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Ein Licht der Hoffnung anzünden

Auch wenn im Advent vorweihnachtliche Hektik unsere Tage bestimmt, sollten wir für einen Augenblick innehalten und ins Bewusstsein rufen, dass diese Zeit des frohen Erwartens eigentlich eine Zeit der Besinnung ist – oder besser gesagt: sein sollte. Tage der Besinnung auf das, was uns wichtig ist.

Der Besinnung auf das, was war und was noch vor uns liegt. Für die Christen ist der Advent die Zeit der Vorbereitung auf das Fest der Geburt Christi. Das ist in unserer modernen Welt vielfach in den Hintergrund getreten. Denen, die christlichen Glaubensüberzeugungen skeptisch oder sogar ablehnend gegenüberstehen, wird dies auch wenig bedeuten. Aber auch für sie ist die Advents- und Weihnachtszeit meist eine ganz besondere Periode des Jahres. Ich spüre dies gerade dann, wenn bei meinen Truppenbesuchen das Gespräch auf eine frühere oder gar bevorstehende Einsatzverwendung während der Weihnachtstage kommt. Wenn von enttäuschten Kinderaugen erzählt wird, weil der Vater nicht zu Hause ist, während die Menschen um sie herum im Kreis der Liebsten zusammenkommen. Vom Partner, der sich nur per Telefon aus dem fernen Einsatzgebiet melden kann, vom Paket an die Kinder, das statt unter dem Tannenbaum beim Hauptzollamt lag. Vom einsamen Dienst in eiskalter Nacht, während Sehnsucht nach der warmen Stube mit leuchtenden Kerzen am Weihnachtsbaum die Gedanken beherrscht. Da zeigen auch gestandene Männer Emotionen und unterdrücken nur mühsam ihre Tränen.

Was ist es, das diese Jahreszeit so besonders macht? Sind es die langen Nächte, die festlichen Lieder im Rundfunk, die selbstgebastelten Geschenke der Kinder an ihre Eltern? Es ist sicherlich von allem etwas, aber es ist vor allem eines: eine gute Gelegenheit, über die Feiertage inne zu halten, darüber nachzudenken, was uns wirklich wichtig ist.

Unsere Soldatinnen und Soldaten – vor allem die im Einsatz – und ihre Familien wissen, was das ist. Und die Partnerinnen und Partner, Mütter und Väter, Töchter und Söhne, deren Angehörige im Einsatz gefallen oder im Dienst verunglückt sind, wissen das erst recht. Für sie hat das Leben vom einen auf den anderen Tag eine andere Richtung bekommen, wurde scheinbar alles dunkel und hoffnungslos. Für sie ist Weihnachten nicht eine besonders schöne, sondern eine besonders schwere Zeit.
In der Gesellschaft spielen ihre Schicksale kaum eine Rolle. Im öffentlichen Bewusstsein scheint gerade noch Platz für die Gefallenen, aber deren Familien, die ein Leben lang mit dem Verlust leben müssen, kommen darin kaum vor. Das darf uns nicht daran hindern, sie gerade in dieser Zeit mit unseren Gedanken und Gebeten zu begleiten. Ich bin sicher, sie spüren das, auch wenn wir ihnen nicht direkt beistehen können. Auch die, die in dieser Zeit für uns in der Ferne im Einsatz sind, sollen wissen, dass wir an sie und ihre Angehörigen denken, die auch so gerne mit ihren Lieben zusammen wären. Lassen wir sie spüren, dass wir mit ihnen fühlen. Ein nettes Wort im Treppenhaus, eine freundliche Geste gegenüber ihren Kindern, das kann schon viel bewirken. Und treten wir gemeinsam gegen die Kaltherzigkeit und Teilnahmslosigkeit derer auf, die sich dieser Situation mit dem Hinweis verschließen, unsere Soldatinnen und Soldaten machten dort schließlich „nur ihren Job“. Nein, sie machen dort unseren „Job“, wenn man das überhaupt so bezeichnen darf, und sie verdienen dafür nicht nur unseren Respekt, sondern unsere uneingeschränkte Anerkennung.

Wenn wir also nun die Kerzen am Adventskranz oder am Weihnachtsbaum anzünden, denken wir auch an sie, die jetzt getrennt sind oder den Partner sogar verloren haben. Zünden wir also ruhig eine Kerze mehr an, als Zeichen der Solidarität und des Dankes!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen noch eine frohe Adventszeit und ein besinnliches Weihnachtsfest!

Hellmut Königshaus