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Auf ein Wort

In dieser Rubrik kommen regelmäßig Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger zu Wort. Sie äußern sich ganz persönlich zu Anlässen aus dem Kirchenjahr oder dem allgemeinen Jahreslauf und notieren Gedanken, die ihnen aktuell bei ihrer Arbeit als Militärpfarrer, Pastoralreferent oder -referentin gekommen sind.
In den Artikeln geben die Autorinnen und Autoren ihre Meinung über das jeweilige Thema wieder und regen zum eigenen Nachdenken an.

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November – im Grund der Erde Autor:Militärseelsorger i. N. Ludger Nikorowitsch, aus: Kompass 11/2015

Bilder von Licht und strahlender Sonne sind für viele Menschen mit der Erfahrung Gottes in ihrem Leben verbunden. Als Teil der Schöpfung können sie zum Spiegel der menschlichen Seele werden und dem Glauben Kraft und Freude vermitteln. Mit der Dämmerung, den Schatten und der Dunkelheit tun wir uns häufig schwerer. So sehen manche dem November mit unangenehmen Gefühlen entgegen und erleben ihn eher als Störung: Nebel und lange Nächte, kahle Laubbäume, sichtbarer Rückzug der Pflanzen, das unsichtbare Ruhen der Samen in der Dunkelheit der Erde. Es ist wie ein großes Abschiednehmen von sommerlicher Leichtigkeit und unbeschwertem Draußen-Sein, Ende der Ernte und des Rückzugs in die Erde. Die Dunkelheit der Erde wird zum vorherrschenden Natur-Bild dieser Zeit.

Mut zum Rückzug

Wie wäre es, wenn wir dieses Bild als Einladung zur Besinnung unseres Lebens vor Gott zuließen – als einzelne und auch als Gemeinschaften? Ich glaube, dass Mut dazu gehört.

Und ich erinnere mich dankbar an viele Männer, die ich als Mentor in diesem Prozess schon bei Waldexerzitien, Visionssuchen und Seminaren begleiten durfte. Freiwillig haben sie sich gerade in Zeiten von Lebensübergängen auf einen Weg eingelassen, der mit Fasten, mit ein- oder mehrtägigem Alleinsein in der Natur auch in die äußere und innere Dunkelheit und Schattenwelt führen kann. Häufig erleben viele danach aber ein stärkeres Verbundensein mit sich selbst, mit der Natur und mit Gott. – Und dabei sind sie in bester Gemeinschaft mit Menschen, die dazu zeitweise oder ganz in die Einsamkeit der Wüsten, Wälder oder Höhlen gezogen sind: ob Benedikt von Nursia, Martin von Tours oder auch Jesus.

Unfreiwillig werden andere Menschen z. B. durch plötzliche schwere Erkrankung, durch Verletzung oder Krieg mit dieser dunklen, leidvollen Seite unserer Existenz konfrontiert. Dies bewegt mich immer wieder in der Begegnung mit Kranken und Sterbenden und ihren Angehörigen in unserem Bundeswehr-Krankenhaus. Neben Verstand und Wissen verlangt uns das Leben hier ein hohes Maß an Aushalten und Vertrauen in die heilsam schmerzhaften Prozesse des Lebens ab. Bei manchem mag es sichtbar Glauben und Lebensmut bereichern, andere werden sich vor allem deutlich der eigenen Grenzen bewusst. Umso wichtiger wird es, gerade diese Erfahrung der Dunkelheit mit einem anderen Menschen teilen zu können.

Bilder für das Leben

Unsere christlich geprägte Kultur nimmt deshalb die dunkle Zeit des Jahres als bewusstes Sinnbild für die großen Themen des menschlichen Lebens: Abschied, Loslassen, Trauern, Warten, Wachstum und Neubeginn. – In der kollektiven Erinnerung unserer Gesellschaft bieten Allerseelen und Allerheiligen, Totensonntag und Volkstrauertag genug Anlass, um uns mit den Lebenden und Toten, mit ihrem Wissen, mit unserem Platz im Leben, mit unseren Gaben und Auf-Gaben heute zu verbinden. – So könnte der November mit seiner Dunkelheit, Bildlosigkeit und Stille Gelegenheit zur ehrlichen Standortbestimmung und zu innerem Wachstum ermöglichen. Vom mittelalterlichen Dominikanermönch und Mystiker Meister Eckart geht mir ein Satz dazu nach: „Nirgends vermag der Himmel mehr zu wirken als im Grund der Erde.“ Was das für Sie bedeuten könnte? – Finden Sie es heraus!

