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Alle guten Wünsche …

Es gibt wohl kaum eine Jahreszeit, in der mehr gute Wünsche an den Mann und die Frau gebracht werden als in den zurückliegenden Tagen. Es beginnt zaghaft mit der besinnlichen Adventszeit, die sich manche gegenseitig wünschen, die diese Zeit bewusst begehen; erreicht seinen Höhepunkt mit den Weihnachtswünschen und den Wünschen für das neue Jahr und endet wieder eher diskret mit dem Wunsch, Gott möge das Haus segnen (Christus+Mansionem+Benedicat), den die Sternsinger im Januar an den Türsturz schreiben.

Was wir uns gegenseitig zum neuen Jahr wünschen, darüber gibt es wohl kaum zwei Meinungen. Es wird an Sylvester und Neujahr sicher tausendmal gesagt: „Hauptsache wir bleiben gesund.“ Dieser Wunsch, auch wenn ihm nie widersprochen wird, ist sicher nicht das Einzige, was wir im neuen Jahr gebrauchen können.

In einem französischen Kloster, im ersten Viertel des letzten Jahrtausends, lebte Bernhard, der in seiner Zeit zu überraschend modernen Ratschlägen kommt. So ermahnt er beispielsweise einen Ratsuchenden, wie man zu anderen gut sein soll, wenn man sich selbst gegenüber nicht gut sein kann. Dieser Bernhard ist der Überzeugung, dass wir Menschen drei Dinge brauchen: Rat, Unterstützung und Schutz.

Keine Frage, kein Mensch weiß alles, kann alles alleine und keiner ist unverwundbar. Oder in Hinblick auf die Menschen in meiner Familie, an meinem Arbeitsplatz und in meinem Freundeskreis gesprochen: Mein Rat, meine Unterstützung und mein Schutz sind gefragt.

© Steve Kennedy / flickr
© Steve Kennedy / flickr

Für Bernhard gibt es fünf Quellen, aus denen man schöpfen kann, um diese drei Bedürfnisse – Rat, Unterstützung und Schutz – selbst anzunehmen und zu geben.

Quelle der Vergebung: Nur wer sich selbst und anderen vergeben und um Vergebung bitten kann, wird ein Mensch, der frei vom Ballast der Selbsttäuschung, des immerwährenden Aufrechnens und des permanenten Nichtvergessenwollens ist und anderen diesen Weg in die Freiheit ermöglichen kann.

Quelle der Unterscheidung: Wenn ich etwas tue: Welches Ziel verfolge ich wirklich, wem nützt es und was bewirkt es?

Quelle der Liebe: Rat, Unterstützung und Schutz kann ich nur geben und annehmen, wenn ich mir und anderen gut sein kann.

Quelle der Frömmigkeit: „Frömmigkeit“ ist ein fast schon unanständiges Wort. Und doch ist der fromme Mensch kein anderer als derjenige, der erkannt hat, dass etwas über ihm ist, das größer ist als er; dass etwas unter ihm ist, für das er verantwortlich ist; dass es mehr gibt als die Dinge, die ich anfassen, sehen und messen kann. Wer so lebt, hat die ganze Wirklichkeit erkannt und handelt nicht nur in einem kleinen Ausschnitt des Ganzen.

Quelle des ewigen Lebens: Wer Jesus glaubt, dass er für uns das Leben außerhalb jeder Zeitlichkeit und anderer biologischen Grenzen bereit hält, wird zu einem Menschen, der nicht mehr fragt: „Wenn ich das für dich tue, was tust du für mich? Oder wenn ich dir etwas gebe, komme ich dann nicht zu kurz?“

Natürlich wünsche ich allen Lesern des Kompass Gesundheit für das neue Jahr und dass wir uns gegenseitig die Bedürfnisse von Rat, Unterstützung und Schutz erfüllen können, indem wir aus den Quellen der Vergebung, der Unterscheidung, der Liebe, der Frömmigkeit und des ewigen Lebens schöpfen!

Militärpfarrer Thomas Funke, Katholisches Militärpfarramt Munster