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Fronleichnam

Kelch und Hostien in der Eucharistiefeier bei einem Feldgottesdienst. © KS / Barbara Dreiling
Kelch und Hostien in der Eucharistiefeier bei einem Feldgottesdienst. © KS / Barbara Dreiling

           

Das Hochfest „Fronleichnam“ wird zehn Tage nach Pfingsten gefeiert und hat mit dem Tod nichts zu tun: Das mittelhochdeutsche Wort fron bedeutet „Herr“ und steht für Jesus Christus, dessen „lebendiger Leib“ (mhd. lichnam) in Prozessionen zu Land oder zu Wasser verehrt wird.

Eine  Vision der Augustinernonne Juliane von Lüttich 1209 gab den Anstoß für das Fest. Seit dem 13. Jahrhundert wird die Eucharistie, nach katholischem Glauben der Leib Jesu Christi, in Form einer Hostie in einem Schaugefäß (Monstranz) durch die Straßen getragen. Entlang des Prozessionsweges stehen bis zu vier Stationen, kleine Altäre, an denen die Gläubigen gemeinsam beten und den eucharistischen Segen erhalten. Besonders in katholischen Gegenden Deutschlands werden diese Stationen sowie die Straßen und Häuser des Prozessionswegs mit Fahnen und Blumen geschmückt.



Fronleichnam – ein Fest vom Sehen und Sich-Sehen-Lassen

Es ist einer der wenigen katholischen Feiertage, die „auf der Straße“ gefeiert werden. Dadurch ist das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ mit dem fremd anmutenden Namen „Fronleichnam“ sicher ein bekanntes und schön anzusehendes, aber doch nicht leicht zu verstehendes Fest.

Immer am zehnten Tag nach dem Pfingstfest – also an einem Donnerstag im Frühjahr – gelegen, ist dieser Feiertag für viele der Anlass zu einem „langen Wochenende“ und zum Verreisen. Zugleich ist er Stein des Anstoßes in den Bundesländern, in denen er nicht als gesetzlicher freier Tag gilt, und in weniger katholischen Regionen, wo durch ihn – zumindest früher – die Spaltung zwischen den christlichen Konfessionen besonders deutlich wurde.

In der Wortbedeutung meint der Name: „Leib des Herrn“ – vom Mittelhochdeutschen aus vron / „Herr“ und lichnam / „lebendiger Leib“ zusammengesetzt. Es geht um den Kern der katholischen Messe, die Eucharistiefeier, die Wandlung von Brot und Wein in das Sakrament von Leib und Blut Jesu Christi. Was also seinen Anfang nimmt am Gründonnerstag, der Erinnerung an das Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, aber in der Karwoche eher etwas verhalten gefeiert wird, geht seit dem 13. Jahrhundert „nach draußen“.

Dabei stehen einerseits die festlichen Gottesdienste im Freien dafür, dass Gott und die Freude an ihm nicht nur hinter Kirchenmauern, sondern in die Öffentlichkeit gehören; andererseits sind die anschließenden Prozessionen ein Zeichen für die Kirche, die selbst auch als „Leib Christi“ bezeichnet wird und als „wanderndes Gottesvolk“. Das Sehen (des Allerheiligsten, also der konsekrierten Hostie in einer Monstranz, einem schön gestalteten Zeige-Behältnis) gehört zum Sich-Sehen-Lassen (wenn Christen sich in Zivil, in traditionellen Trachten oder auch in Uniform in der Prozession zeigen und gesehen werden).

Papst Benedikt XVI.: „Indem wir die Eucharistie auf die Straßen und Plätze tragen, wollen wir das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, mitten in unser Alltagsleben bringen; wir wollen, dass Jesus dort geht, wo wir gehen, dass er dort lebt, wo wir leben.“

Jörg Volpers