Ludger Nikorowitsch,

Militärseelsorger im Nebenamt am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg und Referent für Männerpastoral im Erzbistum Hamburg

Der Mensch als Concreator der Schöpfung Autor:Militärpfarrer Stefan Bauhofer, aus: Kompass 10/2015

Vor vielen Jahren geisterte ein Lied durch alle Hitparaden, das für viele zum Ohrwurm wurde. Der Refrain hatte folgenden Text: „Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer? Ein Sommer, wie er früher einmal war – ja, mit Sonnenschein von Juni bis September, und nicht so nass und so sibirisch wie im letzten Jahr“

Ja, es gab einmal eine Zeit, in der war dieses Lied hoch aktuell. Verregnete, nasskalte Sommer – man erinnert sich vielleicht noch daran. Nur nach dem Jahrhundertsommer, den wir gerade hinter uns haben, klingen solche Erinnerungen schon fast wie Märchen aus längst vergangener Zeit. Vor allem dann, wenn man den Meteorologen Glauben schenken darf, dass dieser Sommer nicht der letzte seiner Art gewesen ist, dass sich unser ganzes Klima erwärmt und wir uns an Temperaturen wie in Italien gewöhnen müssen.

Was ist aus unserem Wetter geworden? Und was wird wohl noch alles daraus werden? Es gibt Stimmen, die nicht zu überhören sind: die Stimmen, die davon sprechen, dass wir selbst daran schuld sind!

Unser Raubbau an der Natur, unser Umgang mit der Umwelt, unsere Rücksichtslosigkeit den natürlichen Ressourcen gegenüber ... all das rächt sich jetzt auf einmal – und zwar so, dass es auch wirklich der Letzte nicht mehr übersehen kann! Wir haben uns schuldig gemacht. Und nicht nur an der Natur!

Unsere Welt ist Gottes Schöpfung und ihm gehört sie auch. Uns ist sie nur anvertraut, wir sollen sie nicht nur hegen und pflegen, wir sollen sie mit Gott zusammen zur Vollendung führen. Seit Jahrhunderten hätten wir das schon in der Schrift lesen können. Von wegen: „Macht euch die Erde untertan!“ Einseitiger konnte man die Bibel gar nicht auslegen.

Die Genesis-Erzählung (Gen 2,19ff.) in der Bibel spricht da eine ganz andere Sprache. Da werden nicht nur Namen an Tiere verliehen – nein, es wird für jedes Geschöpf, so nach dem Sprachgebrauch bei den Orientalen, der jeweilige Platz in Gottes Schöpfung festgelegt!

Und Gott tut das mit dem Menschen gemeinsam. Das ist eine ungeheure Aussage: Gott macht den Menschen zum „Concreator“, zum „Mitschöpfer“. Er baut die Schöpfung gleichsam mit dem Menschen zu Ende, so wie ein Vater etwa aus Holzklötzchen mit seinem Kind eine Burg baut. Und wir, wir benehmen uns dabei wie jene Trotzköpfe, die nicht mitbauen, sondern einfach alles wieder über den Haufen werfen. So etwas geht jedoch nur mit Bauklötzen einigermaßen gut, aber nicht mit einer Welt, auf deren Funktionieren wir angewiesen sind.

Gott hat uns in die Verantwortung genommen, und das mit gutem Grund. Es ist nämlich nicht nur seine, es ist auch unsere Welt – eine, die wir mitgestalten können, die so sein soll, dass wir uns darin wohl fühlen. Und die auch so sein kann, wenn wir in Verantwortung vor Gott die Welt nicht beherrschen, sondern hegen und pflegen als ein hohes Gut, das uns von Gott selbst anvertraut worden ist. Wenn wir uns wirklich unserer Verantwortung bewusst werden und mit Gott und vor Gottes Angesicht umsichtig ans Werk gehen, dann ist vielleicht noch alles zu retten.

