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„Wir müssen um der Gerechtigkeit willen eingreifen“

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Militärbischof Overbeck über den Kampf gegen IS-Terror

von Stefan Buchholz (KNA)

Cloppenburg (KNA) Die Frage, ob und unter welchen Bedingungen Christen militärische Gewalt akzeptieren können, sorgt angesichts der Konflikte in der Ukraine, im Nahen Osten und in Afrika aktuell für hitzige Debatten. Der Katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck plädiert hier für eine differenzierte Sichtweise. "Es reicht nicht, nur mit militärischen Antworten zu reagieren. Wir lernen aus den vergangenen Einsätzen die Lektion, dass auch kulturelle und religiöse Aspekte mit einbezogen werden müssen", sagte Overbeck am Dienstagabend vor Journalisten in der Katholischen Akademie Stapelfeld. Dort fand bis Freitag, 19. September, die jährliche Woche der Begegnung katholischer Soldaten statt.

Die Nachrichten über die Gewaltexzesse der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) mit Vergewaltigungen, Kreuzigungen und Enthauptungen gingen ihm sehr nahe, bekannte der 50-Jährige. Als Ultima Ratio müsse die Androhung von Gewalt und ihr Einsatz möglich sein, um das Recht auf Leben und Unversehrtheit zu schützen, sagte Overbeck. "Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben, weshalb man um der Gerechtigkeit willen eingreifen müssen", so der Essener Bischof. "Nicht allerdings im Sinne einer klassischen Kriegsführung."

Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Quelle: KMS /Dreiling)
Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Quelle: KMS /Dreiling)

Ein Militäreinsatz brauche klare Mandate des Bundestages und der Vereinten Nationen, unterstrich Overbeck, der seit gut drei Jahren Militärbischof ist. Ebenso müssten alle Mittel zu einer friedlichen Beilegung des Konfliktes erschöpft sein, bevor der Einsatz von Gewalt beginnen könne. Einem sogenannten "Lifestyle-Pazifismus" erteilte der Bischof eine Absage. "Ein ausgeprägtes Gutmenschentum erweist sich nicht als ernsthafte Alternative, weil es auf Kosten der Menschen in Krisenregionen unvernünftig werden kann."

Weiter berichtete Overbeck, bei Gesprächen mit höheren Bundeswehr-Verantwortlichen habe er erfahren, dass diese sich alle den schwierigen ethischen Fragen solcher Einsätze stellten. "Wenn Gewalt angewandt wird, zieht das Verantwortung nach sich", sagte Overbeck. Denn als Antwort könnten sich Aggressionen und Waffen gegen die eigenen Soldaten selbst richten.

Letztlich sei es an der Politik, über die Anwendung von Gewalt zu entscheiden, sagte der Vorsitzende des Katholikenrates beim Katholischen Militärbischof, Oberstleutnant Thomas Aßmuth. "Dabei ist sie in der Pflicht, Krisenprävention zu leisten." Es sei nicht im Interesse der Bundeswehr, "als Feuerwehr überall eingesetzt zu werden", so Aßmuth.

Kurz vor der bundesweiten Zusammenkunft in Stapelfeld veröffentlichte die Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) eine Erklärung zum Einsatz von Kampfdrohnen durch die Bundeswehr. Dabei sprach sich der Verband aus ethischen, völkerrechtlichen und militärischen Gründen für die Einführung von Drohnen aus. "Aus militärischen Überlegungen heraus bietet der Einsatz bewaffneter Drohnen Möglichkeiten nicht nur zum Schutz unserer Soldaten, sondern auch zur Gewaltminimierung, zur Vermeidung von Verlusten von Menschenleben und zur präzisen Erfüllung von Aufträgen", heißt es in der Erklärung. Overbeck verwies demgegenüber auf die Haltung des Fuldaer Bischofs Heinz-Josef Algermissen, der sich gegen den Drohneneinsatz ausgesprochen habe. Algermissen ist Präsident der deutschen Sektion der Katholischen Friedensbewegung Pax Christi.

Alljährlich treffen sich an wechselnden Tagungsorten katholische Soldaten zu einer "Woche der Begegnung". Von Sonntag bis Freitag fand in der Katholischen Akademie Stapelfeld bei Cloppenburg neben der Vollversammlung des Katholikenrates auch die Bundeskonferenz der Gemeinschaft Katholischer Soldaten (GKS) statt. An ihr nahmen rund 100 Delegierte teil. Die 54. Woche der Begegnung fand unter dem Motto "Wir. dienen. katholisch." statt.

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