Sie sind hier: Seelsorge / Kirchenjahr / Karneval

Fasching, Fastnacht, Karneval

Ein Clown tanzt auf der Straße. (Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de)
Ein Clown tanzt auf der Straße. (Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de)

Fasching ist nicht nur eine „närrische“, sondern auch eine christliche Tradition

Vielen wird es gar nicht mehr bewusst sein, dass die „jecken“ Tage (vor allem in überwiegend katholischen Gegenden) zumindest teils christliche Ursprünge haben. Dies ist jedoch schon alleine daran abzulesen, dass sich der wechselnde Termin von Karnevalswochenende, Rosenmontag und Fastnachtsdienstag zunächst nach dem des Aschermittwochs richtet, eigentlich aber vom höchsten Fest der Christenheit – Ostern – sechseinhalb Wochen zurückgerechnet wird.

Die „närrischen Tage“ vor der am Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit – heute offiziell „Österliche Bußzeit“ – haben verschiedene Namen: Das meist in ursprünglich katholischen Gebieten veranstaltete Brauchtum heißt im Rheinland bei Düsseldorf und Köln „Karneval“, in Mainz und Umgebung „Fastnacht“, im schwäbisch-alemannischen Gebiet „Fasnet“. „Fosnat“ nennen es die Franken, im bayerisch-österreichischen Raum wird „Fasching“ gefeiert.

Christliche und heidnische Wurzeln

Etwa seit dem 12. Jahrhundert ist das Wort „Fastnacht“ (die Nacht bzw. Zeit vor dem Beginn des Fastens) im Mittelhochdeutschen bekannt. Das Wort „Karneval“ ist nicht ganz so eindeutig, stammt aber wahrscheinlich vom Mittellateinischen „carne levare“, was „Fleisch wegnehmen“ bedeutet. Vermutet wird, dass die Feiern neben diesen christlichen Bezügen auch Wurzeln in germanischen und römischen Frühlingsfesten und Fruchtbarkeitskulten haben.

Zum Fasching gehört ein möglichst originelles Kostüm. (Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de)
Zum Fasching gehört ein möglichst originelles Kostüm. (Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de)

Seit dem 13. und 14. Jahrhundert gehören Gastmähler, Trinkgelage, Reiter- und Tanzspiele zu den Bräuchen der sogenannten „Fünften Jahreszeit“, die am 11.11. beginnt und mit dem Aschermittwoch endet. Etwas verändert hat sich die Art der Festlichkeiten: Mit Tanz, Spiel, Umzügen und Verkleidungen wird in den Tagen vor der Fastenzeit die bestehende Ordnung außer Kraft gesetzt und im Narrengewand auf die Schippe genommen. Hierauf deuten auch die „Gegenregierung“ des Elferrats und die Übergabe der Rathausschlüssel hin.

Zeitkritische und anarchistische Elemente gehören besonders seit der Französischen Revolution und der preußischen Herrschaft im Rheinland zu Sitzungen und Umzügen. Höhepunkte der närrischen Zeit sind der Rosenmontag und der Veilchendienstag, an dem der Karneval oft feierlich und tränenreich zu Grabe getragen wird.

Christlich ist daran vor allem auch die Lebensfreude, die dann wieder „nach dem Kalender“ ab der Osternacht und bis hin zum Pfingstfest in anderer Form gelebt wird.

Jörg Volpers