Und wer weiß, vielleicht wird‘s dann wirklich wieder einmal Sommer, ein Sommer, wie er früher einmal war, mit Schauern, die nicht gleich die Keller überfluten, mit Winden, die nicht gleich die Bäume entwurzeln, und vor allem mit Sonnenschein von Juni bis September, Sonnenschein, den Kinder ohne Angst vor Ozonloch und Hautkrebs wirklich genießen können.

Das wünscht Ihnen

 

Militärpfarrer Stefan Bauhofer,

Katholisches Militärpfarramt Kaufbeuren in Bayern

 

 

Der Frieden fängt bei mir selbst an! Autor: Georg Bäuml, Katholisches Militärpfarramt Burg / Sachsen-Anhalt, aus: Kompass 09/2015

Über den Frieden schreiben, fällt mir nicht leicht. Im Laufe der Geschichte haben schon unzählige kluge Köpfe, viele – mehr oder weniger wichtige – Schriftstücke über den Frieden angefertigt. Tonnen von Papier wurden und werden darüber bedruckt. Wissenschaftliche Arbeiten, Kommentare, Ansichten, Meinungen und kluge Rezepte – und es werden Tag für Tag mehr.

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Sind wir von allen guten Geistern verlassen? Autor: Leitender Militärdekan Artur Wagner, aus: Kompass 06/2015

Diesen Eindruck vermittelt zuweilen die öffentliche Meinung, wenn es um die katholische Kirche geht, besonders ihre Ansichten zu gelingendem Leben in Beziehung. Mit den zu erwartenden Ergebnissen der Familiensynode im Herbst wird sich dieser Eindruck wohl noch verstärken.

Doch darum geht es mir nicht, wenn ich mich mit Ihnen auf die Spur des Heiligen Geistes mache. Ich bin überzeugt, dass die Kirche eben nicht von allen guten Geistern verlassen ist, sondern diese göttliche Kraft in sich trägt, die uns zum Leben und zur Gemeinschaft befähigt.

Individualismus und Egozentrik sind Zeichen unserer Zeit. Sie schaffen oft ein Klima der Vereinsamung und der Unfähigkeit, mit anderen in Beziehung zu treten. Dazu gehört auch die Angst, sich auf eine Beziehung – auch die Gottesbeziehung – einzulassen.

Wie Leben miteinander gelingen kann, berichtet uns die Bibel im Blick auf die frühe Kirche. Hier lassen sich Prinzipien finden, die gemeinschaftsstiftend sind – im eigenen Leben, wie im Leben der Kirche – und die wieder neu Freude am gemeinsamen Leben schenken können.

Räume schaffen, um sich zu begegnen

Während man derzeit binnenkirchlich eher damit beschäftigt ist, Gebäude zu sanieren, brauchen Gemeinschaften Räume der Begegnung, um leben zu können. „Räume“ stiften geistreiche Gemeinschaft, wo sie zur Begegnung einladen. Schon die Apostelgeschichte berichtet davon, dass sich die Jünger Jesu und seine Mutter bei der Geistsendung am gleichen Ort befanden (vgl. Apg 2).

Es ist spannend davon zu hören, dass eine Ordensgemeinschaft ihr leerstehendes Kloster für Flüchtlinge öffnet, diese begrüßt und begleitet. Doch die Überlegung, welches Darlehen nötig ist, um eine Kirche zu renovieren, wird kaum begeistern, zumal wenn dort sonntags mehr Ministranten im Chor sitzen als Gottesdienstbesucher auf den Bänken. Wenn der Heilige Geist wirklich zur Gemeinschaft führt, dann sollten wir ihm Räume öffnen, in denen Begegnung möglich ist.

