all seinen Facetten eingehend zur Kenntnis, so kann man die Enttäuschung darüber, ja die tiefe Verletztheit davon wahrnehmen, dass der Gott, so wie man meinte, von ihm denken und sprechen zu können, gleichwohl durchaus theologisch reflektiert, jetzt tot ist und tot bleibt. Das Verletztsein spricht sich schon in der Überschrift jenes textus classicus der Philosophie aus: „Der tolle Mensch“. „Toll“ ist hier nicht im Sinne von „angenehm, schön oder nett“ gemeint, wie es heutige Synonym-Wörterbücher nahelegen, sondern eher im Sinne von geistig ver-rückt (Tollhaus) oder auch im Sinne von tollwütig. Jener Mensch ist toll geworden, weil es ein Zurück zu einem fraglos-selbstverständlichem Gottesglauben nicht mehr gibt.

Eine solche Erkenntnis bleibt nicht ohne Auswirkung auf den Auferstehungsglauben. Nietzsche lässt den tollen Menschen Fragen stellen, die bis heute nicht verstummen wollen. „Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? … Wohin bewegen wir uns? … Gibt es noch ein Oben und ein Unten? … Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden?“

Vernunft und Glaube

Wer diese Fragen nicht nachvollziehen kann, beschäftige sich einmal nur mit Astrophysik und der Ausdehnung des Kosmos. Freilich, Naturwissenschaft lässt sich nicht gegen Gottes Wirkmächtigkeit ausspielen. Jene kann nicht beweisen, dass Gott nicht ist, aber auch umgekehrt, selbst reflektierter Glaube kann Gott nicht naturwissenschaftlich beweisen. Ein garstiger Graben bleibt. Denn was ist mit einem Menschen, der vom Krebs zerfressen stirbt, oder mit dem Baby, welches den sogenannten plötzlichen Kindstod stirbt? Werden sie in diesem Stadium auferstehen, in dem sie von ihren Angehörigen gegangen sind?

Theologinnen und Theologen haben hierfür viele Interpretationen über die Zeiten hinweg geliefert, mal mehr, mal weniger überzeugend. Nicht selten wird die Zuflucht zu recht ausdrucksstarken Bildern genommen. Auch eine Raupe könne sich nicht vorstellen, dass aus ihr einmal ein Schmetterling werde, ebenso wenig ein Embryo, dass es außerhalb des ihn umgebenden Mutterschoßes eine Wirklichkeit gebe. Es sind eben Bilder, anders kann ein Mensch Auferstehung auch nicht in Worte fassen. Oder sollte man sich an Ludwig Wittgensteins berühmten Satz sieben aus dem Tractatus logico-philosophicus halten: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Kann man aber von existenziellen Dingen auf Dauer nur schweigen? Wenngleich man sich dies von manchem Prediger wünschte.

„Ich erwarte …“

Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein Blick in das Große Glaubensbekenntnis. Da heißt es lapidar: „Et exspecto resurrectionem mortuorum, et vitam venturi saeculi. / Ich erwarte die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.“ Mehr wird nicht gesagt, keine anschaulich entfalteten Bilder; vielmehr ein nüchtern zurückhaltender Satz. Von „credo / ich glaube“ ist hier nicht die Rede, sondern von „exspecto / ich erwarte“. Mehr wird nicht verlangt.

Letzten Endes bleibt Auferstehung ein Geschehen jenseits unserer erfahrbaren und vermessbaren Wirklichkeit, so dass sie sich somit unserer Vernunft allein entzieht; aber sie ereignet sich innerhalb der Schöpfungswirklichkeit Gottes.

                            

Kompass April 2015

Kompass_04_2015.pdf

Im Frühjahr liegt alljährlich nicht nur das Osterfest, sondern seit 1958 zumeist auch die Fortbildungstagung der Pfarrhelfer in der Militärseelsorge. Wir berichten von interessanten Referenten und dem ungewöhnlichen Motto „Wahrgebung, Wahrnehmung, Haltung“. Informationen aus nahestehenden Institutionen wie GKS, IThF, KAS und KFS finden ebenso Platz wie Tipps zu einem empfehlenswerten Film und Buch. Und auch der neueste „Raum der Stille“, das jüngste Katholische Militärpfarramt (Schwielowsee bei Potsdam) und neue Militärpfarrer machen bereits von sich reden.

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