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Weihnachtsgruß an die Soldatinnen und Soldaten

Weihnachtsgruß an die Soldatinnen und Soldaten der Deutschen Bundeswehr sowie an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Militärseelsorge.

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Gott hat Weihnachten „gemacht“, ohne uns zu fragen

Foto: KMS / Jörg Volpers
Foto: KMS / Jörg Volpers

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Soldatinnen und Soldaten!

Der Morgen des 24. Dezember 1914 in Flandern war kalt und klar. Deutsche und britische Soldaten, die sich an der erstarrten Front in Gräben nahe gegenüberlagen, waren nach anfänglicher nationaler Euphorie ernüchtert von den Kampfbedingungen, den vielen Gefallenen und der bitteren Realität des Ersten Weltkriegs. Wir können dennoch nur vermuten, weshalb an Weihnachten vor hundert Jahren die Kämpfe plötzlich eingestellt wurden. Lag es daran, dass auf beiden Seiten noch ein übergreifendes Bewusstsein von Weihnachten als Fest der Nächstenliebe vorhanden war? Hatte die Bitte des neu gewählten Papstes Benedikt XV., die Waffen wenigstens an Weihnachten ruhen zu lassen, die Menschen erreicht? Oder ahnten die Männer, wenn sie Geschenke und Post aus der Heimat erhielten, wie ein Leben in Frieden wieder aussehen könnte? Mehr noch: während des sogenannten „Weihnachtsfriedens“ gingen Feinde aufeinander zu, tauschten Geschenke aus, sangen Weihnachtslieder und bargen ihre Toten aus dem Niemandsland. Mini-Weihnachtsbäume wurden aufgestellt und Kerzen brannten auf den Rändern der Schützengräben. Briten und Deutsche trugen entlang der feindlichen Linien ein Fußballspiel aus.

Im französischen Dorf Fromelles feierten beide Seiten einen Gottesdienst. Auf Deutsch und Englisch beteten die Soldaten den Psalm 23:

„Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen ... Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir.“



Geschätzte 100.000 Soldaten erlebten dieses Wunder des „Weihnachtsfriedens“, danach ging der Krieg weiter. Hätte man diese Soldaten jedoch gefragt – so ein überlebender Brite –, hätten sie wohl niemals wieder zu den Waffen gegriffen.

Auch heute, hundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs, zeigen uns die Konflikte in Syrien, im Irak, in der Ukraine oder in vielen Ländern Afrikas, wie brüchig Waffenruhen und wie kostbar Zeiten des Friedens sind. Die Botschaft von Weihnachten und der Gesang der Engel in der Heiligen Nacht, „Friede den Menschen seines Wohlgefallens“, scheinen auf diesem Hintergrund nur für wenige Menschen und Generationen zu gelten.

Wieso Gott sich als Mensch auf die menschlichen Abgründe und die existenziellen Nöte, die das Kind in der Krippe von Geburt bis zu seinem gewaltsamen Tod erfuhr, überhaupt einließ, bleibt sein Geheimnis. Gott hat Weihnachten „gemacht“, ohne uns zu fragen. Er kam in seine Welt ohne unser Zutun. Mitten in einer scheinbar heillosen und brutalen Zeit des Krieges ist Gott genauso der Nahe, wie mitten in unserem nüchternen Alltag. Denen, die ausdrücklich an die Wahrheit von Weihnachten glauben, wie denen, die für das Geheimnis noch keinen Namen haben, möchte er sein Übermaß an Liebe und Hoffnung schenken. Allen bietet Weihnachten die Chance, etwas von diesem Geheimnis zu erahnen und so gemeinsam zu feiern.

Ihnen, liebe Soldatinnen und Soldaten sowie Ihren Familien und denen, die Ihnen nahe stehen, wünsche ich ein gesegnetes und – im Großen wie im Kleinen – friedvolles Weihnachtsfest! Lassen Sie uns gemeinsam besonders an die denken und für die beten, die Weihnachten endlich wieder in Frieden erleben wollen!

Ihr
+ Dr. Franz-Josef Overbeck
Katholischer Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr

2014_Weihnachtsgruss_MB_Kompass.pdf

Weihnachtsgruß von Bischof Overbeck aus "Kompass. Soldat in Welt und Kirche" 12/2014