Die Sprache des Anderen verstehen

Der Wirkung des Heiligen Geistes wird es in der Bibel zugeschrieben, dass alle Zuhörer die Jünger verstehen konnten. Das war nicht Ergebnis eines göttlichen Sprachkurses, sondern einer inneren Haltung. Gemeinschaft scheitert in der Regel nicht an fehlenden Fremdsprachen-Kenntnissen, sondern an emotionaler Sprachlosigkeit.

Die Generation Smartphone ist vernetzt wie nie, kommt aber kaum noch zu Wort. Gemeinschaft wird dort als lebendig erfahren, wo ich mit meiner Geschichte vorkomme und jemanden finde, der mich anhört und versteht. Ebenso werden die Dialogprozesse in unserer Kirche nur dort ernst genommen, wo man die Anliegen des Anderen versteht, d. h. vom eigenen Standort abrückt, um die Sache aus der Sicht des Anderen zu betrachten.

Grenzen mutig überwinden

Die Geschichte des Hauptmanns Cornelius (Apg 10) zeigt eine weitere Wirkung des Heiligen Geistes, die zur Gemeinschaft und zum Leben führt: Grenzen überwinden.

Da lebt einer überzeugt seinen Glauben, darf aber nicht zur Gemeinschaft gehören, weil er kein Jude ist. Doch der Heilige Geist kommt auf ihn herab und Petrus muss erkennen, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf, und tauft den Heiden. Dafür muss er sich vor den Judenchristen, also den wirklich Frommen seiner Zeit, rechtfertigen.

Gott sei Dank hatte der erste Papst der Kirchengeschichte den Mut dazu, sonst wären wir alle – wenn überhaupt – Christen zweiter Klasse. Bis heute gibt es geisterfüllte Menschen, die zu unserer Kirche gehören wollen, aber gemäß Gebot und Lehre Christen zweiter Klasse sind – oder geworden sind. Sei es auf Grund ihrer psychosomatischen Entwicklung oder ihrer zerrütteten Lebensverhältnisse. Wenn hier der Glaube zum Maßstab der Zugehörigkeit wird und nicht überhebliche Barmherzigkeit, dann wird es auch uns gelingen, Grenzen mutig zu überwinden.

So könnten auch heute Kirchenferne – und damit, wie damals, die Mehrheit – wieder zur Gemeinschaft der Kirche finden.

An Pfingsten (Pentecoste = der fünfzigste Tag nach Ostern) kommt der Heilige Geist auf die Kirche herab. Ich hoffe, nicht nur zu Zeiten der Bibel, sondern auch heute. Durch ihn werden wir gemeinschaftsfähig, wird Kirche zum Raum, in dem Begegnung möglich ist, weil man die Sprache des Anderen versteht und Grenzen mutig überwindet.

Artur Wagner, Leitender Militärdekan im Katholischen Militärdekanat München

 

 

Veränderung – Begeisterung Autorin: Pastoralreferentin Carola Lenz, Katholisches Militärpfarramt Bremerhaven, aus: Kompass 05/2015

Haben Sie schon einmal zu duschen versucht, ohne nass zu werden? Es ist möglich. Das sage ich Ihnen aus meinem reichen Erfahrungsschatz als Mutter. Doch weder fühlt sich das betreffende Kind anschließend erfrischt, noch ist die Maßnahme, die ja eigentlich aus hygienischen Gründen angeordnet wurde, irgendwie zielführend. Der einzige Erfolg: Das Kind wird von der Erziehungsberechtigten bis auf weiteres in Ruhe gelassen – doch das ist noch nicht einmal sicher.

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Wer rollt uns den Stein weg? Autor: Militärpfarrer Michael Kühn, aus: Kompass 04/2015

Wer rollt uns den Stein weg? – Diese Frage bewegt die Frauen am Ostermorgen ganz intensiv. Denn davon hängt für sie ab, ob sie von Jesus noch einmal Abschied nehmen und ihm einen letzten Dienst, ein letztes Zeichen der Zuneigung schenken können. Denn der Stein verschließt das Grab. Er ist ein Hindernis. Er trennt. Er ist für die Frauen eine nicht zu bewältigende Herausforderung.

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Kreuz im Einsatz Autor: Militärpfarrer Mirko Zawiasa, aus: Kompass 03/2015

Am Beginn des Einsatzes Resolute Support (RS) haben die Kameraden von Radio Andernach im Camp Marmal (Mazar-e Sharif) die Aktion „Unvergessen“ ins Leben gerufen. Es geht darum, die Kameraden, die während des ISAF Einsatzes (International Security Assistance Force) in Afghanistan gefallen sind oder ihre leibliche bzw. seelische Gesundheit verloren haben, nicht zu vergessen, sondern zu unterstützen. Dazu hat man ein T-Shirt herausgebracht, auf dem man die Rückenansicht eines Soldaten sieht, der Flügel wie ein Engel hat. Dieses Motiv greift auf die Formensprache der christlichen Kunst zurück. Das T-Shirt ist Symbol des Gedenkens.

Leid wird erträglicher, wenn es nicht allein getragen werden muss. Das Leiden Christi steht im Mittelpunkt der christlichen Mystik. Die Frage nach dem Leid bildet einen Schwerpunkt unseres Glaubens. Wir glauben: Gott hat sich mit unserem Leid solidarisch gemacht. Er wurde als Mensch geboren, um unser Leid auf sich zu nehmen. Dadurch haben wir Menschen nicht nur irgendeinen anderen Menschen, der unser Leid mit trägt, sondern es ist Gott selbst. Genau genommen trägt Er alles Leid für uns auf den Berg Golgatha und auf das Kreuz. Doch das Kreuz bleibt nicht das Letzte. Der da für uns starb, ist auch auferstanden. Deshalb ist das Kreuz das Symbol unserer Erlösung und unseres Glaubens.

Deshalb ist es tröstlich, unseren Kameraden ein Kreuz auf das Grab oder die Gedenkstätte zu stellen. Es spricht ohne Worte davon, dass ihr Leid nicht nur nicht vergessen worden ist. Es ist bis in die letzte Tiefe hinein verstanden und geteilt worden. Und das Kreuz gibt zugleich den Grund unserer Hoffnung an, dass Leid und Tod auch für unsere Kameraden nicht das Letzte bleiben werden. Sie sind auf Hoffnung hin gefallen oder verwundet worden. Nicht auf irgendeine begrenzte Hoffnung hin, zum Beispiel, dass es in Afghanistan besser wird. Sie sind auf die große Hoffnung hin gestorben, dass sie leben werden. Ein geheiltes, glückliches, ewiges Leben in Liebe verbunden mit Gott und allen, die sie lieben.

Das Kreuz ist das Symbol dafür. Deshalb gibt es nicht nur Kreuze aus Holz oder Stein. Nicht nur solche, die den leidenden Jesus zeigen. Deshalb gibt es Kreuze aus Gold und Edelsteinen. Das goldene Kreuz, vielleicht sogar mit Edelsteinen geschmückt, fängt die Strahlen der Sonne ein und verteilt sie neu. Es ist ein Symbol der Hoffnung und Erlösung.

Militärpfarrer Mirko Zawiasa,
Katholisches Militärpfarramt Nordholz

Vom Dunkel zum Licht Autor: Militärpfarrer Martin Tilles, aus: Kompass 02/2015

Viele Menschen sind in ihrer Stimmung vom Wetter abhängig: „Winterdepression“ nennen die Mediziner die saisonal auftretende gedrückte Stimmung, die in den dunklen Herbst- und Wintermonaten Menschen zu schaffen macht, denen bei hellem und sonnigem Wetter das Grau in Grau des Alltags in einem viel freundlicheren Licht erscheint.

Wir Menschen brauchen das Licht zum Leben – und das nicht nur biologisch. Es gibt Finsternisse, die sich nicht mit künstlichem Licht erhellen lassen: Wir sehnen uns danach, dass in unseren Gemeinschaften und Familien im übertragenen Sinne „die Sonne scheint“, dass man einander versteht. Und umgekehrt können Ängste und Sorgen, persönliches Leid und Enttäuschungen uns gewaltig zusetzen. Gerade Soldaten werden immer wieder mit dem Dunkel konfrontiert, das durch Krieg, Terror und Gewalt entsteht und das Leben und die Chancen nicht nur einzelner Menschen, sondern ganzer Völker bedroht. Und dann ist da auch noch die Finsternis der zunehmenden Gottvergessenheit und Gottferne: Je mehr Gott aus unserem Bewusstsein entschwindet und der Mensch meint, besser ohne Gott leben zu können als mit ihm, umso dunkler wird es in dieser Welt.

Suche nach Licht: damals ...

Das im Volksmund nach wie vor „Lichtmess“ genannte Fest der Darstellung des Herrn am 2. Februar ist ein „Nachbrenner“ von Weihnachten und gehört inhaltlich zum weihnachtlichen Festkreis. Das mutet uns vielleicht komisch an, leben wir doch in einer Zeit, in der Weihnachten nach außen schon viele Wochen vor dem 25. Dezember beginnt, wenn unsere Innenstädte und Einkaufsstraßen von einem regelrechten Lichtermeer an den „Weihnachtsbäumen“ erfasst werden, die gleich zu Beginn des neuen Jahres entsorgt werden und so optisch deutlich machen, dass Weihnachten „vorbei“ ist.

Das Fest der Darstellung des Herrn führt uns zurück zu Weihnachten und sagt uns noch einmal deutlich, woher das wahre Licht kommt, das die Welt braucht: Vierzig Tage nach seiner Geburt wird Jesus in den Tempel gebracht, wie es das Gesetz des Mose vorschrieb. Da tritt der greise Simeon hinzu, der nicht sterben wollte und konnte, bevor er den Messias gesehen hatte, aber sich nun gewiss ist: Mein Leben war nicht vergeblich; ich habe nicht umsonst geglaubt, gehofft, gebetet und auf Gott zugelebt. „Meine Augen haben das Heil gesehen, das du – Gott – vor allen Völkern bereitet hast“, ruft er hymnisch aus und preist das Kind, das in den Tempel gebracht wird, als „Licht, das die Heiden erleuchtet“.

... und heute

Nicht wenige Menschen unserer Tage denken da ganz anders: „Mir fehlt nichts! Ich habe alles! Worum sollte ich beten? Ich bin zufrieden!“, sagen sie und hoffen, dass möglichst alles so weitergeht wie bisher. Andere hingegen resignieren, weil sie für sich einfach keine Zukunft sehen, verbittert sind und keine Hoffnung haben. Eine echte Sehnsucht, wie Simeon sie sich ein langes Leben bewahrt hat, ist den einen wie den anderen fremd. Sie alle verweist das Vorbild des greisen Simeon darauf, dass wahres Leben immer mehr ist als das, was wir selbst schaffen können und auf den ersten Blick wahrnehmen.

Als Christen glauben wir, dass Gott uns in seinem menschgewordenen Sohn das heilbringende Licht schlechthin bereitet hat, dass er uns durch ihn Sinn und Orientierung geben will und auch die Dunkelheiten unseres Lebens nicht zur finsteren Nacht werden lässt. Denn mit seinem Kommen ist ein für alle Mal eine neue Zeit angebrochen. In Jesus Christus hat Gott sich unwiderruflich der Welt angenommen und uns den Weg gezeigt, der zum wahren Leben führt. Im Blick auf ihn und im Hören auf sein Wort wird unser Leben wahrhaft hell und heil.

Militärpfarrer Martin Tilles,
Katholisches Militärpfarramt Wilhelmshaven I

Alle guten Wünsche … Autor: Militärpfarrer Thomas Funke, aus: Kompass 01/2015

Es gibt wohl kaum eine Jahreszeit, in der mehr gute Wünsche an den Mann und die Frau gebracht werden als in den zurückliegenden Tagen. Es beginnt zaghaft mit der besinnlichen Adventszeit, die sich manche gegenseitig wünschen, die diese Zeit bewusst begehen; erreicht seinen Höhepunkt mit den Weihnachtswünschen und den Wünschen für das neue Jahr und endet wieder eher diskret mit dem Wunsch, Gott möge das Haus segnen (Christus+Mansionem+Benedicat), den die Sternsinger im Januar an den Türsturz schreiben.

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